Viel Phosphat im Kessel: „Mich traf der Schlag”

Von: Ernst Schneiders
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Uber die Rückstände in seinem Wasserbehälter ist Hans Krauth aus Roetgen nicht sonderlich erfreut. Foto: Ernst Schneiders

Roetgen. Hans Krauth hat seinen Augen nicht getraut. Im Keller seines Hauses an der Keusgasse wollte der 69-Jährige im Wasserbehälter die Opferanoden auswechseln, Verschleißteile, die sich abnutzen und sich somit „opfern”.

Daher der Name. Das war zuvor nie mit großem Aufwand verbunden - bis jetzt. Denn die Anoden ließen sich nicht bewegen, wie festgebacken. Also krempelte Hans Krauth die Ärmel hoch und löste die drei großen Flanschscheiben am Kessel, groß genug, um in das Innere zu blicken. „Mich traf der Schlag, als ich die Rückstände sah, die sich dort über die Jahre hinweg angesammelt hatten”, berichtete er kopfschüttelnd.

Die Opferanoden und die beiden großen Heizspiralen waren völlig zugesetzt und überzogen mit einer Patina. Weitere Rückstände gab es an den Innenwänden des Kessel, alles zusammen etwa vier Kilogramm schwer. Den etwa 20 Jahre alten Kessel will er nicht weiter benutzen. Ein neuer steht schon parat. Kostenpunkt: rund 500 Euro.

Krauth vermutet, dass es sich bei den Ablagerungen um Phosphatabflockungen handelt. Wie andere Wasserversorger setzt nämlich auch der Perlenbachverband, der in Roetgen Trinkwasser liefert, dem wertvollen Nass Phosphat zu, zum Schutz der Rohleitungen vor Korrosion und in für Menschen ungefährlichen Dosen, wie stets versichert wird.

Die Dosierung ist es denn auch, die Hans Krauth beschäftigt. Bei einer neuen Leitung sei es nachvollziehbar, dass der Perlenbachverband viel Phosphat zugebe, so Krauth. Wenn sich aber der Schutzmantel in der Leitung gebildet habe, müsse es doch möglich sein, die Phosphatgabe deutlich zu reduzieren. Mit seinem Vorschlag sei er allerdings beim Perlenbachverband auf taube Ohren getroffen.

„Erhaltungsdosis”

Das kann sich Derk Buchsteiner, Technischer Betriebsleiter der Perlenbachverbandes, nicht vorstellen, denn der Vorschlag des Roetgener Kunden sei genau das, was der Perlenbachverband seit weit über 20 Jahren praktiziere. Es sei in der Tat so, dass die Dosen anfangs höher gewesen seien. Mittlerweile, so Buchsteiner, sei man bei der „Erhaltungsdosis” angelangt. Weil sich die Schutzschicht in den Leitungen jedoch immer wieder einmal ablöse, müsse nachdosiert werden.

Immer mal wieder, berichtete Derk Buchsteiner, gebe es auch bei Verbrauchern Probleme mit den Opferanoden, die in den „Chemismen” begründet seien. „Vielleicht wäre es in diesen Fällen sinnvoll, die Wartungsintervalle zu verkürzen. Weniger als 200 Milligramm Phosphat auf einen Liter Trinkwasser gehe gar nicht, so Buchsteiner. Doch trotz der Phosphat- und möglicherweise auch Kalkablagerungen können das Wasser weiterhin bedenkenlos getrunken werden. Buchsteiner: „Dafür verbürge ich mich!”

Darüber hinaus lehnte der Betriebsleiter jegliche Verantwortung ab. Der Perlenbachverband sei verpflichtet, Trinkwasser in entsprechender Qualität an den üblichen Entnahmestellen zur Verfügung zu stellen. Was die Verbraucher ab Entnahmestelle damit anstellten, sei deren Sache. Buchsteiner. „Wenn jemand Trinkwasser in ein Aquarium füllt und es nach einer Weile trinkt, kann er uns nicht vorwerfen, dass die Wasserqualität nicht mehr stimmt.”

Das wird Hans Krauth vermutlich nicht wirklich trösten. Er geht vielmehr davon aus, dass sein Fall kein Einzelfall ist. Aber in vielen Fällen seien die Öffnungen in den Kesseln zu klein, um hinein zu schauen, „obwohl es in denen wahrscheinlich nicht viel anders aussehen wird, als in meinem Kessel”.
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