Verkehrserzieher Udo Scholten geht in Rente

Von: Heiner Schepp
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Udo Scholten, wie ihn Generationen von Kindern in der Nordeifel kennengelernt haben – als engagierter Verkehrserzieher. Nun geht der 62-Jährige in den Ruhestand. Foto: Heiner Schepp
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Udo Scholten mit seiner Nachfolgerin Nicole Ramjoué aus Roetgen, die künftig für die Verkehrserziehung der Kinder im Südkreis verantwortlich ist. Foto: Heiner Schepp

Nordeifel. Eigentlich kann Udo Scholten so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Vor kurzem hat der Stolberger seinen 62. Geburtstag gefeiert und kommt als dreifacher Vater und dreifacher Opa meist ruhig und gelassen daher. Nur wenn die Sprache auf die vermeintlich kleinen Verkehrssünden im Alltag kommt, kennt Udo Scholten keine Verwandten.

„Wenn Eltern ihre Kinder im Auto nicht anschnallen, wenn Leute am Steuer telefonieren oder am Zebrastreifen nicht anhalten, dann krieg‘ ich so eine Krawatte“, ereifert sich der Polizeihauptkommissar. Nach 18 Jahren als Verkehrssicherheitsberater für Monschau, Roetgen und Simmerath ist am 30. November Schluss für Udo Scholten, dann tritt der 62-Jährige seinen Ruhestand an und möchte sich mehr Zeit für Familie und Hobbys nehmen.

„Ich bin in der Eifel schon ein ziemlich bunter Hund“, weiß der 62-Jährige, dass zumindest im Grundschulalter so manches Kind nicht weiß, wer Angela Merkel ist, den „Herrn Scholten“ aber sehr wohl kennt. Kein Wunder: 18 Jahre lang hat der Eifeler Verkehrssicherheitsberater knapp zwei Generationen, 18 Schuljahre und geschätzte 6300 Kinder mit dem richtigen Verhalten im Straßenverkehr vertraut gemacht.

Den allermeisten jungen Menschen ist er dabei mehrfach begegnet: Zuerst beim Bordsteintraining im Vorschulalter, dann bei der Radfahrprüfung im älteren Grundschulalter und dann noch einmal beim Schulbustraining, wenn die Kinder an der weiterführenden Schule angekommen sind.

„Früher gehörten auch noch die Schulwegbegehung mit den Erstklässlern und die vorbereitende Radfahrausbildung im Schutzraum zu den Aufgaben des Verkehrssicherheitsberaters, aber diese Aufgaben obliegen jetzt den Bezirksbeamten“, erläutert Scholten. Dafür werden seit zwölf Jahren in den Berufskollegs die jungen Autofahrer noch einmal in Theorie und Praxis durch den Verkehrssicherheitsberater (VSB) betreut.

Zeitweise gehörte Udo Scholten auch zu den VSB-Teams, die Unfallopfer betreuen und beraten und die Zehntklässlern im sogenannten „Crashkurs“ zeigen, welch schreckliche Folgen ein Fehlverhalten im Verkehr haben kann. „Da habe ich mich irgendwann rausgetan, weil ich gespürt habe, dass mir das zu sehr an die Substanz ging“, berichtet Udo Scholten offen.

Die Arbeit mit den Kindern aber habe ihm immer großen Spaß gemacht, bekennt Scholten, der im März 1998 die Nachfolge von Hans-Jürgen Nießen antrat. Zuvor war der gebürtige Oberhausener 14 Jahre in der Verkehrsüberwachung tätig gewesen, hatte Rotsünder, Raser und Gurtmuffel gejagt und sich dann für die Stelle im Südkreis beworben. Da ein Verkehrssicherheitsberater immer für 50 000 Einwohner zuständig ist, gehörten neben dem Bereich Monschau, Roetgen und Simmerath auch Walheim oder Eilendorf zeitweise zu Udo Scholtens Gebiet.

Diesen Bereich übernimmt nun Polizeioberkommissarin Nicole Ramjoué aus Roetgen, die schon ihre ersten Unterrichtsstunden an Schulen in der Nordeifel hinter sich hat. „Ich habe quasi darauf gewartet, dass Udo endlich in Rente geht“, sagt die 41-Jährige lachend und spricht von einer „Wunschstelle“, für die sie sich seinerzeit beworben habe.

Das Aufgabenfeld der „Neuen“, die selbst drei Kinder im Alter von drei, sieben und 16 Jahren hat, deckt sich mit dem von Udo Scholten und ist für Nicole Ramjoué kein Neuland: Zehn Jahre lang war die Roetgenerin in Stolberg Verkehrssicherheitsberaterin, zuletzt anderthalb Jahre in Alsdorf. Auch die 41-Jährige ist führend im Opferschutz tätig und bereitet die schon erwähnten Crashkurse für ältere Jugendliche mit vor.

Die Wichtigkeit ihrer Arbeit ist beiden Beamten sehr wohl bewusst, ebenso die Vorbildfunktion. „Man muss schon darauf achten, wie man über die Straße geht – auch wenn man keine Uniform anhat“, sagt Udo Scholten, der gerne Motorrad fährt, „aber nicht am Wochenende in der Eifel“.

Im Ruhestand wird sein Augenmerk verkehrstechnisch auch seinen Töchtern gelten, die mittlerweile selbst Autofahrerinnen sind und wo die Sache mit der Verkehrserziehung offenbar nicht so gut geklappt hat wie bei Tausenden Kindern während seiner Dienstzeit, wie Udo Scholten augenzwinkernd anmerkt: „Die Älteste hat leider meinen Fahrstil übernommen. Wenn die mit Papas Auto unterwegs war, bekomme ich dann häufiger schöne Bildchen zugeschickt, die ziemlich teuer sind...“

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