Vogelsang auch als Baustelle eine Attraktion

Von: Peter Stollenwerk
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Vogelsang gilt als touristisches Ziel, soll sich aber als Lernort bei den Besuchern durchsetzen. Foto: P. Stollenwerk

Vogelsang. Noch deutet nichts darauf hin, dass der internationale Platz Vogelsang, wie das weitläufige Gelände seit Ende der militärischen Nutzung zum 31. Dezember 2005 heißt, in Kürze zur Großbaustelle wird. Aber das ist nur die Ruhe vor dem Sturm.

Nach langer Vorlaufplanung soll in diesem Jahr mit den Bauarbeiten begonnen werden, die die Sanierung und den Umbau des Forums zum Besucher- und Ausstellungszentrum einleiten. Der Bauzeitenplan endet im Frühjahr 2014. Dann soll sich das rund 100 Hektar große Gelände der ehemaligen NS-Ordensburg in einem neuen Bild zeigen.

Vogelsang soll zum Ort der Erinnerung und des Lernens werden. Außerdem soll der Nationalpark Eifel hier einen angemessenen Rahmen für seine Präsentation finden.

Umzug ins Kino

Insgesamt 42 Millionen Euro lassen sich Land, Bund und EU das Projekt kosten, eine Summe, die laut Albert Moritz, dem Geschäftsführer von Vogelsang ip, zwar mächtig klinge, aber aber angesichts des umfangreichen Gebäudekomplexes auch dringend benötigt werde.

Zum Umgestaltung gehört es auch, dass das Leitsystem für die Besucher im Gelände verbessert wird und Informationen, die auf die Historie der ehemaligen Ordensburg hinweisen, realisiert werden. Gerne werden sie Besucher auch einen Lift nutzen, der an der Außenseite des Turms angebracht werden soll.

Allein 35 Millionen verschlingt die energetische Sanierung der in Angriff zu nehmenden Gebäudekomplexe rund um den Adlerhof. Auch der Adlerhof selbst mit seiner weitläufigen Bruchstein-Ausstattung ist Teil der Sanierung. Man habe zwar „eine für militärische Zwecke gut erhaltene Immobilie” vorgefunden, aber das große Volumen der Gebäude ohne jegliche Wärmedämmung verschlinge jede Menge Kosten. Nicht zuletzt will auch die Denkmalpflege ein Wörtchen reden, was die Baumaßnahmen nicht unbedingt preiswerter macht.

Mit drei Millionen Euro Kosten ist die NS-Dokumentation veranschlagt, und die gleiche Summe soll auch die Nationalpark-Ausstellung kosten. Gut ausgestattet werden soll mit Kosten für 1,2 Millionen Euro auch das Schaufenster Eifel-Ardennen. Dieses Fenster, das seinen Platz unter der Wandelhalle am Adlerhof finden soll, zeigt touristische Highlights der Region vom Hohen Venn bis zum Rursee.

Nun gibt es auch vereinzelt Zweifel am Sinn der hohen Investitionen in Vogelsang, doch Albert Moritz hält den Kritikern die „außerordentlich hohe überregionale Bedeutung” des Ortes entgegen. Von diesem Potential profitiere die gesamte Region.

Keine Sorge hat man in Vogelsang, dass während der nun anstehenden Bauzeit die Besucherzahl in ein Loch fällt. Mit der übergangsweise geplanten Nutzung des Kinos als Besucherzentrum soll eine attraktive Alternative geschaffen. werden. Im ersten Bauabschnitt steht daher zunächst auch die Umgestaltung des Kinos an.

Der Saal bleibt unberührt, lediglich die umlaufenden Räumlichkeiten werden neuen Bestimmungen zugeführt. Die Besucherinformation wird hier untergebracht sowie Tagungsräume, Büros und Gastronomie. Auch nach dem Gastspiel im Kino sollen die umgebauten Räume weiter genutzt werden. Unter anderem ist im Kino an eine „qualifizierte Veranstaltungsreihe” gedacht, ohne dass man etablierten Veranstaltungen in der Region Konkurrenz machen möchte.

Ab 2012 soll der Kinokomplex die zentrale Anlaufstelle sein. Der Baustart hier wird kurz vor Ostern sein. Auch die dann folgende Großbaustelle Vogelsang soll zu einer Besucherattraktion werden. Regelmäßige Baustellenführungen werden angeboten, auch eine Aussichtsplattform wird zur Verfügung stehen. Turmführungen sind in den Jahren 2012/13 allerdings nicht mehr möglich.

In die weitere Zukunft gerichtet möchte Vogelsang auch das Hotelprojekt im Auge behalten. Obwohl in seiner ursprünglichen angedachten Form als „Krimi-Hotel” gescheitert, ist laut Albert Moritz unbedingt am Standort ein solches Angebot erforderlich. Für Tagungen und Seminare sei ein Hotel unerlässlich wie auch für Wanderer und andere Gäste. Nun gelte es, eine neues Profil zu finden. Die Standortentwicklungsgesellschaft Vogelsang werde demnächst mit drei neuen Alternativvorschlägen auf den Markt gegen.

Die Hälfte der Besucher kommt allein wegen Vogelsang in die Region

Die Besucherzahlen bestätigen die Anziehungskraft des Lernortes Vogelsang:: 2009 wurden 181.000 Besucher gezählt, im vergangenen Jahr kreuzten rund 200.000 Besucher auf, das ist eine Steigerung um gut 10 Prozent.

300.000 Besucher im Jahr ist langfristig das Ziel von Vogelsang ip. An der Umsetzung dieses Ziels arbeiten derzeit 45 Mitarbeiter in Vogelsang, davon 30 bei der gemeinnützigen Vogelsang ip.

Erstaunlich in der Statistik ist auch, dass im vergangenen Jahr 135.000 Besucher erstmals Vogelsang besuchten, davon reiste die Hälfte allein wegen Vogelsang in die Region. Eine Besucherbefragung ergab ferner, dass 27 Prozent der Gäste aus deutschen Fernzielen (also mehr als zwei Stunden Entfernung) anreisten und 42 Prozent aus einem Radius von weniger als zwei Stunden Entfernung.

31 Prozent der Gesamtbesucher kommen aus der Städteregion Aachen sowie den Kreisen Heinsberg, Düren und Euskirchen. 42000 Besucher nahmen an den 2500 Führungen der 35 Vogelsang-Referenten teil. Darunter befanden sich auch 300 Schulklassen mit zusammen 7500 Schülern.

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