Viele Sieger - ein großer Verlierer

Von: Peter Stollenwerk,Ernst Schneiders und Heiner Schepp
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Viel zu zählen gab es gestern
Viel zu zählen gab es für die Wahlhelfer wie hier in Simmerath: Die Wahlbeteiligung lag in der Eifel zwar leicht unter der von 2010, aber deutlich über dem Landesschnitt. Foto: Peter Stollenwerk

Nordeifel. Wie im Lande, so auf dem Land: Auch in der Nordeifel durften sich SPD und Piraten und selbstverständlich auch die FDP als die Gewinner der Landtagswahl 2012 feiern lassen. Der Wähler versetzte der CDU auch in den Kommunen Monschau, Simmerath und Roetgen einen Tiefschlag.

In Simmerath betrug der Zweistimmen-Verlust acht Prozent, in Monschau, wo die Union vor zwei Jahren schon 14 Prozent eingebüßt hatte, waren es nochmals rund acht Prozent und in der Gemeinde Roetgen 8,3 Prozent.

CDU-Dominenz gebrochen

Mindestens 50 Prozent der Stimmen zu holen, das war vor Jahren für die CDU in den Stimmbezirken der Gemeinde Simmerath eine Selbstverständlichkeit. Diese Zeiten sind seit der Landtagswahl 2012 nun endgültig vorbei. Bei den Zweitstimmen schaffte sie am Sonntag die Marke nur noch im Bezirk Kesternich-Oberdorf mit glatten 50 Prozent und in Dedenborn mit 50,3 Prozent.

Bei den Erststimmen sah es für die CDU und ihren Kandidaten Axel Wirtz noch etwas besser aus, wenngleich Zufriedenheit anders aussehen dürfte. Das beste Ergebnis erzielte der Kandidat, der dennoch über die Liste erneut in den Landtag einziehen wird, in Einruhr mit 56,4 Prozent. Die markanten Verluste der Christdemokraten auf Landesebene schlugen letztlich aber auch in Rurseegemeinde durch. Axel Wirtz holte innerhalb des Wahlkreises IV in Simmerath zwar sein bestes Ergebnis mit 46,1 Prozent, was gegenüber 2010 aber einen Verlust von knapp sechs Prozent bedeutet.

Bei den Zweitstimmen musste die CDU, ähnlich wie im Land, satte acht Prozent Minus hinnehmen. Gleichzeitig gewann Konkurrent Stefan Kämmerling mit knapp 30 Prozent knapp vier Prozent Stimmen hinzu. Oder anders ausgedrückt: Axel Wirtz verlor in Simmerath gegenüber der letzten Landtagswahl 424 Stimmen, Stefan Kämmerling gewann erstaunliche 328 Stimmen hinzu. Einen kleinen Ausreißer gab es im Bezirk Lammersdorf-Südwest, wo die CDU bei den Erststimmen lediglich 1,8 Prozent einbüßte, während es in Steckenborn fast 12 Prozent Verlust waren.

Immer wieder wurde bei der gestrigen Ergebnis-Präsentation im Rathaus Moderator Manfred Nellessen darum gebeten, den Stimmbezirk Hammer einzuspielen, wo die Piraten mit 16 Wählerstimmen auf stolze 25 Prozent kamen. Sowohl bei den Erst- wie auch Zweitstimmen kamen die Piraten auf jeweils über acht Prozent. Eindeutiger Wahlgewinner ist daneben aber auch in Simmerath die SPD mit knapp vier Prozent Zuwachs, während die Linken mit nur noch 1,8 Prozent und 3,3 Prozent Verlust in der Bedeutungslosigkeit versanken. Grüne und FDP blieben von extremen Schwankungen verschont. Bei den Zweitstimmen gab es nur minimale Einbußen.

Roetgen wählte überwiegend Rot-Grün. SPD-Kandidat Stefan Kämmerling verwies mit 35,18 Prozent der Erststimmen den CDU-Konkurrenten Axel Wirtz mit 32,19 Prozent auf Rang zwei. Auch bei den Zweitstimmen konnten sich die Sozialdemokraten mit 33,24 Prozent gegen die Union durchsetzen, die 25,75 Prozent erreichte, was dem desaströsen Landestrend entspricht. Bei den Erststimmen verlor Wirtz 8,27 Prozent, während Kämmerling 3,95 Prozent hinzugewann. Bei den Zweistimmen war die Ohrfeige für die CDU noch schallender: minus 10,16 Prozent. Die SPD legte um 3,67 Prozent zu.

Grüne Bastion Roetgen

Eifel-Comedian Hubert vom Venn, der in seinem Heimatort als Direktkandidat für die Freien Wähler antrat, brachte es immerhin auf 4,36 Prozent der Stimmen. Piraten-Kandidat Philipp Emmert erreichte aus dem Stand 8,15 Prozent der Erststimmen. An Zweitstimmen gab es für die Newcomer mit 7,23 Prozent etwas weniger Zustimmung. Emmert wie auch Vom Venn waren vermutlich für das Minus von 3,20 Prozent bei den Erststimmen von Grünen-Kandidat Werner Krickel verantwortlich.

Bei den Zweitstimmen bestätigten die Grünen mit einem leichten Plus von 0,42 Prozent und insgesamt 16,38 Prozent ihr Ergebnis von 2010 und lieferten damit erneut den Beweis, dass die kleinste Gemeinde in der Städteregion eine Bastion dieser Partei ist. Die Linke wurde kaum mehr wahrgenommen und verschwand mit 1,92 Prozent der Zweistimmen in der politischen Bedeutungslosigkeit. Bei der Wahlbeteiligung scheint es in Roetgen eine „feste Kundschaft” zu geben: 2010 gingen 71,06 Prozent der Wahlberechtigten an die Urne, Sonntag waren es 71,01 Prozent.

Monschau: SPD holt weiter auf

In Monschau zeigte sich auch Sonntag ein sehr ähnliche Entwicklung wie in Simmerath, nämlich dergestalt, dass die tiefschwarzen Zeiten vorbei sind. In den 17 Wahlbezirken des Stadtgebiets (ohne Briefwahl) kam die Union nur noch in vier Bezirken über die 40-Prozent-Marke, und aus CDU-Sicht ist nur noch in Widdau mit satten 64 Prozent die Welt in Ordnung - bei allerdings nur 37 Wählern insgesamt. In gleich vier Bezirken fielen die Christdemokraten hingegen hinter die SPD zurück, so in der Altstadt (Monschau 1), in Mützenich (3) und in beiden Imgenbroicher Bezirken. Im „roten Imgenbroich” lag sogar SPD-Direktkandidat Stefan Kämmerling zweimal vor seinem Kontrahenten Wirtz, der sich aber im Monschauer Gesamtergebnis auf seine Wähler verlassen konnte, erreichte er doch 43,43 Prozent gegenüber 28,96 Prozent seines Widersachers.

Bei den Zweitstimmen in der Stadt Monschau haben sich CDU und SPD weiter angenähert. Hatte das Verhältnis 2010 trotz deftiger CDU-Verluste noch 44:25 zugunsten der Union betragen, lagen Sonntag gerade mal noch 350 Wählerstimmen und gut fünfeinhalb prozent zwischen >Union (36,54 ) und Sozialdemokraten (31,14).

Hinter diesen beiden behaupteten die Grünen mit 10,73 zwar Rang drei, büßten aber immerhin knapp 130 Stimmen und zwei Prozentpunkte gegenüber 2010 ein. Die FDP zog in der Wählergunst dagegen wieder um zwei prozent an. Die Piraten erreichten auch in Monschau aus dem Stand 7,87 Prozent der Stimmen, über 500 Monschauer machten ihr Kreuzchen bei den politischen Newcomern.

Schlussendlich ist wie im Landestrend auch in Monschau die Linke so gut wie von der Bildfläche verschwunden. Mit genau 100 Stimmen kam sie auf 1,57 Prozent und vereint5e damit in etwa so viele Stimmen aufg sich wie die beiden rechtsparteien pro NRW und NPD.

Während im Monschauer Rathaus Renate Krickel für die Grünen, Brigitte Olschewski (SPD) und Kurt Victor (FDP) das Landesergebnis „freudig überrascht” zur Kenntnis nahmen, sprach Bürgermeisterin Margareta Ritter von einem „verheerenden Ergebnis für die CDU”. Allerdings, so ihre Sicht als Bürgermeisterin, seien die nun stabileren Regierungsverhältnisse in Düsseldorf auch besser für die Kommunen, weil man nun mehr Planungssicherheit habe. „Hoffentlich”, so Ritter, „hält die SPD Wort und stärkt wie angekündigt die Kommunen”.
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