Vorstellungs-Training unter realistischen Bedingungen

Von: hes
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Da kann man schon mal Pudding in den Beinen bekommen: In einer realistischen Prüfungssituation erfuhren die Neuntklässlerinnen von St. Ursula, wie ein Vorstellungsgespräch in der freien Wirtschaft oder bei einer Behörde ablaufen kann. „Das ist ja schlimmer als bei Bohlen und Deutschland sucht den Superstar”, kommentierte eine Bewerberin die „Gegenüberstellung”. Foto: Heiner Schepp

Simmerath. Äußerlich wirkt Alina (alle Namen geändert) recht ruhig. Doch „innendrin” sieht es bei der 15-Jährigen aus Simmerath anders aus. Da hat doch jemand aus der „Jury” tatsächlich gefragt, ob Sie sich für Politik interessiere. Alina denkt kurz nach und weiß, dass die Antwort bei ihrem Gegenüber nicht gerne gehört wird.

„Eigentlich noch nicht so”, bevorzugt sie bei ihrer Antwort dennoch Ehrlichkeit, wenn auch in abgeschwächter Form. „Interesse am politischen Geschenen und am täglichen Leben ist aber eine wichtige Voraussetzung, wenn Du zur Polizei gehen möchtest”, erfährt das junge Mädchen.

Dass sie sportlich ist, sei zwar auch wichtig, erfährt Alina, aber als Polizistin müsse sie auch in Konfliktsituationen ruhig und gelassen bleiben und in der Lage sein, einen Streit zu schlichten.

Dass ihre vier Gesprächspartner Alina am Ende des 15-minütigen Gesprächs empfehlen, den Berufswunsch noch einmal zu überdenken und es vielleicht mal bei der Berufsfeuerwehr zu versuchen, ist heute noch nicht weiter tragisch. Denn diesmal war es nur Training für ein Vorstellungsgespräch. Alina und rund 80 weitere Neuntklässlerinnen der St. Ursula Mädchenrealschule erfuhren zu Wochenbeginn ganz realistisch, wie ein solches Bewerbungsgespräch abläuft.

Durchgeführt wurde und wird (am Mittwoch ist der letzte Tag) die große Vorstellungsrunde in den drei Rathäusern in Roetgen, Simmerath und Monschau; neben den örtlichen Verwaltungen konnte die Schule etwa 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Firmen, Verbänden und öffentlichen Einrichtungen als Jury für die Einzelgespräche gewinnen. So waren Sparkasse und Finanzamt, Verscherungen, Handwerksbetriebe und Schulen, kleine Betriebe und große Unternehmen vertreten, um die Mädchen im fiktiven Vorstellungsgespräch zu befragen.

Haltung, Mimik, Gestik

Mit am Tisch saß auch Lina Wirtz, eine angehende Physiotherapeutin, die sich in ihrem Studium speziell mit dem Thema „Körpersprache” beschäftigt hat und das äußerliche Auftreten der Bewerberinnen beurteilte. „Denn Haltung, Mimik und Gestik verraten schon so manches über den Bewerber”, weiß Lina Wirtz.

Anja, ebenfalls 15 und aus Monschau, hat bislang alles richtig gemacht. Den von der Jury - gemeinerweise! - etwas weit vom Tisch abgerückten Stuhl hat die junge Dame selbstbewusst nach vorne gezogen, um ihren Gegenübern etwas näher zu sein und die Hände auf den Tisch legen zu können. „Der Trick zeigt gleich, ob die Bewerberin forsch ist oder sich einfach in den Stuhl fallen lässt”, verrät Lehrerin Waltraud Haake. „Es ist wichtig, dass man nicht zu zurückhaltend ist und der Jury zeigt: Hier bin ich! Ich möchte die Stelle!”, ergänzt Lina Wirtz.

Auch im folgenden Gespräch gibt Anja ein gutes Bild ab. „Ein gutes Zeugnis ist das eine, aber sich im Gespräch auch offen und interessiert zu zeigen und nicht immer nur einsilbige Antworten oder Ja und Nein zu entgegnen, ist fast noch wichtiger”, sagt Heinz Thoma, Ausbildungsleiter beim Finanzamt Aachen-Kreis. „Das soll ja kein Verhör sein!”, ergänzt der Finanzbeamte aus Kalterherberg. Und Anja war nicht einsilbig, hat munter von sich erzählt und für sich geworben.

Bei der nächsten Bewerberin sind Thoma und Kollegen dagegen wieder unerbittlich: „Das war hier vertane Zeit. Ein erfahrener Interviewer merkt sofort, dass das eine Notbewerbung war. Du willst nicht wirklich Optikerin werden”, geht er mit Jana (15) aus Roetgen hart ins Gericht. Und so lautet die Empfelung für die Neuntklässlerin, den Berufswunsch noch einmal zu überdenken und vielleicht doch ihren Traum weiter zu verfolgen und Schauspielerin zu werden.

Wichtig sei - und das ganz unabhängig vom Berufsziel -, „dass man sich bei einem solchen Gespräch nicht alles aus der Nase ziehen lässt, sondern selbst offensiv ins Gespräch geht und sich gut und selbstbewusst verkauft”, rät Sarah Dunkel aus Rohren, Ausbilderin bei der Sparkasse.

Die Mädchen haben an diesem Vormittag unter realistischen Bedingungen gelernt, wie ein solches Bewerbungsgespräch, vielleicht das wichtigste Gespräch in ihrem Leben, ablaufen kann. Und die, bei denen es diesmal noch nicht so gut gelaufen ist, haben ja noch rund ein Jahr Zeit, ehe es dann wirklich erst wird.
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