Viele Kinder bangen um ihren Spielplatz

Von: Ernst Schneiders
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Kinder, Eltern und Anwohner wollen den Spielplatz am Ahornweg unbedingt erhalten. Foto: Ernst Schneiders

Roetgen. Welch ein Schlussakkord: Tumultartige Szenen sollen sich nach Augenzeugenberichten am Dienstagabend nach 23 Uhr kurz vor Ende der Ratssitzung im Roetgener Ratssaal abgespielt haben, als es hinter verschlossenen Türen um den Verkauf eines Grundstücks am Ahornweg ging, das seit vielen Jahren als Spielplatz genutzt wird.

Im Bebauungsplan Nr. 2 - Schleebachgebiet - ist dieser Bereich als öffentliche Spielplatzfläche ausgewiesen. Der letzte Versuch, daraus eine Wohnbaufläche zu machen, wurde am 1. Juli 1997 vom Gemeinderat erfolglos abgebrochen. Auf die angestrebte 5. Änderung des Bebauungsplanes kam der Deckel drauf.

Bis heute hat sich nichts geändert: Das war immer ein Spielplatz, das ist ein Spielplatz und das soll, glaubt man Anwohnern, Eltern und Kindern, immer ein Spielplatz sein. CDU und Grüne hatten im Rat, mit Unterstützung der UWG-Fraktionsvorsitzenden Silvia Bourceau, den Verkauf der Parzelle abgelehnt.

Bourceau hatte dabei andere Beweggründe als das bürgerliche Lager: Die Debatte und die Argumentation der Gemeindeverwaltung warfen mehr Fragen auf als sie beantworteten. Nach mehr als fünf Stunden Hitze, Schweiß und Hektik, nach einer langen Debatte in einem Raum mit zeitweise gefühlten mehr als 40 Grad hohen Temperaturen und lediglich lauwarmem Mineralwasser zur Abkühlung stand kaum noch jemand der Sinn nach einer „ganzheitlichen Betrachtung” des Themas.

Angekündigtes „Nachspiel”

Möglicherweise seien am Morgen danach einige Ratsmitglieder mit Fragezeichen in den Augen aufgewacht und „haben sich gewundert, was sie denn da beschlossen haben”, mutmaßte Grünen-Sprecher Gerd Pagnia. Das bereits in der Sitzung angekündigte „Nachspiel” organisierten Ingrid Karst-Feilen von den Grünen und Peter Schneider von der CDU. Jede Menge Kinder, Eltern, Anwohner und Politiker wurden zusammengetrommelt. Da wurde ein Transparent hochgehalten und Unterschriftenlisten machten die Runde (sie sollen in den Roetgener Apotheken ausgelegt werden). Das Ziel der Aktion hatten Kinder bereits mit bunter Kreide und in großen Lettern auf den Asphalt des Wendehammers geschrieben: „Das ist unser Spielplatz”.

CDU und Grüne fürchten um die Zukunft des lauschigen Fleckchens, denn wenn die Ratsmehrheit A gesagt habe, dann werde sie auch B sagen und einer Änderung des Bebauungsplanes zustimmen. Genau das gelte es zu verhindern, so CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Seidel.

Derlei Befürchtungen plagen Bürgermeister Manfred Eis nicht. Da es sich bei der Parzelle nicht um eine Wohnbaufläche handele, müsse zunächst der Bebauungsplan geändert werden. Eis: „Zu dieser politischen Initiative erkenne ich aber zur Zeit im Rat keine Bereitschaft. Ich bezweifle sehr, ob eine Änderung politisch gewollt ist.”

Angesichts der Sachlage sei es deshalb fraglich, ob der potenzielle Käufer, der auf einem angrenzenden Grundstück ein Haus bauen möchte und den jetzigen Spielplatz als Zugang zu diesem Grundstück benötigt, überhaupt noch Interesse am Kauf habe.

Die Verwaltung sei zunächst davon ausgegangen, dass der Bebauungsplan bereits 1997 geändert worden sei und sei erst „sehr spät” zu der Erkenntnis über den tatsächlichen Sachstand gelangt. Von einer „Panne im Rathaus” wollte der Bürgermeister nicht sprechen, räumte aber ein, dass er bei früherer Kenntnis der Fakten „die Vorlage möglicherweise zurückgezogen” hätte.

Dazu wäre in der Sitzung noch Zeit genug gewesen, lässt Silvia Bourceau den Verwaltungschef nicht ungeschoren davonkommen. Die UWG habe das Grundstück verkaufen wollen, weil es im Flächennutzungsplan als Grünfläche ausgewiesen sei und nicht als Spielplatzfläche. Mit dem Verkaufserlös habe man ein großes Spielterrain gleich nebenan aufpeppen wollen: mit einem abgetrennten vernünftigen Bolzplatz und einer großen Spielfläche mit Geräten und Schatten spendenden Bäumen für die kleineren Kinder. „Was ist daran verwerflich, das zu tun?”

Als „ziemliche Frechheit” bezeichnete es die UWG-Fraktionschefin deshalb, dass keine 24 Stunden nach diesem „dubiosen Ratsbeschluss” im Ort erzählt worden sei, „die UWG verkauft Kinderspielplätze”.
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