Nordeifel - Von Spechten, Höhlen und dem Wald, der Zeit braucht

Von Spechten, Höhlen und dem Wald, der Zeit braucht

Von: Günter Krings
Letzte Aktualisierung:
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Ein Buntspecht in seiner Höhle. Foto: Günter Krings

Nordeifel. Spechte sind Wald- und Parkbewohner. Häufigster Specht in unserer Region ist der Buntspecht, gefolgt von Grün- und Schwarzspecht. Ganz selten ist der Mittelspecht als Brutvogel wohl nur im Nationalpark und in den Eichenwäldern bei Roetgen/Zweifall. Vom sperlingsgroßen Zwergspecht gibt es bisher noch keinen direkten Brutnachweis. Spechte bauen ihre Bruthöhlen in alte Bäume.

Nach landläufiger Meinung müssen alte Bäume gesund sein, mächtige Stämme und volle Laubkronen besitzen, um ihre Rolle im Naturhaushalt entfalten zu können. Faule Bäume haben keinen Platz in unserer geordneten Welt, sie werden entfernt. Aber Fäulnis ist ein normaler biologischer Prozess. Die Natur benötigt faulende Bäume und andere Pflanzen. Die wichtigsten Fäulniserreger bei Bäumen sind Pilze wie Feuerschwämme und Hallimasch. Wurzelverletzungen an Bäumen geschehen oft durch Bodenverdichtung, starke Bodenversauerung und Fraßschäden. Stammverletzungen können durch Frost und Sturm, Tierfraß und Bewirtschaftungsmaßnahmen verursacht werden. Ob es nach einer Verletzung zur Fäulnis kommt, hängt von der Widerstandsfähigkeit des Baumes ab. Gesunde Bäume reagieren mit Wundkallus-Bildungen. Das ist ein Wulst, der gut bei abgesägten Ästen beobachtet werden kann. Der Wulst wächst von den Wundrändern her über die freie Holzfläche. Gelingt es dem Baum nicht mehr, eine Wunde zu schließen, siedeln sich schnell Sporen Holz abbauender Pilze an, so dass sich langsam Faulhöhlen bilden.

Lebensraum faules Holz

Da die äußeren Jahresringe – auch Splintholz genannt – in der Regel nicht angegriffen werden, kann der faule oder hohle Baum noch lange am Leben bleiben, wie man bei alten Linden oder Buchen sehen kann. Faul- und Totholz ist Lebensraum für Moose, Flechten und für viele Tierarten. Solche Moderholzbewohner sind einige Bock-, Pracht- und Schnellkäferarten. Leichter als bei Buchen und Eichen entstehen Höhlen bei Weichhölzern wie Pappeln, Weiden, Birken und Linden.

Problem der frühen Baumernte

Das reiche Angebot an Naturhöhlen war Voraussetzung dafür, dass sich bei vielen Tiergruppen Arten entwickelten, die zumindest in einer Phase ihres Lebens Höhlen benötigten, sei es zum Brüten, zum Übernachten, zur Tagesruhe oder zum Winterschlaf: etwa Spechte, Meisen, Wildkatzen, Marder, Fledermäuse, Bienen und Hornissen. In den heutigen Wirtschaftswäldern werden Bäume vor dem Erreichen ihrer natürlichen Altersgrenze geerntet, angefaulte Bäume werden aus dem Bestand herausgenommen, so dass Höhlenbewohner es schwer haben, Brut- und Versteckplätze zu finden.

Nun haben aber einige Spechtarten im Laufe der Evolution ihre Abhängigkeit von Faulhöhlen aufgegeben – sie zimmern ihre Höhlen selbst. Da sie in jedem Jahr oder alle paar Jahre neue Höhlen zimmern und nicht nur Bruthöhlen, sondern auch Schlafhöhlen, kann auch im Wirtschaftswald im Laufe der Zeit ein gewisses Angebot an Höhlen entstehen, die später auch anderen Tieren als Nistplatz oder Ruheplatz dienen können. So gab es z. B. in den 1970er Jahren einen alten Buchenbestand im Tiefenbachtal, in dem Dohlen brüteten. In den alten Buchen im Forst Dedenborn brüten immer noch regelmäßig die seltenen Hohltauben in Schwarzspechthöhlen.

Da im Nationalpark außer Fichtenplantagen keine Bäume mehr gefällt werden, dürfte sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte wieder ein Wald entwickeln, der ein reiches Angebot an Naturhöhlen haben wird und somit immer interessanter wird für Tiere, die für ihre Entwicklung und zum Überleben solche Höhlen benötigen. Aber da muss man etwas Geduld haben: Das dauert in der Tat einige Jahrzehnte wie man am besten in der Naturwaldzelle „Im Brand“ im Forst Dedenborn sehen kann.

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