Vortrag im BGZ: Der Räumungsbefehl schockte Simmerath

Von: ef
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Das St.-Brigida-Krankenhaus aus dem Jahr 1926 mit Hinweis auf die neue Praxis von Dr. med. Alfons Fritz, fehlte auch nicht im Vortrag von Gerhard Kristan, der beim Arbeitskreis „Alt Simmerath“ zu Gast war.

Simmerath. Der Arbeitskreis „Alt-Simmerath“ im Kameradschaftlichen Verein Simmerath hatte jetzt zu einem Lichtbilder-Vortrag über die Kriegsgeschehnisse im Herbst/Winter 1944-1945 eingeladen. Die Resonanz war erstaunlich: Rund 100 Zuhörer waren ins Freizeitzentrum des BGZ gekommen.

Wolfgang Frings als Abteilungsleiter begrüßte die Gäste, darunter auch den Bürgermeister der Gemeinde Simmerath, Karl-Heinz Hermanns und den stellvertretenden Städteregionsrat Hans-Josef Hilsenbeck. Hermanns zeigte sich begeistert über die Aktivitäten des „Arbeitskreises“, der bisher schon drei heimatgeschichtliche Bücher herausgegeben habe. Er nannte es einen Glücksfall, dass der Kreis sogar noch Zeitzeugen umfasse, wie zum Beispiel den 89-jährigen Willi Wilden.

Der Referent und Hobby-Historiker Gerhard Kristan aus Roetgen erinnerte zur Einleitung an das laufende Jahr 2015 mit einigen runden Gedenk- und Jahrestagen: vor 70 Jahren ging der 2. Weltkrieg am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation zu Ende.

Im Dienst des Friedens

Simmerath, wie viele andere Orte auch, stand 1945 vor einem Berg von Zerstörungen und Kriegsschäden nach überstandener Evakuierung. Auch die Simmerather hätten in die Hände gespuckt und sofort mit dem Wiederaufbau begonnen, um ihre Heimat wieder bewohnbar zu gestalten, sagte Kristan. Sein Lichtbild-Vortrag solle der historischen Zeitdokumentation dienen und keine Verherrlichung von Kriegsereignissen oder des Nationalsozialismus sein.

Die Bilddokumente sollten dazu beitragen, dass der Frieden auch weiter erhalten bleibe. Das Material wurde vom Arbeitskreis und von der Studiengruppe „Zeitgeschichte im Fokus“ zusammengetragen, unterstützt von privaten Leihgaben aus der Bevölkerung. Auch der Geschichtsverein Monschauer Land hatte Archivmaterial zur Verfügung gestellt. Bildmaterial aus amerikanischen Archiven, die Kristan selbst besucht hat, vervollständigten das Material.

Erwin Finken, Mitglied des „Arbeitskreises“ seit der Gründung in den 1990er-Jahren, verlas in deutscher Übersetzung ein Grußwort eines freundschaftlich verbundenen Amerikanischen Kriegsveteranen, Jacques Richardson, der 1944 als Leiter der Verbandsstation im heutigen Haus der Bäckerei Sories und später in der alten Molkerei stationiert war.

Der heute in Paris lebende 92-jährige Richardson konnte aus persönlichen Gründen leider nicht an diesem Abend dabei sein. Als ehemaliger Soldat der US-Armee im 2. Bataillon des 310. Infanterie-Regiments seien ihm viele Erinnerungen an Simmerath geblieben. Er und sein Freund Professor Walter Erdelen aus Mechernich arbeiteten lange Jahre im Wissenschaftssektor der Unesco, die auch in diesem Jahr 70-jähriges Bestehen feiern darf.

Gerhard Kristan, assistiert von seinem Sohn Jochen, zeigte zu Anfang der Bilderserie, die insgesamt rund 400 Aufnahmen umfasst, alte Fotos aus Simmerath vor Kriegsbeginn. In eindrucksvoller freier Rede kommentierte er die Bilderfolge ab 6. Juni 1944 (D-Day) bis zur Kapitulation am 8. Mai 1945. Dabei schilderte er minuziös die Kriegsereignisse in unserer Heimat bei Schnee und Kälte in Simmerath und Umgebung: Am 13. September 1944 schockte der Räumungsbefehl die Simmerather.

Die sofortige Evakuierung, zum Teil bis ins Sachsenland, war die Folge. Alle Bewohner mussten das Dorf verlassen ohne Gewissheit auf Wiederkehr. Auch die blutigen Kämpfe um die Paustenbacher Höhe (Kopp) wurden dokumentiert: Am 29. September 1944 fiel dieser Verteidigungsposten in die feindlichen Hände, am 11. Oktober fiel der Simmerather Kirchturm in Ruinen.

Auch das bewegende Schicksal des Simmerather Frisörs Karl Bongard wurde als Gefreiter der Deutschen Wehrmacht anschaulich gezeigt. Ein kleines Gedenkkreuz an der VII. Kreuzwegstation zur „Kopp“ erinnert heute noch an den Tod des US-GIs Harold Miller. Auch im Tiefenbachtal an Mariagrube steht ein Gedenkkreuz an einen gefallenen Amerikanischen Soldaten. Im nahe gelegenen Schieferstollen sind 22 US-Soldaten zu Tode gekommen.

Dann beleuchtete Kristan die Kriegsgeschehnisse ab Januar 1945 in Simmerath, Kesternich, Imgenbroich, Konzen, Lammersdorf, Strauch, Roetgen usw.. Das St.-Brigida-Krankenhaus war schon geräumt worden, und die Ziegelei von Peter Finken im Kranzbruch, heute Heidestraße - Dohmenstraße, war schon in Schutt und Asche bombardiert worden. Ab Mitte März 1945 waren die ersten Simmerather wieder in die zerschossene Heimat zurückgekehrt, wo der mühsame Wiederaufbau auf alle Einwohner wartete.

Besondere Beachtung widmete der Referent dem verstorbenen allseits bekannten Dr. med. Alfons Fritz, der die Bevölkerung von 1926 bis 1966, zeitweise als Krankenhausleiter, medizinisch versorgte und mittlerweile zu den wenigen Ehrenbürgern der Gemeinde Simmerath zählt.

Der verstorbene Felix Wilden hatte 1947 in einer Federzeichnung die Ruinen der zerstörten Pfarrkirche für die Nachwelt festgehalten.

Ein Spektakel nach dem Krieg waren die zahlreichen Sprengungen von Bunkern und Höckerlinien durch die Firma Georg Werner aus Stolberg. Freigelegte Stahlträger wurden im Wiederaufbau sinnvoll verwendet. Gerhard Kristan beendete seinen spannenden Vortrag mit dem mahnenden Satz: „Lassen Sie uns den Frieden bewahren“.

Wolfgang Frings bedankte sich im Namen aller Gäste für die tiefgreifende Aufarbeitung und bat zur Unterstützung der weiteren Arbeit des Arbeitskreises Alt Simmerath darum, leihweise historische Fotos und Dokumente zur Verfügung zu stellen. Kontaktadresse: Wolfgang Frings, Simmerath, Bickerather Straße 56, Tel. 02473/7620 oder E-Mail: Info@alt-Simmerath.de

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