Vorwärts in die Vergangenheit: Neue Identität über das Nummernschild?

Von: Peter Stollenwerk
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Am vor 40 Jahren abgeschafften MON-Kennzeichen möchte Heimatforscher Berthold Thoma aus Kalterherberg festhalten und eine Bewegung ins Leben rufen, die die Wiedereinführung des einstigen Kfz-Kennzeichens für den Altkreis Monschau unterstützt. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Bald ist es 40 Jahre her, dass das Ende des Kreises Monschau eingeläutet wurde, und damit auch der Abschied für ein Stück Identität der Menschen im Monschauer Land besiegelt wurde.

Mit der zum 1. Januar 1972 wirksamen Gebietsverwaltungsreform entstand der Kreis Aachen, und die Kreisstadt Monschau verlor in den Folgejahrzehnten immer mehr an Behörden, Institutionen und damit auch an Bedeutung.

Als einige der wenigen übergeordneten Behörden hat sich im Rathaus Monschau bis heute zwar die Nebenstelle des Straßenverkehrsamtes behauptet, aber das ist für Berthold Thoma zu wenig. Der rührige Heimatforscher aus Kalterherberg und bekennende Verfechter der Gebietsgrenzen vor dem Jahr 1972 möchte eine „Bewegung zur Wiedereinführung des Kfz-Kennzeichens MON” auf den Weg bringen.

Er will sich nicht stillschweigend damit abfinden, dass seinerzeit per Gesetz das Kennzeichen ganz einfach „im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Verkehr gezogen wurde.”

73 Prozent würden sofort tauschen

Bestärkt fühlt sich Thoma, der auch der interdisziplinären Forschungsgruppe für Zeitgeschichte (ZIF) angehört und hier für den Bereich des Monschauer Landes zuständig ist, erst recht durch ein Gutachten vor Professor Ralf Bochert von der Hochschule Heilbronn, der im vorigen Jahr über 11.000 Menschen in 51 deutschen Städten befragt hatte, ob diese ihre altes Autokennzeichen gerne zurückhaben wollten. 73 Prozent der Befragten würden sofort tauschen.

In zahlreichen Kommunen kam das Thema auf die Tagesordnung - so auch am Montagabend in der Sitzung des Schleidener Bildungsausschusses. Hier hatte der unabhängige Bürgermeister Ralf Hergarten höchstselbst den Antrag eingebracht, wenngleich die kurze Debatte einen leicht irrealen Verlauf nahm. Der Bürgermeister stellte klar, dass es sich bei dem Thema keineswegs um einen Aprilscherz handele, wie einige Schleidener Politiker im Vorfeld schon angenommen hatten. Er habe die Vorlage erstellt, um „eine politische Meinungsbildung” zu erhalten.

Doch in die Runde blickend und sich daran erinnernd, dass sich viele schon negativ zu der Idee geäußert hatten, erklärte er, er sehe, dass offenbar kein großes Interesse an der Wiedereinführung des Kennzeichens bestehe.

Nachdem niemand Anstalten machte, das Wort zu ergreifen, schaltete sich Ausschussvorsitzender Ludger Sauer (SPD) ein und kündigte an, dass er jetzt über den Beschlussvorschlag abstimmen werde. Der lautete: „Der Stadtrat beschließt, den Bürgermeister mit der weiteren Antragstellung zur Wiedereinführung des Kfz-Kennzeichens „SLE” zu beauftragen.” Der Antrag wurde einstimmig abgelehnt und zur Tagesordnung übergegangen.

So leicht, hofft Initiator Berthold Thoma, soll die Sache in in den drei Eifelkommunen nicht vom Tisch gewischt werden, denn: „Wenn es eine Kreisregion in Deutschland gibt, die sich eine eigene Identität bewahrt hat, dann sind es die drei Eifelkommunen Roetgen, Simmerath und Monschau.” Diese Identität sollte weiter gepflegt werden, „um unseren Kindern und Enkelkindern ein Stück Heimat zu erhalten.”

Städteregion „unausgegoren”

Es gebe genug Belege dafür, dass das aufgezwungene Gebilde Kreis Aachen „in den Herzen der Menschen nicht angenommen” worden sei. Als Beispiel nennt er das Kreismusikfest, das immer eine Eifeler Veranstaltung geblieben sei. Und auch das die als „Fortschrittsmodell gepriesene Städteregion Aachen” offenbare sich fast täglich „als unausgegoren und als Streitobjekt.”

Berthold Thoma hofft, dass es der Politik „die Sache wert ist, sich für die Unterstützung der Bewegung zur Wiedereinführung des MON-Kennzeichens einzusetzen, um damit den Menschen ein Stück Identität wiederzugeben.”
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