Vom Keller auf den Weltmarkt hochgearbeitet

Von: P. St.
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„Klein, aber oho“, charakterisiert Geschäftsführer Mark Hellweg (2. v. re.) sein Maschinenbauunternehmen im Gewerbegebiet Roetgen. CDU-Landtagsabgeordneter Axel Wirtz sowie Stephan Speitkamp (li.) und Ronad Borning von der CDU Roetgen (re.) warfen jetzt vor Ort einen Blick in den Betrieb. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Über zwei Themen kann Mark Hellweg ausgiebig und emotional referieren: Da ist einmal sein beruflicher Werdegang als Unternehmer und zum anderen sein zeitaufwendiges Hobby, die Astrofotografie.

In beiden Punkten kann man dem 41-Jährigen nicht so leicht etwas vormachen, und wenn er über die Zusammenhänge zwischen der internationalen Börse und seinem kleinen Betrieb im Roetgener Gewerbegebiet spricht, dann klingt das ebenso spannend wie erstaunlich.

Einblicke in die Unternehmensphilosophie des Maschinenbauers Hellweg nahm jetzt auch der CDU-Landtagsabgeordnete Axel Wirtz gemeinsam mit einer Abordnung der CDU Roetgen.

Geschäftsführer Mark Hellweg war schnell auf Betriebstemperatur als er die Entstehungsgeschichte seines Unternehmens, das sich innerhalb von 20 Jahren aus einer Kellerwerkstatt auf den Weltmarkt hocharbeitete. Hergestellt werden in der unscheinbaren Halle im Roetgener Gewerbegebiet Schneidmühlen, die in Kunststoff verarbeitenden Betrieben eingesetzt werden, um produktionsbedingte Abfälle zu zerkleinern und das Mahlgut einer neuen Verwendung zuzuführen – entweder als Recyclingmasse oder für die Zudosierung bei der Neuware-Produktion.

Die Referenzen können sich sehen lassen. Bosch, Airbus und VW stehen auf der Kundenliste. Weltweit steht das Roetgener Unternehmen, das etwa 20 Mitarbeiter beschäftigt, im Wettbewerb mit rund 200 Mühlenherstellern.

Innovation begann an der Theke

Angefangen hat alles Anfang der 1980er Jahre in der Roetgener Rosentalstraße in der Kellerdreherei seines Vaters, die im Wohnhaus untergebracht war. In dem Ein Mann-Betrieb stellte der Lohndreher Wellen und Bolzen für die führenden Metallbauunternehmen in der Region her. Wenig später stieg dann Mark Hellweg in das Mini-Unternehmen ein. Schon damals habe man „mit Qualität überzeugt“, was im Jahre 1996 aus dazu geführt habe, dass man den Betrieb in das Gewerbegebiet Roetgen verlagert habe.

Starke Veränderungen auf dem Weltmarkt führten gleichzeitig dazu, dass die Kundschaft plötzlich wegbrach und die Produktion zum Erliegen kam. „Ein zufälliges Gespräch an der Theke brachte dann die Wende“, erinnert sich Mark Hellweg. Das Gespräch drehte sich um Schneidmühlen. „Da haben wir nicht lange gefackelt und den Mann, der das vorschlug, als Konstrukteur eingestellt“, erzählt Hellweg.

Das Trio hatte schnell erste Erfolge. Mit Flexibilität und Effizienz legte man Wert auf höchste Qualität. Kurze Wege in dem Mini-Betrieb ermöglichten schnelle unternehmerische Entscheidungen, und bald gehörten renommierte Konzerne zum Kundenstamm.

Hellweg erhielt den Innovationspreis der Region Aachen, und mit dem Einstieg in die CD-Branche gelang dann der große Wurf. Nicht weniger als 1200 Maschinen wurden verkauft. Doch dann brach das CD-Geschäft plötzlich ein. Die Hellweg-Schneidmühlen standen aber nicht lange still, denn die Kooperation mit Notenbanken schuf ein zweites Standbein.

Die in Roetgen produzierten Maschinen dienen jetzt auch der Entsorgung von Banknoten, die aus dem Verkehr gezogen und zu Briketts verpresst werden. Auch in China stehen riesige Geldvernichtungsmaschinen aus Roetgen.

„Wir hätten noch viele Ideen“ lacht Mark Hellweg, aber das große Problem sei die Liquidität. Die Auftragslage auf dem Weltmarkt bezeichnete er als „hoch instabil und wechselhaft“. Ständig schwanke man zwischen den Extremen, dass die Auftragsbücher voll oder leer seien. „Jede Bewegung an der Börse spüren wir auch in Roetgen.“

Aber der Geschäftsführer sprach auch die Alltagsprobleme vor Ort an. Diese beträfen die eingeschränkten und vom Gesetzgeber erschwerten Möglichkeiten einer Betriebserweiterung oder auch hohe Auflagen, die die Unternehmen in vielen Bereichen erfüllen müssten.

Diese Klagen bestätigten Axel Wirtz dann in seiner anhaltenden Kritik an der Politik der Landesregierung, „die die Entwicklung vor Ort behindert“. Dies gelte besonders für den ländlichen Raum, wo der neue Landesentwicklungsplan die Ausweisungen neuer Siedlungs- und Gewerbeflächen massiv einschränken wolle.

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