Wallfahrt: Das halbe Dorf war betend unterwegs

Von: Karl-Heinz Hoffmann
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Seit 100 Jahren pilgern die Rollesbroicher nach Heimbach: Das Bild aus der Dorfchronik des Ortes stammt vermutlich aus dem Jahr 1949 und zeigt die große Beteiligung der Dorfbevölkerung. Repro: Hoffmann

Rollesbroich. Wallfahrten nach Heimbach gehören zu den alten Traditionen, wobei wohl jeder seinen eigenen Grund und ein persönliches Anliegen hat, sich auf den Pilgerweg zum dortigen Gnadenbild der Mutter Gottes zu machen, um hier um Fürsprache zu bitten. Die Rollesbroicher pilgern seit 100 Jahren nach Heimbach.

Dabei dürften alle Pilger bei der ersten Wallfahrt im Jahr 1916 sicher alle das gleich Motiv und den selben Gebetsanlass gehabt haben: Dass der Weltkrieg und das damit verbundene Leid für die Menschen bald ein Ende haben möge.

Damals war das halbe Dorf betend unterwegs. Etwa 140 Pilger hatten sich unter Leitung des damaligen Rektors Schäfer auf den Weg nach Heimbach gemacht. Im Hinblick auf die große Resonanz beschloss man damals, die Wallfahrt alljährlich am Fest Maria Geburt zu veranstalten. Zum ersten Präfekten der Bruderschaft wurde 1917 Peter Josef Lennartz gewählt.

Hauptsächlich über Feldwege

Die Prozession in diesem Jahr ist somit eine Jubiläums-Wallfahrt, die am 3. September stattfindet. Nur im Kriegsjahr 1944 musste die Wallfahrt wegen der Evakuierung der Rollesbroicher Bevölkerung ausfallen. 1945 pilgerte man dann jedoch zweimal nach Heimbach, um für die glückliche Heimkehr der Soldaten und Evakuierten zu bitten. Seit den 1970er Jahren startet die Wallfahrt jeweils am 1. Samstag im September. Von der Rollesbroicher Kirche geht es hauptsächlich über Feldwege nach Strauch, Schmidt und Hasenfeld nach Heimbach.

Der Pilgerweg ist etwa 18 Kilometer lang. Unterwegs, so erzählt Armin Voßen (50), der seit 1997 Präfekt der Heimbach-Wallfahrt ist, beten die Pilger den Rosenkranz und singen vor allem Marienlieder, die gegebenenfalls von der „Harmonie“ musikalisch begleitet werden.

Zudem stellt die Rollesbroicher Feuerwehr jedes Jahr einige Freiwillige für die Prozessionsbegleitung ab. Wie überall nimmt auch an der Rollesbroicher Wallfahrt nicht mehr die Hälfte der Dorfbevölkerung teil. Laut Armin Voßen fehlt vor allem die Altersgruppe der 20- bis 30 Jährigen. Anlässlich der Jubiläumswallfahrt hofft Voßen, dass hieran viele aus dem Ort teilnehmen.

Neben der Bruderschaftsfahne von 1948 hütet Präfekt Voßen noch ein weiteres heimatgeschichtliches „Schätzchen“ in seinem Hause. Er führt das sogenannte Protokollbuch der Wallfahrten, dessen erste Ausgabe er wie seinen Augapfel hütet. Das Buch ist noch in Sütterlin-Schrift verfasst, die heute kaum noch jemand lesen kann. Maria Voßen, die Mutter des Präfekten, hat daher eine „Übersetzung“ angefertigt. Lückenlos sind alle Einzelheiten in dem alten Protokollbuch erfasst.

So wurden anfangs noch die Namen aller Pilger aufgeführt, was bei über 100 Teilnehmern schon mit Arbeit verbunden war. Auch die Einnahmen aus den Kollekten hielt man schon damals minuziös fest. 1916 waren dies 70 Mark und sechs Pfennige, von denen 15 Mark für den Beichtvater zu Buche schlugen. Was übrig blieb, wurde gewissenhaft bei der Rollesbroicher Spar- und Darlehnskasse angelegt.

1950 mussten die Wallfahrer auf ihren Weg nach Heimbach erstmals eine andere Route nehmen. Wegen Sperrung der Straße von Strauch nach Schmidt zog die Prozession nach Woffelsbach, wo man sich auf dem Rursee einschiffte, mit dem Boot bis Schwammenauel fuhr und von dort wieder per Pedes nach Heimbach pilgerte.

Das erste Wochenende im September ist im Übrigen auch der Wallfahrtstag der Pilger aus Simmerath, Strauch und Lammersdorf. Sie alle feiern am 3. September gemeinsam das Hochamt in Heimbach (10.15 Uhr). In Rollesbroich finden um 6.20 Uhr Gebet und Kerzenopfer in der Kirche statt, bevor man sich auf den Weg macht. Nach der Andacht in Heimbach (13 Uhr) geht es dann zurück nach Rollesbroich, wo gegen 18 Uhr der Schlusssegen erteilt wird.

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