Wegen Holzwurm: Bauernmuseum muss erhitzt werden

Von: Karl-Heinz Hoffmann
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Wenn er auf den neu errichteten Zaun rund um das Vereinsgelände auch mächtig stolz ist, so treibt ihm der Zustand des Bauernmuseums Sorgenfalten auf die Stirn. Georg Schruff, Vorsitzender des Heimatvereins Lammersdorf, weiß, dass der Holzwurm im Gebälk sein Unwesen treibt und enorme Sanierungskosten anstehen, die der Verein nicht alleine stemmen kann. Foto: Hoffmann
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Auch die Ausstellungsstücke im Bauernmuseum sind verantwortlich dafür, dass sich der Holzwum einnisten konnte.

Lammersdorf. Wenn zum anstehenden Frühlingserwachen bald wieder Schmetterlinge und Bienen rund um das Lammersdorfer Bauernmuseum in der Bahnhofstraße schwirren, dann setzt im Innern des Gebäudes ein anderes Insekt sein zerstörerisches Werk weiter fort. Der Holzwurm hat sich im Fachwerk-Gebälk des Gebäudes eingenistet (wir berichteten).

Auf den „Verein für Heimatgeschichte und Dorfkultur Lammersdorf e.V.“ kommen als Träger des Gebäudes laut eingeholten Gutachten Sanierungskosten in Höhe von 20.000 bis 50.000 Euro zu. Diese Hiobsbotschaft musste der Vorsitzende Georg Schruff bei der Jahreshauptversammlung den über 700 Mitgliedern des Vereins verkünden.

Mit dem Hinweis „Es ist dringender Handlungsbedarf geboten“, weist Schruff auf die Brisanz der Situation hin. Das Bauernmuseum war im September 1984 mit einer Ausstellungsfläche von 600 Quadratmetern, die sich auf acht Räume verteilen, mit mehr als 2000 Exponaten eröffnet worden. Und in diesen alten Ausstellungsstücken steckte dann vermutlich auch ein Teil der nun Schrecken verursachenden Holzwürmer.

Laut dem vorliegenden Gutachten des Sachverständigenbüros für Holzschutz aus Lastrup ist sowohl im Gebäude an der tragenden Bausubstanz (Deckenbalkenlage) als auch an Ausstellungsgegenständen Befall durch den „gewöhnlichen Nagekäfer“ festzustellen.

Wenn keine Bekämpfung des Holzwurms durchgeführt werde, muss laut Gutachten davon ausgegangen werden, dass in den nächsten zehn bis 20 Jahren die Deckenbalken soweit zerfressen werden, dass sie nicht mehr tragend sind. Spätestens dann drohen Räumung oder Abriss.

Die gute Nachricht bei diesem drohenden Desaster: Derzeit liegt laut Gutachten keine nennenswerte statische Querschnittsminderung vor. Die Ursache des Befalls durch den Holzwurm wird dadurch erklärt, dass in dem Gebäude keine wohnraumähnliche Nutzung vorliegt. So sei es zwar im Winter temperiert, aber durch die fehlende Lüftung und Nutzung würden höhere Holzfeuchten entstehen, die dem Nagekäfer als Lebensgrundlage dienten.

Um dem Schädling endgültig den Garaus zu machen wird von Seiten des Gutachters eine „Heißluftbehandlung „ empfohlen, die mit Wärmetauschern arbeitet. Dabei wird außerhalb des Gebäudes der Energieträger (Gas oder Öl) verbrannt und über einen Wärmetauscher trockene Luft in das Gebäude eingeblasen.

Aus dem vorliegenden Gutachten geht hervor, dass dabei für rund 10.000 Euro Heizöl benötigt wird, um die erforderlichen Temperaturen von 55 Grad für eine Stunde im Gebäude im Mittelpunkt der stärksten Holzbauteile zu erreichen. Weiter heißt es in dem Gutachten: „Da das Gebäude vermutlich eingepackt werden muss, die Geräte in Betrieb gehalten werden müssen und während der Anwendung ständig jemand vor Ort sein muss (24-Stunden-Dienst), ist mit Kosten von 20.000 bis 50.000 Euro für eine Heißluftanwendung zu rechnen“.

Zudem weist der Gutachter darauf hin, dass nach dieser Behandlung keine Hölzer (z.B. Exponate) mehr in das Bauernmuseum eingebracht werden können, wenn sie nicht vorher in einer Quarantänestation geprüft wurden. Die Quarantänedauer beträgt wenigstens fünf Jahre. Ein beigebrachtes Exponat für das Bauernmuseum wäre also für diesen Zeitraum anderweitig zu lagern.

Auf der Suche nach Hilfe

Die angesprochenen Sanierungskosten übersteigen natürlich die finanziellen Möglichkeiten des Heimatvereins. Auch deshalb wurde im vorliegenden Gutachten der Rat erteilt, „dringend mit öffentlichen Stellen Kontakt aufzunehmen, die ein Interesse haben, dieses Museum zu erhalten“. Dies prüft Georg Schruff derzeit und will sich unter anderem mit der Denkmalschutzbehörde und der Gemeinde Simmerath in Verbindung setzen, um eventuelle Zuschüsse abzuklären.

Die Ernsthaftigkeit der Lage des Bauernmuseums wird am Ende des Gutachtens noch einmal deutlich zum Ausdruck gebracht: „Wird jetzt keine Heißluftbehandlung durchgeführt, wird in absehbarer Zeit das Gebäude nicht mehr standfest sein und abgerissen werden müssen.“

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