Viel mehr Wildunfälle als der Polizei bekannt

Von: Jutta Geese
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Wildunfälle: In der Städteregion kamen im vergangenen Jahr 345 Tiere im Straßenverkehr ums Leben. Foto: imago

Aachen. 345 Wildunfälle hat die Untere Jagdbehörde im vergangenen Jagdjahr, also zwischen dem 1. April 2009 und dem 31. März 2010, in der Städteregion registriert. „So viele?”, zeigte sich Polizeisprecher Paul Kemen auf Nachfrage verblüfft. Denn der Polizei werden im Schnitt jährlich nur 60 bis 80 gemeldet.

Und die meisten Unfälle verlaufen glimpflich - jedenfalls für die beteiligten Zweibeiner. So hat es in diesem Jahr laut Kemen keine Verletzten gegeben, in den vergangenen Jahren nur einige wenige Leichtverletzte.

Dass die Zahlen der Jagdbehörde deutlich höher als die der Polizei sind, hat mehrere Ursachen. So vermutet Kemen, dass bei Wildunfällen „oft auch Alkohol eine Rolle spielt” und der Unfall deshalb nicht gemeldet wird. Denkbar ist auch, dass Fälle nicht gemeldet werden, wenn am Fahrzeug keine oder nur geringe Schäden entstanden sind.

Der Unteren Jagdbehörde aber werden alle durch Unfälle getöteten Tiere gemeldet, die von den Jagdpächtern in der Städteregion - 200 sind das, davon 40 in der Stadt Aachen, bei insgesamt 1200 Mitgliedern der Kreisjägerschaft in der Städteregion - beseitigt werden. Und das waren im vergangenen Jahr eben nach Auskunft des zuständigen Dezernenten der Städteregion, Uwe Zink, 345: In 152 Fällen betraf es Rehwild, es folgten Feldhasen (66), Füchse (58), Wildkaninchen (35), Dachse (30), Rotwild und Wildschweine (jeweils 2).

Haben die Jäger die Unfalltiere bislang auf freiwilliger Basis von den Straßen geholt, haben sie sich jetzt dazu verpflichtet - quasi als eine Gegenleistung dafür, dass die Jagdsteuer stufenweise abgeschafft wird, bis sie ab 2013 ganz wegfällt. Am Montag unterzeichneten Städteregionsrat Helmut Etschenberg und Günther Plum, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Aachen-Stadt und -Land, eine entsprechende Vereinbarung.

Beschlossen hatte die Abschaffung der Jagdsteuer die frühere schwarz-gelbe Landesregierung, und die Jäger hoffen, dass die jetzige rot-grüne dabei bleibt. Die Steuer sei nämlich längst nicht mehr zeitgemäß, sei ursprünglich als Steuer auf den Erlös von Wildfleisch eingeführt worden. Doch bei einem Kilopreis etwa von einem bis 1,50 Euro für Wildschwein könne von Gewinn keine Rede sein, sagt Stephan Speitkamp von der Kreisjägerschaft. Im Gegenteil: „Heute kostet Jagd viel Geld, die Revierpacht beispielsweise liegt weit im fünfstelligen Bereich.” Zudem müssten Jagdpächter für Wildschäden aufkommen, bei einem zerstörten Getreidefeld etwa würden acht bis zehn Cent je Quadratmeter fällig.

Plum bringt einen weiteren Aspekt ein: Jäger seien auch engagierte Naturschützer. Und das ist es, was Etschenberg den Verzicht auf die Einnahmen aus der Jagdsteuer - knapp 200.000 Euro waren es 2008 und im laufenden Jahr sind es immerhin noch 143.000 Euro - leichter fallen lässt: Die Kreisjägerschaft unterzeichnete eine weitere Vereinbarung, in der sie sich verpflichtet, dieses Engagement in Abstimmung mit der Städteregion auszubauen.

345 Wild-Unfälle in der Städteregion im Jagdjahr 2009/2010

Im Jagdjahr 2009/2010, also zwischen dem 1. April 2009 bis zum 31. März 2010, wurden in der Städteregion insgesamt 345 Verkehrsunfälle registriert, an denen Wildtiere beteiligt waren.

Rehwild war mit 152 Fällen am häufigsten betroffen. Mit 66 Fällen folgten die Feldhasen. Außerdem gab es 58 Unfälle mit Füchsen, 35 mit Wildkaninchen, 30 mit Dachsen und je zwei mit Rotwild und Wildschweinen.

Bei einem Wildunfall muss in jedem Fall die Polizei informiert werden, sagt Günther Plum, Vorsitzender der Jägerschaft in der Städteregion. Dies allein schon aus versiucherungstechnischen Gründen. Keinesfalls dürfe man beispielsweise getötetes Rehwild mitnehmen. Für die Bergung sei der jeweilige Jagdpächter zuständig, der von der Polizei verständigt werde.

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