Vom Reinartzhof blieben nur Mauern

Von: rpa
Letzte Aktualisierung:

Nordeifel. Seit die letzten Bewohner den Reinartzhof mitten im Hohen Venn verlassen haben, ist es dort ruhig geworden. Nur Wanderer, Rehe und Hirsche ziehen dort ihre Bahnen.

Doch die Erinnerung an die alte Kulturstätte mitten in der Wildnis lebt neu auf, dafür haben die Förster Alfred Jost und Georg Hamacher vom Forstamt Eupen 2 gesorgt. Inmitten der Einsamkeit zwischen Eupen, Roetgen und Konzen lag der Reinartzhof, eine kleine Kapelle erinnert noch heute daran.

Diese Kapelle aus heimischem Bruchstein ist seit Jahren schon stets am Pfingstmontag das Ziel unzähliger Vennfreunde, die zu Fuß oder per Rad zum alten Reinart ziehen.

Von überall her brechen die Wanderfreunde auf: von Höfen und Kalterherberg, von Mützenich, Konzen und Monschau, von Raeren und Roetgen. In der Stille des Venns wird am Nachmittag des zweiten Pfingsttages an der Muttergottes-Kapelle eine „Waldandacht” gefeiert (Beginn 15.30 Uhr).

Am 11. Juni 1973 wurde die Kapelle feierlich eingeweiht, die St. Stefan-Pfadfinder aus Raeren hatten sie nach einer Idee des Eupener Forstmeisters Michael Letocart zu „Ehren unserer lieben Frau vom Reinart” errichtet - zur Erinnerung an die ehemalige Siedlung auf dem Reinartzhof, zur Erinnerung an die Menschen, die hier in der Abgeschiedenheit des Venns ihre Heimat hatten, wie zur Erinnerung an die vielen Pilger, die hier im Laufe der Jahrhunderte Hilfe und Zuflucht gefunden haben.

Einsiedler taten einst auf dem Reinart Dienst als „Rufer in der Einsamkeit”, um den Verirrten den Weg zu zeigen.

Der alte Reinartzhof war im hohen Mittelalter (1100-1400) Kreuzungspunkt zweier Wege: der eine führte von Ameln über Roetgen und Kornelimünster nach Aachen, der andere von Aachen über Raeren und den Stehling nach Monschau.

Beide Wege waren „im weiteren Sinne Verbindungen zwischen Aachen und Trier” schreibt Viktor Gielen in seinem Vennbuch „Kreuz der Verlobten”.

Seit 1920 belgisch

Alten Akten ist zu entnehmen, dass mindestens seit Anfang des 14. Jahrhunderts auf dem Reinart Laienbrüder wohnten. Im 30-jährigen Krieg wurde der Reinart mit seinen Höfen zerstört. Später wurden sie wieder aufgebaut. Der Welt abgeschiedene Reinartzhof erlebte in den nächsten Jahrhunderten eine wechselvolle Geschichte, die eindrucksvoll von Viktor Gielen im Vennbuch „Das Kreuz der Verlobten” erzählt wird. Hier einige Daten: 1856 vernichtet ein Feuer den Oberhof, der im folgenden Jahr wieder aufgebaut wird; 1920 wird der Reinarthof belgisch.

Häuser dem Erdboden gleichgemacht

Am 26. Juni 1958 wurde per Erlass des Königs das Ende des Reinartzhofes verkündet: Zum Schutze des Wassers in der Weserbachtalsperre bei Eupen musste der Reinart geräumt werden; 1971 verlässt der letzte Bewohner seinen Hof, die Häuser werden in Brand gesteckt und dem Erdboden gleichgemacht, die 64 Hektar Wiesenland ringsum werden aufgeforstet.

Auf dem Reinart ist es still geworden. Nur ein paar Mauerreste, einige alte Buchen und verwilderte Hecken und eben die kleine Kapelle erinnern an die einst wichtigste Kulturstätte im Hohen Venn - und neuerdings drei Info-Tafeln mit alten Bildern von den Menschen und den Höfen auf Reinartzhof.

Gespräche mit Bewohnern

Zu verdanken ist die „neue” Erinnerung an Reinartzhof Oberförster Georg Hamacher aus Petergensfeld, der für das Revier Steinbach zuständig ist. Er hat vor allem „jüngste” Geschichte von Reinartzhof erkundet, er hat die noch lebenden Bewohner der Siedlung besucht und aufgeschrieben, was sie zu erzählen wussten.

Für sein Projekt „Reinartzhof” konnte Georg Hamacher auch seinen Kollegen vom Nachbarrevier, Alfred Jost, gewinnen. Der hat dann die Ruinen des alten Mittelhofes wieder frei gelegt und von der Aufforstung befreit. Drei Tafeln mit herrlich alten Bildern erzählen nun vom Leben und Arbeiten auf den einsamen Höfen von Reinart mitten in der Einsamkeit des Venn.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert