Verkehrslärm an der Bergstraße: Grenze der Belastbarkeit erreicht

Von: Peter Stollenwerk
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Edmund Arandt ist es gewohnt,
Edmund Arandt ist es gewohnt, dass vor seinem Haus an der Bergstraße in Lammersdorf der Verkehr vorbeirollt, doch inzwischen sieht er die Grenze des Zumutbaren erreicht. Foto: P. Stollenwerk

Lammersdorf. Edmund Arandt wohnt ziemlich nahe an der Straße. Wenn er seinen Innenhof verlässt, steht er gleich auf dem Bürgersteig. Von seinem Fernseher im Wohnzimmer bis zur Fahrbahn sind es vielleicht vier Meter.

Als der 56-Jährige vor gut anderthalb Jahren mit seiner Ehefrau Gisela von Aachen-Brand in die Eifel nach Lammersdorf zog, war ihm durchaus bewusst, dass er in einen vom Verkehr stark frequentierten Ort zieht. Doch als das Ehepaar das neue Objekt in der Bergstraße vor dem Kauf besichtigte, war der Verkehrslärm nicht so intensiv an ihre Ohren gedrungen.

„Bei unseren Besichtigungsterminen haben wir den Lärm überhaupt nicht so stark wahrgenommen. Wir haben uns häufiger in der etwas weiter entfernt liegenden Küche aufgehalten, oder es herrschte zu dieser Zeit immer Flaute auf der Straße”, erzählt Edmund Arandt. Inzwischen aber ist der anhaltende Verkehrslärm vor seiner Haustür zum Dauerproblem und zum Dauer-Ärgernis geworden.

Wenn man bei Familie Arandt im Wohnzimmer Platz nimmt, hört man in der Tat im Hintergrund das Dauergeräusch der vorbeirauschenden Verkehrs. „So schlimm ist das doch nicht”, denkt der Besucher, ohne zu registrieren, dass rundum die mit Dreifach-Verglasung ausgestatteten Fenster fest verschlossen sind. Dann öffnet Gisela Arandt eines der im vorigen Jahr ausgewechselten Schallschutz- Fenster auf Kippstellung und plötzlich hat man das Gefühl an einem Autobahn-Rastplatz zu sitzen. Auf der steilen Bergstraße drehen die Motorräder auf, mächtige Traktoren donnern vorbei, einige Pkw scheinen etwas schnell zu sein.

„Wenn wir abends vor dem Fernseher sitzen und im Sommer ein Fenster öffnen möchten, müssen wir den Ton deutlich lauter stellen, um noch etwas zu verstehen,” beschreibt Edmund Arandt den Alltag. „Das geht hier am Wochenende bei schönem Wetter von acht bis 22 Uhr so, Stoßstange an Stoßstange.”

Intensiv verfolgt hat man die Diskussion um die (inzwischen gescheiterte) Umgehungsstraße in Kesternich. „Bei uns in der Bergstraße ist der Lärm schlimmer”, behauptet der in Konstanz am Bodensee geborene Wahl-Eifeler.

Sein Anliegen trug er im vorigen Jahr auch der Städteregion Aachen vor, die daraufhin eine Langzeitmessung an der Bergstraße vornahm. Demnach seien in einer Woche 70.000 Fahrzeuge gezählt worden, also 10.000 am Tag. „Leider”, bedauert Arandt, seien nur 13,8 Prozent der erfassten Fahrzeuge schneller als 60 Stundenkilometer gefahren. Es hätten aber mindestens 15 Prozent sein müssen, ehe Straßenverkehrsamt und Polizei Handlungsbedarf sehen würden. Dann kommt auch noch hinzu, dass die Bergstraße in der Statistik nicht als Unfallhäufungspunkt auftaucht.

Vor gut einem Monat wandte sich Arandt, der als Werkstattleiter beim Stadtbetrieb Aachen beschäftigt ist, dann an die Verwaltung seiner Heimatgemeinde. Immerhin wurde das Thema umgehend auf die Tagesordnung der nächsten Verkehrsbesprechung gesetzt. Doch nach dem Ortstermin konnte ihm das Ordnungsamt auch keine Lösung anbieten, bis auf das Versprechen, dass die Gemeinde sich weiterhin bemühen wolle, „realisierbare Verbesserungen” voranzubringen.

Bei der Verkehrsbesprechung, hieß es weiter, seien keine Sofortmaßnahmen erkannt worden, „die zu einer Verbesserung der Situation führen würden”. Immerhin aber: „Die Bergstraße ist im Lärmkataster des Landes NRW vermerkt und es wurde der Bedarf für lärmmindernde Maßnahme erkannt.” Langfristig also, so das Ordnungsamt abschließend, werde man sich um eine Verbesserung bemühen müssen.

Für Edmund Arandt ist damit das Problem natürlich nicht aus Welt. Die Forderung nach einer Umgehungsstraße für Lammersdorf möchte er nicht erheben, wohl aber würde er sich eine regelmäßige Geschwindigkeitsüberwachung wünschen. Für eine mobile Kamera stelle er gerne seinen Hof zur Verfügung. „Da würde einiges zusammenkommen.” Noch einmal verstärkt habe sich das Verkehrsaufkommen, seitdem die frühere K 20 zur B 266 hochgestuft worden sei und eine der Großteil der Verkehrs Richtung Rursee und Nationalpark nun über Lammersdorf, Rollesbroich und Strauch geführt werde.

Arandt weiß auch, „dass überall dort, wo es Durchfahrtsstraße in den Orten gibt, die Problematik gleich ist.” Die Lösung sieht er in der Ausweisung von Tempo 30-Zonen „im gesamten Gemeindegebiet.” Eine Lärmbelästigung von durchweg 95 Dezibel hält Arandt für deutlich zu hoch. „Wir wollen keinen Aufstand machen, sondern nur einigermaßen lebenswerte Bedingungen.” Vor Jahren schon gab es einmal eine Unterschriftenaktion der Anwohner, doch auch diese Initiative blieb ohne Wirkung.
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