Was tun, wenn Jugendliche Affinitäten zur rechten Szene zeigen?

Von: Michael Klarmann
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Der neue Auftritt der Neonazis: Die rechte Szene gibt sich heute - wie hier bei einer Demo in Aachen - als hippe Jugendkultur. Foto: Michael Klarmann

Aachen. Alles begann unter Jugendlichen aus einer 500-Seelen-Gemeinde in Norddeutschland. Am Anfang standen gesprühte rechtsextreme Parolen und Bilder im Internet mit Jugendlichen, die den Hitler-Gruß zeigen. Zuerst dachten viele, das seien Taten dummer Jungs, die „nur” provozieren wollten.

Doch als Neonazi-Parteien begannen, auf die jungen Leute einzuwirken, verfestigte sich der braune Spuk. Heute nennen manche das Dorf abfällig ein „Nazikaff”.

Was tun, wenn Jugendliche Affinitäten zur rechten Szene zeigen und rechtsextreme Gruppen aktiv werden? Dieser Frage widmete sich in Aachen die Tagung „Null Toleranz - Handlungsstrategien gegen rechte Einstellungen, Gewalt und Rassismus”, die im Rahmen des Projektes „Generation Jugend - Du hast die Wahl” stattfand.

Einer der Referenten, Michael Trube von der Info- und Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus der Stadt Köln, findet, dieser Ort in Norddeutschland liefere einen „guten Einblick”, wie Rechtsextreme agieren und wie man darauf reagiert.

Obschon ein Arbeitskreis gegen Rechtsradikalismus aktiv wurde, konnte die NPD ein zweistelliges Wahlergebnis erringen. Der Bürgermeister indes hat Angst um den Ruf und glaubt, alles wird „aufgebauscht”.

Offenbar, sagt Trube, gebe es auch einen „Rassismus der Mitte”. Die Jugendlichen seien keine Fremden, sondern ortsansässig. Der Bürgermeister wolle zudem das „Problembewusstsein wegverordnen” und stelle sich gegen die Bürgerinitiative gegen Rechts. Dabei helfe gerade ein breites, geschlossenes Auftreten von Initiativen, Vereinen, Kirchen, Pädagogik und Lokalpolitik im Kampf gegen Rechtsextremismus, sagt der 27-Jährige.

Der Referent, der Geschichte und Politikwissenschaften studiert hat, warnt davor, gefestigte Neonazis zum Umdenken bewegen zu wollen. Gerade in der Pädagogik müsse man sich auf die Arbeit mit Mitläufern und noch ungefestigten Jugendlichen konzentrieren. Man müsse diesen sie ansprechende Demokratiebewusstsein- und Toleranz-fördernde „Gegenangebote” bieten, um zu verhindern, dass sie sich der rechten Szene anschließen.

Projekte unterstützen

Pädagogen, Jugendarbeiter und Eltern müssten indes wissen, was und wie Rechtsextremisten denken, bevor sie mit Mitläufern diskutieren könnten. Äußere der Jugendliche dabei strafrechtlich relevante Inhalte - er leugnet etwa den Massenmord an den Juden in Nazideutschland -, stelle er sich selbst außerhalb der demokratischen Diskussionskultur, sagt Trube. Dann sollte das Gespräch enden.

Wichtig seien indes auch symbolische Aktionen, die sich gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit richteten, etwa von nicht-rechten Jugendlichen selbst erarbeitete Theater-, Sport- und Musikprojekte, Ausstellungen oder Plakataktionen. Dabei sollte Jugendarbeit und Lokalpolitik die sich für Demokratie und Toleranz engagierenden Jugendlichen „nicht alleine lassen”, sondern sie in ihrem Tun bestärken und unterstützen. Indes warnt der 27-Jährige davor, „hysterisch” zu reagieren, denn dies könne Neonazis in die Hände spielen. Man sollte „nicht alles hochspielen”, dürfe aber auch die Probleme nicht relativieren. Darauf zu hoffen, dass sich das Problem Rechtsextremismus durch Ignoranz von selbst auflöse, sei ein Trugschluss, warnte Trube.
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