Verein will Flüchtlingsunterkunft bauen

Von: Andreas Gabbert
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Am Anfang einer Sackgasse an der Pilgerbornstraße soll das neue Wohnheim für Flüchtlinge entstehen: Den Bau will ein jetzt gemeinnütziger Verein übernehmen. Foto: Archiv/A. Gabbert

Roetgen. Das geplante neue Flüchtlingswohnheim an der Pilgerbornstraße in Roetgen soll nun durch einen gemeinnützigen Verein gebaut werden. Der Verein mit dem Namen „Roetgen hilft Menschen in Not e.V.“ wurde in der vergangenen Woche im Rahmen einer nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderates gegründet.

Der Verein habe sich „aus der Mitte der Bürgerschaft“ gegründet, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung des Vereins und der Gemeinde Roetgen. Im Vorstand seien der Flüchtlingsrat und Gemeinderatsmitglieder aus fast allen Fraktionen vertreten. Der Verein verfolge das Ziel, das Wohnhaus selbst zu bauen und zu betreiben. Vorsitzender des Vereins ist Bernhard Müller, der im Gemeinderat die Grünen vertritt.

Das Wohnheim soll die alte Unterkunft am Kuhberg ersetzen und am Anfang einer Sackgasse entstehen, die sich im Privatbesitz der Anwohner befindet. Um die Belange zu klären, die sich mit der Unterhaltung des Privatweges ergeben, haben sich die Anwohner dieser Sackgasse vor Jahren zu einer Siedlungsgemeinschaft zusammengeschlossen.

Ursprünglich waren sechs bis sieben Wohneinheiten vorgesehen, in denen jeweils zwei bis sechs Personen untergebracht werden sollten, insgesamt also zwölf bis 36 Personen.

In der Erklärung des neuen Vereins und der Gemeinde Roetgen ist jetzt von fünf Wohneinheiten für bis zu 24 Personen die Rede. „Es geht uns darum, ein Gebäude als Wohnhaus für zwölf bis 24 Personen zu errichten, das sich in die Umgebung einfügt. Wir wollen kein Flüchtlingsheim wie am Kuhberg, sondern ein echtes Wohnhaus mit fünf abgeschlossenen Wohnungen schaffen“, wird der Vereinsvorsitzende zitiert. Dies ermögliche eine menschenwürdige Unterbringung mit genügend Privatsphäre zu moderaten Kosten.

Das Haus werde auch die Anforderungen des sozialen Wohnungsbaus erfüllen und dabei helfen, „dass es auch hier endlich mehr Möglichkeiten in Roetgen gibt“. Viele Roetgener engagierten sich ehrenamtlich im Flüchtlingsrat, es gebe aber auch viele Menschen, die sich gerne engagieren würden, die jedoch nicht die Zeit dafür aufbringen könnten. „Bei diesem Bauprojekt setzen wir auch auf das finanzielle Engagement der Bürgerinnen und Bürger“, heißt es weiter.

Bürgermeister Jorma Klauss sei dankbar für das „einzigartige Engagement“ und habe erklärt, dass der Gemeinderat die Gründung des Vereins einstimmig unterstützt habe, schreiben der Verein und die Gemeinde.

„Es geht darum, als Roetgener ein Zeichen zu setzen und die Sache selbst in die Hand zu nehmen“, erklärt Müller im Gespräch. 100.000 Euro wolle der Verein bei den Bürgern sammeln. Außerdem habe man öffentliche Mittel beantragt, um die geschätzten Kosten in Höhe von 600.000 bis 700.000 Euro stemmen zu können.

Müller rechnet mit 525.000 Euro als Darlehen aus öffentlichen Mitteln, wovon die NRW-Bank 137.000 Euro als Tilgungszuschuss erstatte. Zurzeit würden noch einige rechtliche Fragen geklärt und der Bauantrag vorbereitet. Der Baubeginn solle so schnell wie möglich erfolgen. Das Ziel sei, dass das Wohnheim dann innerhalb eines Jahres bezugsfertig ist. Gebaut werde aber nur, wenn alle Fragen geklärt seien, sagt Müller.

Im Unterschied zu einem Investor, verzichte der Verein auf Erträge und wenn sich der Verein auflöse, falle das Wohnheim der Gemeinde zu. „Wir hoffen, das Haus der Gemeinde günstiger zur Verfügung stellen zu können als ein Investor“, erklärt der Vorsitzende des Vereins. Gemeinsam mit dem Flüchtlingsrat wolle man für eine „gute Integration der Menschen“ sorgen und darauf achten, „dass es mit der Nachbarschaft gut funktioniert“.

Da man nicht nur Flüchtlinge im Blick habe, trage der Verein den Namen „Roetgen hilft Menschen in Not“. Falls das Gebäude einmal nicht mehr als Flüchtlingsunterkunft genutzt werde, könnten dort auch andere Menschen in Not Unterschlupf finden.

Die Anwohner wurden nach der Sitzung des Gemeinderates gleich von der Vereinsgründung informiert. Dies wertet der Vorsitzende der Siedlungsgemeinschaft, Elmar Willemsen, positiv. Die Organisationsform sei für die Anwohner zwar nicht relevant, aber er habe den Eindruck, „dass man sich viel Mühe gibt, das neue Wohnheim schön zu gestalten“.

Die Siedlungsgemeinschaft habe aber weiterhin ein Problem mit der geplanten Größe. „Wir hoffen, dass man sich an der unteren Grenze orientieren wird. 24 Personen wären zu viel, zwölf wären in Ordnung“, sagt Willemsen. Man sei gern dazu bereit, mit dem neuen Verein zusammen zu arbeiten und eine einvernehmliche Lösung zu finden, sagt Willemsen.

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