Vortrag über den Zweiten Weltkrieg: Angst vor Westwall unbegründet

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Rollesbroich. „Wir dürfen nicht vergessen, dass der Krieg Teil unserer Geschichte ist. Wir müssen versuchen zu verhindern, dass es noch einmal zu einem solch grausamen Geschehnis kommt.

Krieg ist grausam; Krieg ist kein Spiel!”, so der Appell Hans Jürgen Siebertz, der am vergangenen Samstag einen Vortrag über das Kriegsgeschehen im zweiten Weltkrieg rund um Rollesbroich hielt.

Eingeladen hatte der CDU Ortsverband Rollesbroich in das Pfarrheim Rollesbroich zu dieser Veranstaltung. Und dieser Einladung waren viele interessierte Bürger nachgekommen. Mit mehr als 60 Besuchern war das Pfarrheim bis auf den letzten Platz gefüllt und die Zuhörer, die teilweise selber den Krieg erleben mussten, hörten Hans Jürgen Siebertz gespannt zu.

Zur Begrüßung bedankte sich Jürgen Braun, Vorsitzender des Ortsverbandes der CDU Rollesbroich bei den zahlreich Erschienenen. Er zeigte sich erfreut, dass die CDU Rollesbroich einen solchen Vortrag anbieten könne. Auch der Bürgermeister der Gemeinde Simmerath, Karl-Heinz Hermanns, richtete einige Worte an das versammelte Publikum. Er schloss sich den Worten Brauns an und freute sich auf einen schönen und interessanten gemeinsamen Nachmittag.

Ein unbewohntes Dorf

Hans Jürgen Siebertz, ehemaliger Sonderschullehrer und Gründer des Bauernmuseums in Lammersdorf, hat sich der Heimatgeschichte verschrieben und forscht schon seit vielen Jahren über das Kriegsgeschehen in der Region. Hierzu hat er auch aus amerikanischen Archiven zur Rekonstruktion der Ereignisse Material gesammelt.

In seinem Vortrag erläuterte Siebertz, welche Vorgänge zu der Evakuierung Rollesbroichs am 14. September 1944 führten und was in und um das Dorf bis zum 8. Februar 1945 passierte, also in der Zeit, in der die Bewohner Rollesbroich verlassen mussten. Zunächst beschrieb Sieberts den Weg der Alliierten, die von der Normandie aus im Sommer 1944 bis an die Reichsgrenze vorgestoßen waren. Ziel der Alliierten sei zu der Zeit vor allem das Überqueren des Westwalls gewesen.

Zu diesem Zeitpunkt habe auf deutscher Seite jedoch niemand mit einem so schnellen Vorankommen der amerikanischen Truppen gerechnet, so dass der Westwall zu diesem Zeitpunkt zur Verteidigung unbrauchbar gewesen sei, da die Bunker bereits verlassen und kampfuntauglich gewesen seien. Auch seien Gräben von Landwirten wieder zugeschüttet worden, damit eine Bewirtschaftung der Felder möglich gewesen sei. Doch von diesem schlechten Zustand des Westwalls haben die Amerikaner zu diesem Zeitpunkt nichts gewusst. Da sie den Westwall für eine große Gefahr hielten, suchten sie sich andere Wege und marschierten nicht direkt in Aachen ein.

Dies sei ein großer Fehler gewesen, berichtete Siebertz, da so das Kriegsgeschehen um ein halbes Jahr verlängert worden sei. Da nun die Deutschen genug Zeit zur Nachrüstung am Westwall gehabt hätten, sei es zu Kämpfen um jeden Quadratmeter Boden gekommen. Die Amerikaner konnten dennoch vorstoßen und nahmen am 12. September 1944 Roetgen als erste deutsche Stadt ein. Von dort aus gingen die amerikanischen Truppen schnell voran und stießen bis nach Lammersdorf und Paustenbach vor. In diesen Tagen musste dann auch Rollesbroich evakuiert werden.

Bis zum Dezember haben laut Siebertz in Rollesbroich und Umgebung keine Kämpfe stattgefunden, weil die amerikanischen Truppen vor allem im Hürtgenwald kämpften. Erst Mitte Dezember 1944 gingen die Kämpfe in Rollesbroich weiter. Vom Kalltal aus versuchten die Amerikaner Rollesbroich einzunehmen, was ihnen nach einer verheerenden Mann-gegen-Mann-Schlacht am 14. Dezember, die den ganzen Tag anhielt, auch gelang.

Erinnerungen kommen hoch

Während des Vortrags untermalte Siebertz den vorgetragenen Inhalt durch Bilder, der für die Geschehnisse wichtigen Personen mit Fotos und Karten, sowie vereinfachten selbst erstellten Übersichten. Das Publikum folgte dem Vortrag gespannt und teilweise, besonders wenn die grausamen Kämpfe geschildert worden, konnte man eine Stecknadel im Pfarrheim fallen hören. Besonders bei alten Fotos aus Rollesbroich, die den Zuschauern vorgestellt worden, wurden bei einigen Besuchern Erinnerungen an vergangene Tage wieder wach. Und so kam es, das auch noch nach dem Vortrag viel diskutiert und sich ausgetauscht wurde.

Der CDU Ortsverband Rollesbroich bedankte sich nach dem Vortrag für die ausführliche Berichterstattung von H. J. Siebertz und für das große Interesse der Dorfbevölkerung. Auch Siebertz selbst zeigte sich begeistert vom Publikum.
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