Vor 100 Jahren wurde die Dreilägerbachtalsperre gebaut

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Der Bau der Dreilägerbachtalsperre bei Roetgen zu Beginn der vorigen Jahrhunderts war noch richtige Handarbeit.

Roetgen. Man schrieb den 2. Juni 1909, als das „Wasserwerk des Landkreises Aachen GmbH” gegründet wurde. Seit 100 Jahren beliefert es Bürger, Industrie und Gewerbe stets mit einwandfreiem Trinkwasser. Seit 2004 firmiert das rein kommunale Unternehmen als „enwor - energie & wasser vor ort GmbH”.

„Fließend Wasser” ist hierzulande eine Selbstverständlichkeit, über die zu reden kaum jemandem einfällt, ist unter anderem in einer vierseitigen Publikation zu lesen, die anlässlich des Jubiläums herausgegeben wird. Wasserhähne, Duschen, Badewannen - wer wollte ihre Existenz heute noch als Komfort bezeichnen. Vor 100 Jahren war das anders.

Für jeden Tropfen Trinkwasser mussten die Pumpenschwengel in Bewegung gesetzt werden. Das so gewonnene Wasser war hygienisch keineswegs einwandfrei und stand auch nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung. Eine zentrale Wasserversorgung war den Bürgern noch unbekannt.

Unternehmergeist

Am 14. Juli 1906 wurde der erste große Schritt zu einer zentralen Wasserversorgung des Landkreises Aachen getan. Der Landkreis Aachen beauftragte den damaligen Regierungsbaumeister mit der Ausarbeitung eines Wasserversorgungsprojektes. Drei Jahre später, am 2. Juni 1909, wurde das Wasserwerk des Landkreises Aachen GmbH gegründet.

Wegen der Nähe zur wasserreichen Eifel war der Entschluss zum Bau einer Talsperre am Dreilägerbach bei Roetgen gefallen: Nah genug, so dass keine übermäßig langen Transportleitungen in die Städte und Gemeinden notwendig waren, hoch genug, um mit dem natürlichen Druck des Wassers die Kunden sicher versorgen zu können. Gleich mit der Gründung des Wasserwerkes wurde mit dem Bau der Talsperre, bald auch mit der Errichtung der Filteranlage, der Wasserbehälter und der Verlegung des Transportnetzes begonnen.

Die Planer hatten insgesamt 5,2 Millionen Mark veranschlagt. Das war eine Riesensumme in einer Zeit, in der die Bürger mehr mit dem Pfennig als mit der Mark zu rechnen gewohnt waren, in einer Zeit, in der Landesmittel, Zuschüsse und zinsverbilligte Darlehen unbekannte Begriffe waren. Über Geld verfügten die Verantwortlichen nicht, dafür hatten sie Mut und Unternehmungsgeist.

Netz von 277 Kilometern

Im ersten Betriebsjahr 1913/14 hatte das Rohrnetz eine Länge von 277 Kilometer und es gab 7705 Hausanschlüsse. Die Filteranlage an der Dreilägerbachtalsperre konnte täglich bis zu 30000 Kubikmeter Trinkwasser aufbereiten. Der Jahresverbrauch betrug fast fünf Millionen Kubikmeter.

Bis zum 20. Betriebsjahr sollte der Verbrauch gegenüber dem ersten Betriebsjahr um 80 Prozent steigen: 20.500 Hausanschlüsse sollten bis dahin verlegt werden, 91 Prozent aller Häuser angeschlossen und das Rohrnetz, jetzt 530 Kilometer lang, um 111 Prozent erweitert werden. Im ersten Jahr wurden 85.000 Menschen versorgt, 20 Jahre später waren es rund 210.000.

Wirtschaftliche Vorteile

Die Lieferung von weichem Oberflächenwasser aus der Dreilägerbachtalsperre brachte für alle Kundengruppen beachtliche wirtschaftliche Vorteile. Weiches Wasser war für die Industrie besser geeignet als Kesselspeisewasser, besonders für Färbereien, Wäschereien, Textilindustrie und Haushalt wegen des geringen Seifenverbrauchs. Schon vor der Gründung des Werkes bestanden mit der Eisenbahn und dem Eschweiler Bergwerks-Verein feste Abmachungen über Wasserlieferungen.

Bereits 1909/10 wurden mit den holländischen Gemeinden Kerkrade (Kirchrath) und Vaals Wasserlieferungsverträge abgeschlossen, die noch heute bestehen. Damit dehnte sich schon unmittelbar nach der Gründung die Wasserversorgung über die Grenzen des Landkreises aus.

Talsperrenverbund

Um den ständig wachsenden Wasserbedarf decken zu können, musste 1918/20 zunächst das direkte Einzugsgebiet der Dreilägerbachtalsperre vergrößert werden. 1926 wurde dann der 6,2 Kilometer lange Kallstollen für die Überleitung des Kall- und Keltzerbaches in die Dreilägerbachtalsperre fertig gestellt. Von 1934 bis 1936 wurde die Kalltalsperre gebaut. Zur Deckung des weiter steigenden Wasserbedarfs sicherte sich das Wasserwerk des Kreises Aachen (WdKA) in den 50er Jahren Rohwassermengen aus Olef- und Urfttalsperre sowie dem Obersee der Rurtalsperre.

Für die Weiterleitung aus dem Obersee zur Trinkwasseraufbereitungsanlage in Roetgen baute das WdKA die Rurüberleitung. Sie vollendete 1956 den Talsperrenverbund für die Trinkwasserversorgung des Aachener Raumes. Zusätzlich sicherte sich das WdKA Rohwasser aus der 1981 fertig gestellten Wehebachtalsperre, das seit 1983 in der unternehmenseigenen Anlage unterhalb des Staudammes zu Trinkwasser aufbereitet wird.

Komplett saniert

80 Jahre lieferte die Dreilägerbachtalsperre ununterbrochen Trinkwasser für die Aachener Region. In den Jahren 1991/92 wurde die Staumauer komplett saniert, wozu die Talsperre vollständig entleert werden musste. Auf der Wasserseite der alten Mauer wurde eine neue Dichtschale aus Beton erstellt, die mit mehr als 3000 Vorspannankern mit dem vorhandenen Bauwerk verbunden ist. Zahlreiche Messinstrumente informieren heute über Verhalten und Veränderungen der Mauer bei verschiedenen Stauhöhen und Temperaturen.

Modernste Technik

1999 wurde die 1888 gegründete Stolberger Wasserwerks-Gesellschaft, die das Trinkwasser aus Grundwasser der dortigen Kalksteinzüge gewann, mit dem Wasserwerk des Kreises Aachen verschmolzen und als eigenständiges Unternehmen aufgelöst. Im Jahr 1997 gründeten das Wasserwerk des Kreises Aachen GmbH und die Stadtwerke Aachen AG die WAG Wassergewinnungs- und -aufbereitungsgesellschaft Nordeifel mbH.

Die WAG betreibt jetzt für enwor und Stawag mit den Anlagen beider Unternehmen die Wassergewinnung und -aufbereitung aus Talsperrenwasser. Die Betriebsführung der WAG ist seit 2004 Aufgabe der „enwor - energie & wasser vor ort GmbH”.

Im Frühjahr 2006 wurde in der Trinkwasseraufbereitungsanlage Roetgen die neue Ultrafiltrationsmembrananlage in Betrieb genommen. Damit steht der Region Aachen dort nun eine der modernsten Anlagen Deutschlands zur Verfügung.
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