Verliebt auf Schmugglerpfaden und seit 65 Jahren verheiratet

Von: ale
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Sie blicken dankbar und froh auf 65 gemeinsame Jahre zurück – die Eheleute Walter und Leni Jung aus Schmidt. Foto: Anneliese Lauscher

Schmidt. Seit 65 Jahren sind Walter und Leni Jung verheiratet. Sie blicken gemeinsam auf schwere und schöne Jahre zurück. Im Schmidter Ortsteil Harscheidt befindet sich das Haus der Jungs, von ihrem Balkon blicken sie ins Kalltal und hinüber auf die Höhen von Hürtgenwald.

Walter Jung, Jahrgang 1929, und Leni, Jahrgang 1930, geborene Breuer, haben sich während der Schmuggelzeit verliebt. Da sind sich der Steckenborner und die Harscheidterin öfter bei ihrer inoffiziellen Tätigkeit begegnet. „Ich bin in zwei Jahren nur einmal erwischt worden“, erzählt Walter Jung schmunzelnd, „da musste ich den Sack Kaffee den Zöllnern aushändigen, aber sie ließen mich laufen“.

Die Zeit der Evakuierung hatten sie unterschiedlich erlebt: Walter Jung überstand die letzten Kriegsmonate in Engelgau, während Leni Breuer bis nach Tabarz bei Gotha in Thüringen transportiert wurde. Der schwierige Neuanfang in ihren Heimatorten ist ihnen noch in lebhafter Erinnerung.

Jawort am 26. Juli 1952

Am 26. Juli 1952 gaben sie sich auf dem Standesamt das Jawort, ein Jahr später fand die kirchliche Trauung statt. Dann durften sie auch zusammenwohnen, und zwar in Harscheidt im Elternhaus der Braut, zusammen mit deren Eltern.

Sie erzählen lebendig von den ersten Ehejahren, die geprägt waren von viel Arbeit. Leni Jung erinnert sich gut daran, dass manchmal Kartoffeln gestohlen wurden: „Wir kamen aufs Feld, und dann waren viele Kartoffeln weg. Ja, die Leute hatten Hunger!“ Der junge Ehemann Walter hatte das Schmiedehandwerk erlernt, aber es wurde kein Schmied gebraucht. Auf der Suche nach Arbeit nahm er verschiedene Beschäftigungen an. Er arbeitete im Bleibergwerk in Gey (heute Hürtgenwald), er verkaufte Weihnachtsbäume, dann schaffte er bei der Baufirma Iven in Düren. Er erinnert sich, dass diese Firma am Bau der Dürener Annakirche und der Drover Pfarrkirche beteiligt war.

Drei Töchter bekam das Paar, und im Jahre 1972 wurde ans Elternhaus angebaut. Stets führte Leni Jung den großen Haushalt, in dem auch ihre Eltern lebten. Aber es blieb auch Zeit für Gymnastik im TuS, für Wandern im Eifelverein und für den Kegelclub. Walter Jung war Mitbegründer des Steckenborner Musikvereins Melano, und in Harscheidt gründete er mit Gleichgesinnten die „Zylindermänn“, um zünftig Harscheidter Kirmes zu feiern.

Schöne Reisen führten das Paar nach Griechenland, in die Türkei, nach Spanien und in die österreichischen Berge.

„Es war immer schön“

Auf ihre lange Ehe zurückblickend, meint Walter Jung: „Es war für mich immer schön!“ Und seine Frau pflichtet ihm bei: „Ja, wir haben uns immer gut verstanden.“ Weitestgehend versorgen sich die Beiden selbst in ihrer Wohnung. Die Geranien in allen Farben am Balkon gedeihen dank Walters grünem Daumen prächtig. Mehrmals in der Woche fährt er mit seiner Frau los zu einem Wanderparkplatz, dann spazieren sie durch Wald und Wiesen. Langeweile kommt nicht auf. Das Fest der Eisernen Hochzeit haben sie im Familienkreis mit ihren Töchtern, vier Enkeln und sechs Urenkeln gefeiert.

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