Woffelsbach - Wasserschlange im Rursee entdeckt

Wasserschlange im Rursee entdeckt

Von: Julia Wirtz
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Woffelsbach. Ein alltäglicher Ausflug zum vertrauten Rursee kann durchaus eine Überraschung mit sich bringen. Diese Erfahrung machte in der vergangenen Woche Annika Kirch, die zusammen mit ihrem Vater und einem Freund zum Segeln aufgebrochen war.

Als die drei sich letzten Donnerstag gegen 15 Uhr in der Nähe des RWTH-Strandes „Wildenhof” befanden, näherte sich plötzlich ein schwimmendes Tier ihrem Boot. „Zuerst dachten wir, es handele sich um einen Aal”, erzählt Annika Kirch.

Die zwei Männer, die beide einen Angelschein besitzen und die Tierwelt vor Ort gut kennen, wussten es jedoch schnell besser: Auf den zweiten Blick konnten sie das Tier als eine etwa einen Meter lange, rotbraune Schlange identifizieren, die keinen wasserscheuen Eindruck machte: Durch das Wasser schlängelte sie sich auf das Boot zu.

„Unser Boot befand sich in etwa in der Mitte des Sees. Die Schlange kam aus Richtung des RWTH-Strandes, sie musste also bereits eine Strecke von 50 bis 70 Metern zurückgelegt haben”, staunt die Seglerin. Nach einem ersten Schreckmoment griff sie aufgeregt zu ihrer Kamera und machte ein Foto von dem Tier, welches sich mehrere Minuten lang in der Nähe des Bootes aufhielt. Die Schlange schwamm danach zum gegenüberliegenden Ufer, durchquerte also an dieser Stelle den gesamten See. Die Segler nahmen mit ihrem Segelboot neugierig die Verfolgung auf.

Die verhielt sich die ganze Zeit über ruhig und legte kein aggressives Verhalten an den Tag. Dennoch verständigten die drei Segler aus Sorge um die anderen Badegäste die DLRG. Diese zeigte sich sehr erstaunt und ungläubig. „Sie sagten uns, im See gäbe es keine Schlangen und es müsse ein Irrtum sein”, berichtet Annika Kirch.

Auch Marcus Seiler, Pressesprecher des Wasserverbandes Eifel-Rur, kann sich nicht erinnern, schon einmal von einer Schlange im Rursee gehört zu haben. „Vorstellbar ist es aber doch, denn einige Schlangen können ja schwimmen”, erklärt er.

Annika Kirch und ihre beiden Begleiter waren offenbar nicht die einzigen, die der Schlange begegnet sind. Als sie am nächsten Tag einem Freund von dem Erlebnis berichteten, erinnerte sich dieser an einige Kinder, die am Donnerstagnachmittag schreiend aus dem Wasser gelaufen seien. Auch sie berichteten von der Schlange. „Wenn die Kinder wirklich die gleiche Schlange entdeckt haben, hat diese den gesamten Rursee durchkreuzt”, folgert Annika Kirch. „Die Stelle befindet sich genau an der gegenüberliegenden Seite des Sees.”

Mit ihrem Foto wandte Annika Kirch sich erwartungsvoll an einen Schlangenexperten des Aachener Tierparks, der die Schlange als Würfelnatter identifizierte. Würfelnattern sind die in Deutschland am seltensten vorkommenden und am stärksten vom Aussterben bedrohten Schlangen. „Eine Würfelnatter wäre in unserer Gegend äußerst ungewöhnlich”, so die Einschätzung von Daniel Lück, Mitarbeiter der Biologischen Station des Kreises Aachens, der selbst bisher keine Erfahrung mit Würfelnattern sammeln konnte. „Heimisch sind Würfelnattern nur noch in kleinen Populationen an Mosel, Lahn und Nahe in Rheinland-Pfalz.”

Ein befreundeter Biologiestudent, dem Annika Kirch ihr ungewöhnliches Bild ebenfalls zeigte, hält das Reptil eher für eine Kreuzotter. „Auch diese Art ist in der Region nicht heimisch und es könnte sich höchstens um ein ausgesetztes Tier gehandelt haben”, schätzt Daniel Lück. Außerdem spreche die Färbung der Schlange gegen eine Kreuzotter. „Sie müsste ein durchgehendes Muster auf dem Rücken vorweisen”, erklärt der Diplom-Biologe.

Er selbst vermutete eine Schlingnatter: „Diese Schlange kann man am Rursee durchaus einmal zu Gesicht bekommen.” Dass eine Schlingnatter aber „quer durch den See schwimmt”, findet Daniel Lück sehr ungewöhnlich, was ihn dann doch von einem endgültigen Urteil abhält.

Beide Schlangenarten, sowohl die Schlingnatter als auch die Würfelnatter, sind ungiftig und somit für den Menschen ungefährlich. Nach allem, was man weiß, sollte die gesichtete Schlange also für Badegäste und Wassersportler kein Grund sein, den See nächster Zeit zu meiden.
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