Nordeifel - Wahlplakate bieten Aggressionsfläche

Wahlplakate bieten Aggressionsfläche

Von: Nadine Palm
Letzte Aktualisierung:
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Außerhalb der geschlossenen Ortschaft, zwischen Lammersdorf und Fringshaus, hat die SPD ihren Landtags-Kandidaten in der höchstmöglichen Dichte an jedem Baum platziert. Doch Bangemachen gilt nicht, selbst wenn die Pferde angesichts der formatfüllenden Porträts scheuen. Sie können Realität und Plakativität nicht unterscheiden, wobei man sicherlich gerne wissen würde, wie die empfindlichen Tiere auf die Kandidaten-Köpfe der anderen Parteien reagieren würden. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Am 9. Mai ist es wieder soweit. Dann wählt Nordrhein-Westfalen den Landtag in Düsseldorf neu. Dies ist auch in der Nordeifel nicht zu übersehen. Es gibt kaum eine Straße, wo nicht Laternen oder Bäume mit Wahlplakaten „verschönert” wurden.

Doch meist bleiben diese Wahlplakate nicht lange unversehrt. Auch in der Nordeifel werden häufig Plakate mit Farbe beschmiert oder mit Parolen verunstaltet.

Nazi-Parolen „kein Spaß”

Carsten Mannheims, Geschäftsführer des CDU-Kreisverbandes, hat dafür kein Verständnis: „Ich war auch mal jung und habe Blödsinn gemacht. Aber ich habe keine Wahlplakate mutwillig zerstört”, ärgert er sich über die Täter und den Tatbestand der Sachbeschädigung. Mannheims vermutet, dass vor allem Jugendliche für die Beschädigungen verantwortlich sind, da ihm aufgefallen sei, dass es gerade in der Ferienzeit häufiger zu Verschmutzungen der Wahlplakate komme. Keinen Spaß verstehe man da bei Nazi-Parolen.

Dies betont auch Martin Peters, Wahlkampfmanager des Eschweiler SPD-Landtagskandidaten Stefan Kämmerling: „Bei rassistischen Äußerungen, Beleidigungen oder gar Morddrohungen gegen die Politiker verstehen wir absolut keinen Spaß.”

Beide betonen, dass es jedoch fast unmöglich sei, die Täter zu fassen. Nach Erstattung einer „Anzeige gegen Unbekannt” werde das Verfahren meist wieder eingestellt, so CDU-Kreisgeschäftsführer Mannheims.

Der Roetgener FDP-Fraktionsvorsitzende Franz-Josef Zwingmann erstattet in der Regel keine Anzeige. „Wir wollen die Polizei nicht noch zusätzlich belasten”, erklärt Zwingmann, selbst Polizeibeamter von Beruf.

Die CDU hat in Monschau, Simmerath und Roetgen zehn Großflächenplakate und mehrere hundert kleine Plakate angebracht. Die Summe, die für den Druck der Plakate, die Miete der Flächen und Ausleihe der Aufstellständer („Wesselmänner”) in der Nordeifel gezahlt wurde, belaufe sich auch etwa 5000 Euro, erläutert Carsten Mannheims weiter.

Werner Krickel aus Monschau, der Landtagskandidat der Grünen der Städteregion, hat für eine solch hohe Anzahl von Plakaten kein Verständnis. Im Stadtgebiet Monschau habe man lediglich 16 Plakatständer aufgestellt. In der Gemeinde Simmerath gebe es eine Vereinbarung unter den Parteien in den einzelnen Orten, nur auf den gemeinsam angeschafften Tafeln zu plakatieren. „Das reicht uns völlig aus”, unterstreicht Werner Krickel, dass zu viel Wahlwerbung die Bürger störe und auch nach der Wahl am 9. Mai „eine Menge Müll” verursache. Dass Plakate im Wahlkampf zerstört würden, damit müsse man einfach leben, erklärt der Landtagskandidat der Grünen. „Das sind Menschen, die ihre überschüssige Kraft an den Plakaten auslassen.”

Der Roetgener FDP-Fraktionsvorsitzende Franz-Josef Zwingmann stimmt Krickel zu. Er ist sich sicher, dass man so wenig Plakate wie möglich anbringen sollte. „Die finanziellen Mittel sind so gut wie aufgebraucht. Wir schauen auf den nackten Boden der Geldbörsen. Nach dem Wahlmarathon in den letzten zwei Jahren ist nicht mehr viel Geld übrig”, erläutert der Liberale die schwierige finanzielle Lage.

Dies treffe bei der Bevölkerung jedoch auch auf Zustimmung, da zu viele Plakate die Menschen stören würden. „Die Leute sind genug informiert. Wie soll man sie auch noch mit Hunderten von Wahlplakaten beeinflussen? Eigentlich hat sich jeder seine Meinung schon gebildet”, ist sich Zwingmann sicher.

In der gesamten Städteregion belaufen sich die Kosten für die Werbung der FDP auf 3000 Euro. In den Nordeifeler Kommunen sind vier Großflächen- und 150 kleine FDP-Plakate zu finden.

Die SPD übersteigt mit 15 Großflächen- und etwa 200 kleinen Plakaten diese Zahlen deutlich. Allein 1800 Euro müssen die Sozialdemokraten für das Plakatmaterial in den drei Eifel-Gemeinden zur Verfügung stellen.

„Es wäre schön, wenn es einen Wahlkampf ohne Plakate geben würde, aber das funktioniert einfach nicht”, betont CDU-Kreisgeschäftsführer Carsten Mannheims.

Die Großflächenplakate der Parteien werden von einer Firma aufgestellt. Wenn eines dieser Plakate beschädigt wird, kostet der Austausch eines einzigen Plakates 50 Euro. Dabei hat jede Partei ihre eigene Schmerzgrenze, ab wann Plakate zu erneuern sind.

Für SPD-Mann Martin Peters sind „Hasenohren” an den Köpfen der Politiker kein Austauschgrund, während Carsten Mannheims da keinen Spaß versteht: „Wenn wir Hasenohren auf unseren Wahlplakaten wollten, hätten wir sie selbst positionieren können”, sagt Mannheims.

Das Ordnungsamt, Ehrenamtler der Ortsverbände, aber auch viele „nette Bürger” würden die Parteien über beschädigte Plakate informieren, die dann so zügig wie möglich ausgetauscht würden.

Mainacht wird gefürchtet

„Nach der Mainacht”, befürchtet CDU-Sprecher Mannheims, „werden wir wieder mit vielen Helfern ausrücken müssen, um die Plakate zu erneuern”.

Am 9. Mai, wenn NRW gewählt hat, ist die Superwahlphase mit vier Urnengängen innerhalb von zwölf Monaten vorbei und die Politiker können sich wieder um das Kerngeschäft kümmern.

Die Wähler sollten am 9. Mai aber auch einen anderen wichtigen Termin, den Muttertag, nicht vergessen. Wie man beide Termine kombinieren kann, erläuterte bei einer Veranstaltung kürzlich der CDU-Landtagsabgeordnete Axel Wirtz: „Erst der Mutter das Frühstück ans Bett bringen und dann einen Spaziergang zum Wahllokal machen.”
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