Viertes Kammerkonzert: Über Schumann und Chopin zu Claude Debussy

Von: js
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Der Pianist Maurizio Moretti war ganz in seinem Element und nahm die Zuhörer im Monschauer Aukloster mit auf eine musikalische Hochgebirgstour. Foto: Josef Schreier

Monschau. Das vierte Kammerkonzert der Reihe „Montjoie Musicale“ im Monschauer Aukloster bot den wiederum sehr zahlreichen Zuhörern diesmal gewissermaßen eine musikalische Hochgebirgstour, nicht ohne Ausblicke auf liebliche Almen. Der italienische Pianist Maurizio Moretti wählte ein Programm aus der Hochromantik.

Der Schwerpunkt lag auf den drei Altersgenossen Robert Schumann, Franz Liszt und Fréderic Chopin. Der gut gewählte Abschluss wies dann noch auf Claude Debussy. Den Anfang machte eins der schönsten und lieblichsten Klavierstücke des jungen Robert Schumann, die Arabeske op. 18. Der Organisator der Monschauer Kammerkonzerte, Florian Koltun, ordnete das Stück in seiner Moderation in die Lebenssituation des jungen Komponisten ein, wie dieser damals um die Beziehung zu seiner späteren Frau Clara schwer zu kämpfen hatte.

So wechseln sich auch in dieser Komposition melancholische Passagen mit zuversichtlichen Aufschwüngen. Es fiel schon bei diesem ersten Stück auf, dass Maurizio Moretti wohl eher einen robusten Klavierstil bevorzugt, in dem aber auch die lyrischen Passagen durchaus gut zum Zuge kamen.

Ganz in seinem Element war Moretti dann auch wirklich in den drei anspruchsvollen und herausfordernden Stücken von Franz Liszt, die der Pianist nahezu ohne Pausen dem Zuhörer gewissermaßen als ein einziges Werk darbot. Und da war es durchaus erstaunlich, dass es dem Pianisten gelang, aus den chronologisch und thematisch durchaus differierenden Werken ein geistiges Porträt des hochgebildeten und intellektuell vielfach engagierten Komponisten Franz Liszt zu formen.

Sinnsuche und Melancholie

Zwei späten, musikalisch in die Zukunft weisenden Stücken wie der Impression über die „grauen Wolken“ oder der „Trauergondel“ (zum Tode Richard Wagners geschrieben) ließ der Pianist im „Tal von Oberman“ (vom Komponisten tatsächlich mehr als 40 Jahre früher entworfen) eine Reminiszenz Liszts an einen ihn sehr prägenden Briefroman folgen, dessen Held – eben der titelgebende „Oberman“ – die Sinnsuche und die Melancholie der romantischen Zeit beschrieb.

Die Kompliziertheit dieser romantischen Seelenlage kommt in Liszts Musik gut zum Ausdruck. Und Maurizio Moretti war ein guter Vermittler dieser inneren Landschaft; man spürte die Affinität zum Komponisten sozusagen in jeder Note. Freilich war zwischendurch auch zu spüren, dass der Pianist sonst wohl gewohnt ist, auf noch robusteren Flügeln zu spielen als auf dem, der im Aukloster zur Verfügung steht.

Nach der Pause kam der dritte der drei Altersgenossen zum Zuge, nämlich Fréderic Chopin, der als Sohn eines französischen Vaters in Polen geboren wurde und dieser seiner Heimat, die er aus politischen Gründen verließ, Zeit seines Lebens auch musikalisch nachtrauerte.

Die polnische Folklore war denn auch in den Stücken dieses Nachmittags jederzeit präsent, vor allem in den Tanzformen, die Chopin diesen Stücken zugrunde legte, wie Polonaise und Mazurka. In den beiden Nocturnes, mit denen der Chopin-Zyklus begann, hörte man Maurizio Moretti nun auch einmal deutlicher von seiner lyrischen Seite; in dieser Hinsicht, waren gerade diese beiden Stücke wohl ein intimer Höhepunkt des Nachmittags.

Der Schluss des gesamten Programms, zwei Stücke aus den Préludes von Claude Debussy, griff einerseits romantische Themen und musikalische Ausdrucksweisen auf, wies aber auf der anderen Seite auch auf spätere Entwicklungen in der Musik voraus, so dass auf diese Weise ein stimmiger musikalischer Nachmittag zustande kam, der noch durch einige kostbare Zugaben komplettiert wurde.

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