Vollsperrung B266: Tourismusbranche fürchtet Umsatzeinbußen

Von: Jan Mönch
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Sechs Kilometer bis Einruhr? E
Sechs Kilometer bis Einruhr? Erst nach Ende der Vollsperrung wieder. Wer während der Sanierung der B226 dorthin möchte, sollte sich lieber nicht mit leerem Tank auf den Weg machen. Foto: Heiner Schepp

Einruhr/Erkensruhr. Würde man Christoph Poschen nach den besonderen Stärken des Landesbetriebs Straßenbau fragen, dann würde er Kommunikation vermutlich als letztes aufzählen.

Dass der Ortsvorsteher von Einruhr und Erkensruhr Ende Februar zu einer Verkehrsbesprechung, bei der es um die Sanierung der B 266 ging, nicht eingeladen wurde, sieht er noch einigermaßen gelassen. Möglicherweise entspreche dies ja dem üblichen Vorgehen. Dass der Landesbetrieb nun allerdings seit mehr als drei Wochen ein Schreiben unbeantwortet lässt, empfindet Poschen doch als reichlich unbefriedigend.

60 Kilometer Umweg

In dem Schreiben, dass per Mail und per Fax an den zuständigen Projektleiter Arnd Meyer ging, beschreibt Poschen den „gewaltigen Ärger”, den die Sanierungsmaßnahmen in Einruhr und Erkensruhr seiner Meinung nach verursachen werden. Wie berichtet, soll die B 266 zwischen Mai und Juli für sechs bis acht Wochen vollgesperrt werden.

Betroffen ist die Strecke zwischen Kesternich und der Kreisgrenze Euskirchen, die nacheinander in vier Abschnitten abgearbeitet werden soll. Einruhr und Erkensruhr wären von den ersten beiden Bauabschnitten betroffen, an drei Wochenenden wird man nach Stand der Planungen immense Umwege in Kauf nehmen müssen, um die Orte zu erreichen - oder aus ihnen herauszukommen.

„Ich möchte ja keinen Riesenstreit mit dem Landesbetrieb vom Zaun brechen”, stellt Poschen klar. Zumindest eine kurze Antwort auf seine Fragen fände er allerdings angemessen. Denn die hat er stellvertretend für die Dorfbewohner formuliert, die sich zuletzt verstärkt mit ihren Sorgen an ihn richten.

Wer etwa an den betroffenen Wochenenden aus Richtung Euskirchen nach Schleiden, Gemünd oder Vogelsang möchte, sei hin und 30 Kilometer zusätzlich unterwegs und zurück abermals 30, rechnet der Rechtsanwalt vor. Auf einen Umweg von 40 Kilometer kämen indes die Einruhrer und Erkensruhrer, wenn das Fahrtziel Simmerath lautet - mal zwei macht 80.

Für die Dorfbewohner im Allgemeinen ist dies zunächst natürlich sehr lästig, für diejenigen, die wirtschaftlich vom Tourismus abhängen - also Gastronomen, Übernachtungsbetriebe oder auch das Freibad - außerdem geschäftsschädigend, fürchtet Poschen.

Aus der Zeitung erfahren

Sebastian Lindt gibt ihm da Recht: „Gerade die langen Wochenenden im Mai und im Juni sind für die Betriebe extrem wichtig”, sagt der Geschäftsführer der Rursee-Touristik. Neben Hotels und Wirtschaften werde man die Sperrung der B 226 mit Sicherheit auch bei der Rursee-Schifffahrt, beim Fahrrad-Verleih sowie in den eigenen Geschäftsstellen zu spüren bekommen. Auch Lindt attestiert dem Straßenbaubetrieb ein sanierungsbedürftiges Kommunikationsverhalten: „Ich habe von der Sperrung aus der Zeitung erfahren. Ich hätte mir gewünscht, dass man uns involviert.”

Poschen indes spricht noch einen ganz anderen Punkt an: „Was machen eigentlich Polizei, Krankenwagen und Feuerwehr im Notfall, wenn sie 60 Kilometer Umweg fahren müssen?”

Die Sorge jedenfalls kann der Landesbetrieb den Bewohnern der beiden Dörfer teilweise nehmen. Für Notfallfahrzeuge sei es selbstversändlich möglich, durch die Baustellen zu fahren, teilt Arnd Meyer unserer Zeitung auf Anfrage mit. Einzige Ausnahme sei, wenn gerade ein Asphaltfertiger den weggefrästen Altbelag durch frischen ersetzt. In dem Fall werde man die Leitstellen jedoch rechtzeitig darüber informieren, dass auch sie Extrakilometer und Extrazeit einplanen müssen. Den großen Umweg müsse man übrigens nur an zwei, nicht an drei Wochenenden in Kauf nehmen - an dem dritten sei ein kürzerer Umweg über Ruhrberg möglich.

An der Komplettsperrung allerdings sei schlechterdings nicht zu rütteln. „Dies geschieht im Sinne der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer und ganz besonders der arbeitenden Menschen”, sagt Meyer, und beruft sich auf das Arbeitsrecht. Eine teilweise Sperrung sei nur bei einer durchgängigen Fahrbahnbreite von 7,50 Meter oder mehr möglich, und die weise die B226 schlicht und ergreifend nicht auf. „Es geht ganz einfach nicht anders, so leid es mir tut.”

Die ersehnte Antwort auf Christoph Poschens Schreiben sei vorbereitet und werde demnächst an die Gemeinde rausgehen.
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