Aachen - Viel zu oft ist das Frauenhaus letzter Ausweg

Viel zu oft ist das Frauenhaus letzter Ausweg

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Statistik formt aus vielen Einzelschicksalen nur eine Zahl. Im Durchschnitt benötige eine Frau sechs Anläufe, um sich von ihrem gewalttätigen Mann zu trennen, sagt Renate Wallraff.

„Es braucht einfach Zeit, um das zu durchbrechen”, weiß die Leiterin der Fachstelle gegen häusliche Gewalt im Kreis Aachen. Und es braucht Unterstützung.

Dafür stellen die Frauenhäuser in Stadt und Kreis Aachen nach wie vor die richtige Anlaufstelle dar. Auch wenn nach der Einführung des Gewaltschutzgesetzes vor rund acht Jahren darüber diskutiert wurde, ob Frauenhäuser überhaupt noch nötig seien.

Das Gesetz ermöglicht das Verweisen eines gewalttätigen Partners aus der gemeinsamem Wohnung. Auch hier liefert die Statistik Aufschluss. Die Belegungszahlen für das Frauenhaus des Kreises Aachen, seien seit seinem Bestehen nur in einem Jahr höher gewesen, sagte Wallraff bei der Vorstellung des Berichts für das Jahr 2008.

Zahlen belegen Bedarf

93 Frauen und 95 Kinder wurden dort im vergangenen Jahr aufgenommen. Im Frauenhaus der Stadt Aachen waren es im gleichen Zeitraum 146 Frauen und ebenso viele Kinder. Dort ist im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Rückgang der Belegungstage zu beobachten.

Für Wallraff sind die Zahlen Ausdruck dafür, dass die Frauenhäuser nach wie vor benötigt werden. „Die Frauen brauchen eine Wahlmöglichkeit”, meint sie. Nicht jede wolle in der eigenen Wohnung bleiben, auch wenn der Mann aus dieser verwiesen wurde. Zudem hat Wallraff beobachtet, dass die Frauen, die zu ihr kommen, immer belasteter seien: „Dann wollen sie am liebsten alle Probleme an uns abgeben und das wir für sie entscheiden.” Das sei aber nicht der Ansatz der Frauenhäuser. Es ginge vielmehr darum, den Hilfesuchenden den Einstieg in ein selbst bestimmtes Leben zu ermöglichen.

Schwierig würde dies allerdings, wenn „die Bedrohungssituation noch nicht abgeschlossen ist”, wie Hülya Gökgöz-Corsten, Mitarbeiterin der Fachstelle gegen häusliche Gewalt in der Stadt Aachen, es formuliert. Manchmal tauchen die Männer vor den Frauenhäusern auf, um den Konflikt fortzusetzen. Die Einrichtungen arbeiten zwar eng mit der Polizei zusammen, die Platzverweise erteilen kann, und notfalls kommt auch einer Verlegung in ein anderes Frauenhaus in Frage.

Eine langfristige Lösung stelle dies aber nicht dar, sagt Wallraf: „Es ist nicht sinnig, ständig zu fliehen.” Wichtig sei es, einen Dialog zu ermöglichen, um herauszufinden, was der Mann will, damit er die Frau in Ruhe lässt. Um den zu ermöglichen verweisen die Frauenhäuser an Einrichtungen der Lebens- und Eheberatung.

Erschreckend findet Gökgöz-Corsten die Armut von Kindern, die bei der alltäglichen Arbeit im Frauenhaus offensichtlich wird. Dafür reiche ein Blick auf die Schuhe und Schultaschen der Kinder. Auch hier möchten die Frauenhäuser Unterstützung leisten, indem sie beispielsweise den Jahresbeitrag für einen Sportverein übernehmen. „Wir möchten den Kindern ein Stück Würde mitgeben”, sagt Gökgöz-Corsten. Um das zu finanzieren, sei man auf Spenden angewiesen.

Mehr als im Vorjahr

Überflüssig werden die Frauenhäuser in naher Zukunft wohl nicht werden. 70 Frauen und 73 Kinder wurden in der Aachener Einrichtung in diesem Jahr bereits aufgenommen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es sechs Frauen und zehn Kinder weniger. Das besagt jedenfalls die Statistik.
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