Waldweg-Idylle weicht einer Rückeschneise

Von: Andreas Gabbert; Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
9878194.jpg
Den Weg freigemacht: Auf einer Länge von gut 300 Metern ist aus der idyllischen Wanderstrecke im Belgenbachtal eine zweckmäßige Rückeschneise geworden. Foto: P. Stollenwerk
9878186.jpg
So kennen die Wanderer den Weg durchs Belgenbachtal, der jetzt teilweise einiges von seinem Charme eingebüßt hat.
9878147.jpg
Diese Madonna versteckt in einer mächtigen Sitka-Fichte.

Eifel. Der Weg von der Grillhütte Konzen am Parkplatz Belgenbachtal hinunter zur Belgenbacher Mühle gehört mit zu beliebtesten Strecken für Wanderer und Radfahrer. Idyllisch geht es linksseitig in direkter Nähe des plätschernden Bachlaufs leicht abwärts zur Mühle.

Doch das Landschaftserlebnis für die Freizeitnutzer ist in den vergangenen Wochen empfindlich gestört worden.

„Man hat den Eindruck, dass hier Panzer am Werk waren“, ist Arthur Bierganz aus Imgenbroich wie auch viele andere Bürger aus Imgenbroich und Konzen empört und entsetzt über das Ergebnis einer waldwegebaulichen Maßnahme des dafür verantwortlichen Regionalforstamtes Rureifel-Jülicher Börde.

Auf einer Länge von gut 300 Metern ist aus dem idyllischen Waldweg eine stattliche Rückeschneise geworden, die auf diesem Teilstück vom ursprünglichen Charakter des Weges nicht mehr übrig gelassen hat.

Zwecks Holzabfuhr hat das Forstamt hier die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, um kapitales Stammholz mit schwerem Geräten aus dem Tal hinauf in Richtung Eicherscheid zu bewegen.

Walter Pilgram vom Forstamt, der die Maßnahme im Belgenbachtal betreut, hat zunächst einmal Verständnis für die heftigen Reaktionen der Wanderer, er wirbt aber auch um Verständnis für die Arbeit der Forstwirtschaft, die immer noch den Vorrang genieße.

Es handele sich im Belgenbachtal nicht um eine „Hauruck-Maßnahme“, sondern um „eine wohl überlegte Aktion auf einem „kleinen Teilbereich“, bei der „Bäume gefällt werden sollen, die dort nicht hingehören“. Im Spätsommer soll mit dem Entfernen der Fichten begonnen werden.

In erster Linie handelt es sich da bei um die stattliche Sitka-Fichte, die früher gern in Tallagen angepflanzt wurde, aber im westlichen Nordamerika heimisch sei und daher in der Eifel standortfremd sei.

Die Sitka-Fichte war bei den Waldbauern wegen ihrer Frosthärte gefragt und widerstand problemlos den besonders in den Eifeler Tallagen auftretenden Kaltluftstaus. Niemand aber müsse jetzt einen Kahlschlag befürchten, hält Pilgram einem nächsten möglichen öffentlichen Aufschrei entgegen.

In einem Zeitfenster von zehn bis 20 Jahren sollen die Sitka-Fichten, die zu den mächtigsten Nadelhölzern der Welt gehören wie auch andere Nadelhölzer sukzessive durch standortgerechte Bäume wie Eiche, Buche und Ahorn ersetzt werden. „Das Ziel ist, das Tal so natürlich zu gestalten wie es einmal war“, sagt Walter Pilgram. Schließlich sei im Belgenbachtal in früherer Zeit Landwirtschaft ausgeübt worden. Die Entfichtung von Bachtälern sei in der Eifel bereits vielerorts erfolgreich vorgenommen worden.

Aufgrund der Steilhanglage sei das Gebiet von oben nur schwer zugänglich und die Arbeit damit zu gefährlich. „Deshalb müssen wir von unten ran. Wir können noch keine Bäume mit Hubschraubern aus dem Wald rausholen“, tut der Pilgram kund und weiter: „Wo gehobelt wird, fallen auch schon mal Späne.“ Ihm sei durchaus klar gewesen, „dass es deswegen Geschrei geben wird.“

Der Förster weist zudem darauf hin, dass es sich bei dem betroffenen Wanderweg um einen mehr als 100 Jahre alten Rückeweg handele, der selbst auf uralten Karten eingezeichnet sei. Früher hätten dort Pferde die Arbeit erledigt und heute eben Maschinen.

Daher sei jetzt der Weg auf drei Meter Breite für Maschinen befahrbar gemacht worden. Letztlich habe man nur das Material, dass vom Oberhang im Laufe der Zeit abgerutscht sei, beiseite geschoben.

Pilgram erinnert zudem daran, dass die Forstverwaltung die Wege für ihre Arbeit im Wald überhaupt erst erschlossen habe. Mit der Zeit würden sie dann als Wanderwege vereinnahmt. „Wenn die Wege dann für forstwirtschaftliche Maßnahmen reaktiviert werden und hier plötzlich noch einmal ein Traktor fährt, ist die Aufregung groß. Als Förster fühlt man sich schon fast als Täter“, sagt Pilgram. Dabei müsse man feststellen, dass der Wald wie er sich heute darstelle, „das Ergebnis einer geregelten Forstwirtschaft ist.“ In zwei Jahren sehe es in dem betroffenen Bereich auch schon wieder aus als wäre nichts passiert. „Die Natur holt sich das schnell wieder zurück“, sagt Pilgram.

Die fachliche Begründung des Experten ändert aber dennoch nichts an der Auffassung vieler Bürger, dass es auch eine Nummer kleiner hätte gehen können. Das sieht auch Otto Drosson aus Imgenbroich so, der Anfang des Jahres eine schriftliche Mitteilung des Forstamtes erhielt, dass er im Belgenbachtal eine Ruhebank am Wegesrand bis zum 4. April entfernen möge. Die Familie Drosson hatte die Bank in Kooperation mit dem Heimatverein Imgenbroich etwa 300 Meter oberhalb der Mühle im Jahr 2008 errichtet. Man habe vom damals für den Bereich zuständigen Förster die Genehmigung dafür erhalten.

Die Bank steht inzwischen nicht mehr an ihrem wohl gewählten Platz sondern wird den Standort wechseln und am „Eeescher Patt“ in Imgenbroich einen Platz finden, wo ein direkter Bezug zur Familie Drosson besteht.

Aus der Sicht von Walter Pilgram aber war die Bank „rechtswidrig“ im Revier aufgestellt worden, außerdem hätte sie ein Hindernis bei den Rückearbeiten dargestellt. Der schöne Ruheplatz aber soll nicht ungenutzt bleiben. „Hier kommt wieder eine Bank hin“, verspricht Pilgram.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert