Von der feinfühligen Bachkantate bis zum Tedeum von Charpentier

Von: js
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Das Ensemble von Instumentalisten (Streicher und Holzbläser) interpretiert die Werke. Foto: Josef Schreier

Roetgen. In der Evangelischen Kirche in Roetgen war am Sonntag ein geistliches Konzert mit zwei völlig unterschiedlichen Werken zu hören. In der ersten Hälfte wurde den zahlreichen Zuhörer eine feinsinnige Bachkantate dargeboten, die den sehr bekannten biblischen Psalm 23 („Der Herr ist mein getreuer Hirt“) trug.

Beinahe als mentaler Gegensatz dazu erschien dann das Tedeum von Marc-Antoine Charpentier, das vor allem durch seine sehr eingängige Einleitungsmusik („Eurovisionsfanfare“) in den letzten Jahrzehnten bekanntwurde. Hier ist freilich von Intimität weniger zu spüren; man merkt, dass dieses Werk ursprünglich eher zur Inszenierung königlicher Macht (Ludwig XIV.) als zu persönlicher Erbauung geschaffen wurde.

Die Zusammenstellung gerade dieser beiden Werke in diesem sommerlichen Konzert mag zufällig gewesen sein. Aber eben die Unterschiedlichkeit des musikalischen Zugangs seitens der beiden Komponisten gab dem Zuhörer doch zu denken.

Dass Johann Sebastian Bach der Zuspruch und die Behütung durch den „getreuen Hirten“ ein unmittelbar persönliches und innerliches Anliegen war, spürt der Zuhörer in jedem Takt seines Werks, sowohl in den beiden Chorsätzen zu Anfang und am Ende der Kantate wie auch in den Solisteneinsätzen.

Duett von Sopran und Tenor

Besonders berührend war die Alt-Arie (Anna Fischer) und das zuversichtlich stimmende Arioso „Und ob ich wandert im finstern Tal“) der Bassstimme (Josef Otten). Fast allzu stürmisch dann das Duett von Sopran und Tenor (Maria Regina Heyne und Thomas Thiele), das in Form eines fröhlichen Tanzes die Freude des von Gott Beschenkten zum Klingen bringt. Wenn also Bach ganz auf diese innere Bewegtheit des gläubigen Menschen sieht, so hat das Werk von Charpentier eher die Tendenz, den Zuhörer äußerlich zu überwältigen, wenn nicht gar einzuschüchtern.

Kleines, zehnköpfiges Ensemble

Gott oder Christus erscheint hier nicht als der getreue Hirt, sondern als Herrscher und Richter. Wenn etwa die Bassstimme (hier war Josef Otten ganz in seinem Element) in gewaltigem Pathos Christus als den Richter anruft, bleibt der Sopranstimme (anrührend hier Maria Regina Heyne) anschließend nur übrig, in Demut und Bescheidenheit, ja beinahe hilflos um Hilfe zu flehen.

Eine gänzlich unterschiedliche religiöse Gestimmtheit also.

Ein kleines zehnköpfiges Ensemble von Instrumentalisten (Streichern und Holzbläsern) spielte die Werke in einer auf die beschränkteren Möglichkeiten zugeschnittenen Bearbeitung. Erstaunlich vor allem, dass das Tedeum, das ja im Original „mit Pauken und Trompeten“ arbeitet, auch in dieser intimen Besetzung gut zum Zuge kam. Zumal sich die vier Vokalsolisten offenbar in dem größeren Werk eher zu Hause fühlten. Hier konnten sie aus sich herausgehen, während bei der Bachkantate doch die eine oder andere Feinheit (auch die Textverständlichkeit) ein wenig auf der Strecke blieb.

Der erweiterte Kirchenchor Roetgen hatte sich diese Werke im Rahmen eines Sommerprojekts erarbeitet. Dem Chorleiter Peter Emonds ist das Kompliment auszusprechen, dass es ihm hervorragend gelungen ist, den Stammchor und die Gastsängerinnen und -sänger zu einem erstaunlich stimmigen, flexiblen und klangschönen Ensemble zu formen.

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