Mützenich - Vennwagge und Apfelsegen beim Erntedankzug in Mützenich

Vennwagge und Apfelsegen beim Erntedankzug in Mützenich

Von: hes
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Dicht gedrängt standen die Me
Dicht gedrängt standen die Menschenmassen Spalier, um sich die mit viel Mühe und Liebe zum Detail vorbereiteten Wagen und Fußgruppen anzusehen und das ein oder andere Leckerchen oder Getränk zu ergattern. Foto: Heiner Schepp

Mützenich. Seit gut 30 Jahren ist Herbert Schillings, wie so viele, jedes Jahr aktiv beim Erntedankzug in Mützenich dabei. „Aber dass wir die Schokolade für die Kinder und den Schnaps in der Kühltasche mitnehmen mussten, habe ich so noch nicht erlebt”, meinte „Heb” angesichts der hochsommerlichen Temperaturen, die dieses Mal beim Großereignis im Venndorf herrschten.

„Weit über 10.000 Zuschauer” säumten nach Polizeischätzung die Eupener Straße, als sich der mit 37 Wagen und Fußgruppen zweitgrößte Erntedankzug in der Städteregion (nach Walheim) am Sonntagnachmittag pünktlich in Bewegung setzte.

Sonnen- statt Regenschirm

Hatten so manches Jahr Regenschirm, dicke Jacke und oft schon Handschuhe zur Ausstattung von Zuschauern und Mitwirkenden hier dazu gehört, so suchten viele Menschen diesmal die Nähe der wenigen schattenspendenden Bäume am Zugweg. Vor dem ehemaligen Reitergut „Zum Steling” ließ eine Eisbude den Rubel rollen, und bei den Musikern der „Eintracht” kreiste in praller Sonne auf Jobby Sommers Terrasse die Sonnenmilch.

Das Wetter war aber nicht nur das beherrschende Thema am Rand, sondern hatte - wenn auch in ganz anderer Form - manche Gruppe für ihr diesjähriges Motto inspiriert. „Nasser Sommer, nicht sehr heiß, brüllt der Bauer: „Wat fürn Sch...!” stand da auf einem mit Heuballen beladenen Wagen zu lesen, und so beklagten sich auch die kleinen Erntehelfer mit ihren Mini-Frontladern: „Den ganzen Sommer ständig Regen, stand das Heu bis grade eben!” Und das Trommler- und Pfeiferkorps Konzen, das ebenso wie der Musikverein „Eintracht” aus dem Nachbardorf wie seit Jahren den Mützenicher Zug musikalisch begleitete, hatte vorsorglich Regenschirme aufgespannt.

Des einen Freud, des Anderen Leid: War der wechselhafte Hochsommer für die Heuernte schlecht, so sorgten das warme Frühjahr und der feuchte Sommer bei Obst und Gemüse für eine gute Ernte 2011. Gleich fünf Gruppen hatten die gute Apfelernte zum Thema gemacht, auch für Birnen und andere heimische Früchte, die das rauhe Eifelklima vertragen, war es ein gutes Jahr.

Köstlich auch die saftigen Tomaten, die die Gruppe um Schobbe Karl als Rohkost oder deftige Suppe den Zuschauern anbot. Viele Gruppen hatten mit viel Liebe und Sorgfalt appetitlich aussehendes Gemüse auf ihren Wagen drapiert, wobei die Gruppe um Helmut Maaßen für den Hingucker sorgte: Aus unzähligen rohen Erbsen und Maiskörnern hatte diese Gruppe in abendfüllender Kleinarbeit das Dorfwappen von Mützenich riesengroß auf eine Tafel gezaubert. Die riesigen, leuchtend orangen Kürbisse der Gruppe um Bruno Horrichs konnte man hinterher sogar erstehen, Erbsensuppe, Schmalzbrot und die unvermeidlichen Schnäpschen nach Hausmacherart gab es wie immer reichlich und gratis für die Zuschauer.

Ein im Frühjahr hoch aktuelles Thema hatten Marcel Schütt und seine Gruppe aufgegriffen, sie befassten sich mit dem Ehec-Darmvirus, der dafür sorgte, dass die Gurken auf dem Feld bleiben mussten und zu Riesen wurden. Das Klohäuschen für die Folgen der Erkrankung hatte man natürlich auch dabei...

Nachwuchs stark vertreten

Auffallend und erfreulich ist, wie stark der Nachwuchs beim Erntedankzug mitmacht. In jeder Gruppe gehen die Kinder und Jugendlichen der Familien wie selbstverständlich mit, und etliche Fußgruppen mit Bollerwagen waren sogar reine Kinder- oder Jugendgruppen, die sich ihr eigenes Thema ausgedacht hatten. Die jüngsten Zugteilnehmer stellte wie immer der Wagen des Kindergartens, auf dem diesmal viele süße kleine Fliegenpilze herumwuselten und mit ihren Erzieherinnen sangen.

Andere zwei- und vierbeinige Zugteilnehmer durften nicht fehlen - ob die herrlichen Pferdegespanne, die putzigen Kaninchen oder das aufgeregte Federvieh auf dem Wagen der Gruppe um Paul Koch. Nur die Kenner im Publikum hatten ein Auge für die alten Schätzchen, die da knatternd und qualmend mitrollten, ein uriger Hanomag präsentierte auf einem Schild an der Kühlerhaube stolz sein Baujahr 1949.

Ebenfalls Erntetechnik von einst und jetzt präsentierten Gruppen, die die Holzernte darstellten oder die Arbeit mit einem Steinknacker demonstrierten, denn wie dichtete die Gruppe um Jürgen Radermacher so schön auf ihrem Vennwagge-Wagen: „Wo Andere ernten Getreide auf dem Feld, kommen in Mützenich Steine auf die Welt”.

Der Mützenicher Zug, wie erwähnt, 37 Gruppen stark und an die zwei Kilometer lang, war so bunt und vielseitig, dass viele Besucher ihn sich noch ein zweites Mal anschauten, ehe es zum turbulenten Ausklang mit Musik und Tanz ins große Doppel-Festzelt auf dem Dorfplatz ging.

Zelt platzt aus allen Nähten

Dort sorgte, wie schon beim Ernteball am Vorabend, die Formation „Just fur fun” für Stimmung. Begonnen hatte das dreitägige Event im Venndorf mit einem Jugendball am Freitag, der sich mit geschätzten 2000 jungen und jung gebliebenen Besuchern jedes Jahr offenbar noch größerer Beliebtheit erfreut.

Erntedank in Mützenich - das bedeutete auch diesmal ein sonst beschauliches Eifeldorf im dreitägigen Ausnahmezustand. Und das dürfte 2012 nicht anders sein, wenn man mit dem 60. Erntedankfest einen runden Geburtstag feiern kann.
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