Nordeifel - Warum Eifeler Bauern ihre Milch in die Niederlande verkaufen

Warum Eifeler Bauern ihre Milch in die Niederlande verkaufen

Von: Andreas Gabbert
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Alle drei Tage steuert ein Tanklaster aus den Niederlanden die Höfe von Markus Legge (3.v.l.) in Imgenbroich, von Josef und Monika Thomas (re.) auf Hoscheid und von Hubert Frohn (li.) in Kesternich an. Dieser Lastwagen aus dem Nachbarland holt Milch ab. Foto: A. Gabbert

Nordeifel. Wenn ein niederländischer Tanklaster in der Eifel einen Bauernhof anfährt, denken viele gleich an Gülletransporte aus dem Nachbarland. Alle drei Tage steuert auch ein Tanklaster aus den Niederlanden die Höfe von Markus Legge in Imgenbroich, von Josef und Monika Thomas auf Hoscheid und von Hubert Frohn in Kesternich an. Dieser Lastwagen bringt aber keine Gülle, sondern holt Milch ab.

Die drei Landwirte sind Mitglied bei EKO-Holland. „Das ist eine reine Erzeugergemeinschaft mit rund 130 Biobetrieben, die von sechs Kollegen gemanagt wird“, erklärt Markus Legge. Die Milch werde von der Erzeugergemeinschaft an zwölf Molkereien verteilt. Mitglied der EKO sind die Landwirte aus der Eifel seit Anfang des Jahres 2015.

„Wir wollen nicht mehr abhängig von einer Molkerei beziehungsweise einem Abnehmer sein. Das gefällt uns nicht“, sagt Hubert Frohn. Man wolle sich beim Milchpreis nicht weiter unter Druck setzen lassen. So sei man jetzt in einer anderen Verhandlungsposition als wenn man die Milch nur an einen festen Abnehmer liefere. Außerdem hätten die Niederländer eine „andere Ideologie“. „Die denken nicht in so festgefahrenen Schienen“, sagt Frohn.

Biomilch werde noch gesucht. Der Markt für konventionelle Milch sei hingegen „voll“. Es müsse immer mehr Milch produziert werden, um die Kosten zu decken. So komme es zu einem Teufelskreislauf. „Die Menge muss heruntergefahren werden. Das muss für alle verbindlich sein. Hier ist die Politik gefordert“, sagt Legge. Die Produktion müsse im Zweifelsfall auch mal gedrosselt werden. Eine Drosselung um fünf Prozent sei kein Problem. Bei den konventionellen Landwirten sei der Wille aber nicht da, sagt Legge.

Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigten, dass die Landwirte am Markt vorbei produzieren würden und nicht für den Markt. Das liege daran, dass die Molkereien alle Mengen abgenommen hätten, egal wie viel produziert worden sei. „Das ist der falsche Weg. Besser wäre es, die Überproduktion zu drosseln bzw. zu bestrafen. Eine geringe Produktion könnte man im Gegensatz dazu belohnen“, erklärt Legge.

Die Molkerei wolle große Mengen, um durch eine höhere Auslastung der Produktionsanlagen den Gewinn zu maximieren. „Die Molkereien verdienen immer ihr Geld. Die Landwirte tragen aber das Risiko. Sie sind reine Restgeldempfänger. Sie bekommen das, was am Ende übrig bleibt“, sagt Frohn. Die Molkereien würden zudem versuchen, die Landwirte gegeneinander auszuspielen.

Sie würden die Landwirte dazu auffordern, ihre Flächen zu vergrößern, um so mehr Subventionen zu erhalten. Auf diese Subventionen könnten die meisten Betriebe nicht verzichten, in vielen Fällen würden sie bis zu 50 Prozent des Gewinns ausmachen, erklärt Frohn.

„Wir wollen Geld für unser Produkt, keine Subventionen“, fügt Legge hinzu. Nicht die Förderung von Wachstum müsse im Vordergrund stehen, sondern die Förderung des Tierwohls und von Arbeitserleichterungen. „Man braucht keinen Markt zu fördern, der voll ist. Dazu müssten die Verbände aber mit einer Stimme sprechen“, sagt Legge.

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