Rurberg - Wasserspeicherkraftwerk: Großprojekt mit unbekannten Größen

Wasserspeicherkraftwerk: Großprojekt mit unbekannten Größen

Von: P. St.
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Vor großem Publikum: Zum Spei
Vor großem Publikum: Zum Speicherkraftwerk Rursee äußerten sich v.li. Elmar Thyen (Trianel), Herbert Polczyk (WVER), Dr. Christof Schöpfer (Trianel), Dr. Markus Hakes (Trianel), Dr. Hubert Lohr (Fachgutachter) und Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns. Foto: P. Stollenwerk

Rurberg. Es wäre ein Jahrhundert-Projekt, wenn das Pumpspeicherkraftwerk Rursee gebaut würde, aber ein solches Großprojekt mit 700 Millionen Euro Investitionskosten braucht Zeit, und es müssen, wie man so gerne sagt, dicke Bretter gebohrt werden.

Eine Unmenge von Planungsschritten ist abzuarbeiten, und da liegt es auf der Hand, dass sich nicht alle paar Monate ein neuer Sachstand ergibt.

Dass sich auch der Stadtwerkeverbund Trianel als Initiator des Wasserkraftwerkes ebenfalls noch im Anfangsstadium befindet und es noch mit vielen unbekannten Größen zu tun hat, wurde auch deutlich bei der zweiten Bürgerinformation der Gemeinde Simmerath, die am Mittwochabend im Antoniushof Rurberg stattfand. Rund 300 Bürger füllten alle Stuhlreihen, und es mangelte bei der gut einstündigen Diskussion nicht an Fragen, deren es zum jetzigen Zeitpunkt noch mehr als Antworten gibt.

Zuvor hatten die Experten auf dem Podium in Kurzvorträgen 105 Minuten lang aus unterschiedlichen Perspektiven den Sachstand des Projektes dargestellt.

Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns als Gastgeber kündigte am Ende weitere Infoveranstaltungen auch außerhalb des gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligungsverfahren der Öffentlichkeit an, bei denen es darum gehe, strittige Punkte zu diskutieren und Wissensdefizite aufzuarbeiten. Es sei noch lange kein Beschluss gefasst, „aber wir sollten diese Jahrhundertchance für Simmerath und Region ernsthaft prüfen.” Auch Eingriffe in die Umwelt würden sich nicht vermeiden lassen: „Eine Energiewende, die niemand merkt, geht nicht.”

Wie mehrfach berichtet, plant Trianel die Errichtung eines 640 Megawatt-Wasserkraftwerkes. Nach jetzigem Stand der Planung soll das Einlaufbauwerk in der Schilsbachbucht errichtet werden. Über ein Rohr mit sechs Metern Durchmesser soll dann das Rurseewasser in ein 7, 5 Millionen Kubikmeter Wasser fassendes fassendes Oberbecken gepumpt werden, dass im Bereich Buhlert errichtet werden soll. Das Speichervolumen der Rurtalsperre beträgt rund 200 Millionen Kubikmeter.

In der Diskussion wurden Zweifel daran geäußert, ob die angestrebte Bauzeit von einem Jahr für den Entnahmeturm ausreichen wird, während von mehreren Vertreter der Segelvereine die Befürchtung laut wurde, dass das veränderte Strömungsverhalten im Rursee zu Turbulenzen führen werde, verbunden mit Wassereintrübungen durch Sedimente. Komme es es dann zu einem Unfall, „dann wird es bestimmt zu einer Neubewertung des Nebeneinanders von Pumpspeicherwerk und Freizeitnutzung kommen.”

Ein Dauerthema ist auch die Schwankung des Rurseepegels beim Kraftwerksbetrieb. Hier kann es zu Differenzen zwischen 1,30 und zwei Meter innerhalb von sechs Stunden kommen. Die Schwankungen, so gaben Segler zu bedenken, könnten in Uferflachzonen leicht 15 Meter Unterschied bedeuten.

Das zu erwartende Strömungsverhalten im Rursee hatte zuvor Fachgutachter Dr. Hubert Lohr erläutert. Veränderungen seien im weiteren Umfeld der Schilsbachbucht zu erwarten, wobei eine abschließende Bewertung noch ausstehe. Während ein gesunder Fischbestand mit den Strömungen problemlos leben könne, sei eher der Laich in Gefahr - dies vor allem in der Bauphase.

In diesem Zusammenhang erinnert Herbert Polczyk, Leiter des Unternehmensbereiches Talsperren beim Wasserverband Eifel-Rur (WVER), daran, dass mit Unterstützung des Landes als Pilotprojekt eine rund 1000 Quadratmeter große Schwimminsel für die Fischbrut getestet werden soll, die sich dem Pegelhub anpasst.

Einig waren sich alle Beteiligten darin, dass die Bauzeit von einem Jahr und die damit verbundene Absenkung des Pegels auf 240 Meter (März bis November) in jedem Falle eingehalten werden muss. Dieser Zeitrahmen ist im übrigen eine Bedingung des WVER.

Diskutiert wurden auch Planungsalternativen wie zum Beispiel die komplette Absperrung und Aufstockung des Schilsbachtales. Um hier aber den erforderlichen Wasservorrat für den Kraftwerksbetrieb anzustauen, müsste eine 90 Meter hohe Mauer errichtet werden. Allein die Bauzeit von drei Jahren lässt diese Möglichkeit unrealistisch erscheinen, wie auch die Ertüchtigung des vorhandenen Wasserkraftwerkes Heimbach. Gegen ein solche Planung spricht die Lage der Urfttalsperre im Nationalpark und das viel zu kleine Staubecken Heimbach.

Am Ende einer sachlich geführten Debatte aber dürften die Bürger mit dem Gefühl entlassen worden sein, dass man ihre Sorgen ernst nimmt, wie auch die Wünsche nach weiterem Gesprächsbedarf .

Trianel muss Budget für Tourismus bereitstellen

Eine hohe Herausforderung beim Pumpspeicherkraftwerk Rursee stellt auch die Anbindung an das Stromnetz dar, wie Dr. Christof Schöpfer von der Trianel GmbH bei der Bürgerinfo in Rurberg erläuterte. Ernsthaft in der Prüfung ist eine Trasse an eine 380 KV-Leitung in östlicher Richtung im Kreis Düren (Nähe Vlatten). Die Anbindung erfolgt zum Teil durch Nationalpark-Gelände und soll daher als Kombination eines Erdkabels und als Freileitung ausgeführt werden.

Grünes Licht hat der Gutachter bereits für die Staudämme der Rurtalsperre gegeben. Sie sind von der Bauweise her in der Lage, die Pegelschwankungen von zwei Metern ohne Probleme wegzustecken.

Ein interessantes Thema ist auch der Fachbeitrag zum Thema Auswirkungen des Kraftwerkes auf den Tourismus. In diesem Gutachten ist festgehalten, dass negative Auswirkungen auf den Tourismus nur in der Bauphase zu erwarten seien. Auch wird gesagt, dass Trianel ein nicht näher bezeichnetes Budget zur nachhaltigen touristischen Förderung der Region zur Verfügung stellen muss.

Der Informationsbedarf der Bürger zum Projekt ist nach wie vor groß. Daher kündigte Simmeraths Bürgermeister Hermanns eine weitere Bürger-Info zu gegebener Zeit an.

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