„Verkehrsweiß” fürs Rote Haus

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
Schöne Aussichten für Monsch
Schöne Aussichten für Monschaus bekannteste Immobilie: Die Fenster des Roten Hauses werden umfassend saniert, das Scheibler-Museum mehr denn je zuvor der Öffentlichkeit zugänglich Foto: Heiner Schepp

Monschau. Das traumhafte Herbstwetter beschert den Anstreichern des Steckenborner Malerbetriebs Stiel derzeit beste Bedingungen für eine filigrane Außenarbeit. Ihr Auftrag: 120 Fenster des Roten Hauses in Monschau werden seit einigen Wochen und wohl noch bis weit ins kommende Jahr hinein in feinster Handarbeit und mit großer Sorgfalt neu gestrichen.

„Verkehrsweiß” heißt der Farbton, mit dem die Maler die großen Schiebefenster auf beiden Seiten des Monschauer Wahrzeichens versehen. Der neue Anstrich für die Fensterfronten ist Hauptbestandteil einer derzeit laufenden Sanierung des Tuchmacherhauses, für die der Landschaftsverband Rheinland (LVR) mit seiner Stiftung „Scheibler-Museum” nahezu 500.000 Euro in die Hand nimmt.

„Es wurde mal wieder Zeit für einen neuen Anstrich”, meinte Detlef Althoff, Leiter des LVR-Fachbereichs Gebäude- und Liegenschaftsmanagement mit Blick auf die letzte frische Fensterfarbe vor 23 Jahren. Wurde seinerzeit aber nur mehr oder minder oberflächlich neue Farbe aufgebracht, so darf man dieses Mal von einer echten Fenstersanierung sprechen. „Jedes Schiebefenster wird ausgebaut, vom Schreiner ertüchtigt und dann im freien Pinselstrich mit neuer weißer Farbe versehen”, erläutert Althoff.

Bei den Oberlichtern werden diese Arbeitsschritte ohne Ausbau vom Gerüst aus gemacht. Zur Ertüchtigung gehören auch der Austausch beschädigter Verglasung, die Erneuerung des Fensterkitts und das Überholen der Gegengewichte, die das Hochschieben der Fenster ermöglichen.

„All das erfolgt in enger Abstimmung zwischen Denkmal- und Baubehörde in unserem Haus”, versichert Dr. Walter Hauser, Direktor des LVR-Industriemuseums in Euskirchen, das im Rahmen des „Netzwerks kulturelles Erbe im Rheinland” künftig noch enger mit dem Roten Haus zusammenarbeiten werde.

Die äußere Veränderung des Roten Hauses, die „etwa im Sommer 2012 ihren Abschluss finden wird” (Dr. Hauser) ist das eine - die Neukonzipierung der Dauerausstellung im Roten Haus das andere, wie der LVR-Direktor erläuterte. „Wir möchten den Besuchern dieses Museums die ganze Geschichte erzählen”, schaute Dr. Walter Hauser bereits auf das nächste große Projekt im und am Scheibler-Museum. Dabei bleibe die eine Hälfte des Hauses, der Wohnbereich in historischer Anmutung unverändert, wie der Leiter des Industriemuseums erläuterte.

Das Rote Haus war aber nicht nur Wohnung und Kontor, sondern auch Produktionsstätte. Im Keller des gewaltigen Tuchmacherhauses über der Rur wurden Tuche gewaschen und gefärbt, „und diese Arbeitsgänge möchten wir interessierten Besuchern künftig in einem Rundgang erzählen”, so Dr. Hauser.

Bereits 2012 sind 60.000 Euro für die Erstellung eines Konzepts beim LVR veranschlagt, insgesamt 350.000 Euro wird der Landschaftsverband für bauliche Maßnahmen investieren. „Das ist in Zeiten maroder öffentlicher Kassen doch eine gute Nachricht”, frohlockte der LVR-Direktor.

Zunächst aber stehen die Fenster-Fassaden auf der Rur- und auf der Stadtseite im Mittelpunkt des Interesses, „eine Etage pro Woche und fünf bis sechs Wochen je Gebäudeseite” hat man dafür nach Angaben des bauleitenden LVR-Architekten Klaus Eiler vorgesehen. Gearbeitet wird von oben nach unten, „weil schon bei der Vorbereitung und Reinigung jedes einzelnen Fensters einiges an Dreck herunterfällt”, erläutert der Experte.

Am Ende steht ein dreifach aufgetragener, weißer Anstrich, der wohl weniger Diskussionsstoff bietet als das „Rot” beim letzten Fassadenanstrich. Das „Verkehrsweiß”, so die Denkmal-Experten, kommt jedenfalls der Farbe sehr nahe, mit der 1752 beim Erbauen des Hauses die Fenster angestrichen wurden.

Das Museum „Rotes Haus” an der Laufenstraße 10 in Monschau ist noch bis 30. November geöffnet. Einlass ist von Dienstag bis Sonntag jeweils vormittags 10 und 11 Uhr, nachmittags um 14, 15 und 16 Uhr.

Die Eintrittspreise betragen für Erwachsene 3 Euro und für Studierende, Auszubildende und Menschen mit Behinderung 2 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist der Eintritt frei.

Das Rote Haus wird in das „Netzwerk Kulturelles Erbe” des LVR aufgenommen. Damit unterstützt der Verband die Zusammenarbeit zwischen den von ihm getragenen und unterstützten Kultureinrichtungen im Rheinland. Das LVR-Industriemuseum, das mit der Tuchfabrik Müller in Euskirchen ein weiteres herausragendes Zeugnis der Tuchindustrie betreibt, wird im Rahmen dieser Kooperation die Entwicklung der neuen Dauerausstellung fachlich begleiten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert