Waschbär gegen Auto: Versicherung will nicht zahlen

Von: Nina Leßenich
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Ein echtes Ärgernis: Waschbären werden in der Region immer häufiger gesehen. Autounfälle mit Waschbären, wie im Fall von Wilfried Conventz, sind trotzdem eher selten. Gefährlicher sind die Kleinbären für die heimische Tierwelt. Foto: Stock/Mint Images, Montage: A. Gabbert
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Hofft, dass andere von seinem Fall lernen können: Wilfried Conventz wusste vor dem Unfall mit einem Waschbären nicht, dass seine Teilkasko-Versicherung in diesem Fall nicht greift. Foto: N. Leßenich

Aachen. Wilfried Conventz‘ 34-jähriger Sohn ist im Dezember 2013 mit dem Audi A5 seines Vaters auf der Himmelsleiter unterwegs gewesen, als es unterhalb des Relais Königsberg plötzlich krachte. Sofort war klar: ein Wildunfall. „Die Polizei kam dann sofort mit einem Jagdaufseher“, erinnert sich Wilfried Conventz, Schulleiter der Privatschule Conventz, heute. „Und dann kam das böse Erwachen.“

Denn was da gegen die Front des Mittelklassewagens geknallt war, war nicht etwa ein Reh, ein Fuchs oder ein Wildschwein: Conventz‘ Sohn kollidierte mit einem Waschbären – der eigentlich in Nordamerika heimisch ist und deshalb nicht im deutschen Bundesjagdgesetz aufgeführt wird. Weshalb einige Teilkasko-Versicherungen, im Falle der Familie Conventz zum Beispiel eine Versicherung der Gothaer, einen solchen Schaden auch nicht bezahlen.

Kein heimisches Tier

„Die Rückmeldung meiner Versicherung war damals, dass sie einen solchen Schaden nicht ersetzen, weil der Waschbär kein heimisches Tier sei“, sagt Conventz. „Man fühlt sich schon veräppelt, wenn man nach so einem Unfall gesagt bekommt, dass das Tier vermutlich aus einem privaten Gelände ausgebrochen ist und die Versicherung daher nicht für den Schaden aufkommt.“

„Es gibt bei der Gothaer eine Grunddeckung und einen Topschutz“, erklärt Klemens Suhrmann von der Gothaer Versicherungsbank VVaG den Fall aus seiner Sicht. In der Grunddeckung seien lediglich Wildunfälle mit Haarwild, das im Bundesjagdgesetz aufgeführt werde, im Versicherungsschutz inbegriffen. „Waschbären fallen daher nicht unter diese Grunddeckung“, erklärt Suhrmann. Eine ähnliche Regelung ist auch bei vielen anderen Teilkasko-Versicherungen der Fall.

Im Fall von Wilfried Conventz griff seine Teilkasko-Versicherung daher nicht, der Unfall musste über seine Vollkasko-Versicherung abgewickelt werden – „mit einer ganz anderen Selbstbeteiligung natürlich“, wie der 61-Jährige sagt. „Das war schon ein großer Schaden. Eben so, wie man ihn bei einem Zusammenprall mit einem Tier in dieser Größe erwarten kann. Das ist vergleichbar mit einem Unfall mit einem Fuchs“, sagt Conventz. Bei solchen Kosten zahle man den Schaden nicht mal eben selbst. Besonders ärgerlich für Conventz: Der Unfall führte zusätzlich auch zu einer Höherstufung seiner Versicherungsbeiträge.

Darüber, ob seine Versicherung für einen solchen Fall aufkommt, habe Conventz sich bis zum Unfall seines Sohnes keine Gedanken gemacht – schließlich denke man, dass Wildunfälle in der Teilkasko-Versicherung inbegriffen seien.

Haarwild nach Bundesjagdgesetz

Im Regelfall greifen Teilkasko-Versicherungen jedoch nur dann, wenn es sich um Wildunfälle mit Haarwild im Sinne von § 2 Absatz 1 Nummer 1 des Bundesjagdgesetzes handelt. Darunter fallen Wisente, Elch-, Rot-, Dam- Sika-, Reh-, Gams-, Stein- und Muffelwild, Wildschweine, Feldhasen, Schneehasen, Wildkaninchen, Murmeltiere, Wildkatzen, Luchse, Füchse, Stein- und Baummarder, Iltisse, Hermeline, Mauswiesel, Dachse, Fischotter und Seehunde. Unfallschäden wegen Unfällen mit anderen Tieren werden nicht übernommen.

Die Kleinbären mit der schwarzen Gesichtsmaske sind jedoch nicht nur für Autofahrer ein Ärgernis. Verkehrsunfälle mit Waschbären seien in der Region sogar noch recht selten, sagt der Jäger und ehemalige Polizeibeamte Hermann Carl.

Besonders für die heimische Tierwelt seien Waschbären eine Bedrohung. „Waschbären kommen ursprünglich aus Nordamerika und aus Kanada“, sagt Carl. Zurückgehend auf zwei Waschbärpärchen, die 1934 am hessischen Edersee ausgesetzt wurden, habe sich die Population von Hessen aus inzwischen auch in unserer Region ausgebreitet. „Waschbären sind zwar auf den ersten Blick süß, aber wenn man sich damit auseinandersetzt, was diese Population bedeutet, steckt da doch einiges hinter“, sagt Carl. „Die klettern in alle Bäume und holen sämtliche Nester runter!“ Dadurch entstünde kräftiger Schaden an der heimischen Tierwelt.

Waschbären dürfen daher in Deutschland ganzjährig bejagt werden – ohne Schonzeit. „Es ist wünschenswert, die Waschbären in der Region ganz, ganz kurz zu halten“, sagt Carl.

Gefährlich für Menschen seien die Tiere jedoch grundsätzlich nicht: „Wenn sie sich nicht bedroht fühlen, laufen die Tiere von sich aus weg!“

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