Vennbahnweg: Ungutes Gefühl bei Gewitter

Von: P. St.
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Heinz Hallmann möchte bei Gewitter lieber nicht die Metall-Waggons am Vennbahnweg aufsuchen. Der 62-jährige Hobby-Radfahrer hat ein dabei ein ungutes Gefühl. Foto: P. Stollenwerk
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Ganz aus Stahlblech: Die Unterstellmöglichkeiten am Vennbahnweg sind ein Diskussionsthema. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. „Niemals“, sagt Heinz Hallmann, würde er bei Gewitter Schutz in den am Vennbahnradweg aufgestellten Metallwaggons suchen. „Da lasse ich mich lieber nass regnen, als mich hier unterzustellen“, sagt der 62-jährige Hobby-Radfahrer.

Hallmann ist häufig auf der vor einem Jahr offiziell eröffneten und jetzt schon mehrfach touristisch preisgekrönten Strecke zwischen und St. Vith und Aachen unterwegs. Nicht geheuer sind ihm allerdings die an der Strecke angebotenen Unterstellmöglichkeiten auf dem Nordeifeler Teil des Radweges. Die komplett aus Stahlblech konstruierten Häuschen mit Tischen und Bänken sind einem Eisenbahn-Waggon nachempfunden. Sieben Stück davon wurden im Sommer 2013 zwischen Roetgen und Kalterherberg errichtet. Sie befinden sich auf belgischem Hoheitsgebiet.

Ein höchst ungutes Gefühl beschleicht den Hobby-Radler aus Kesternich bei dem Gedanken, bei Blitz, Donner und Starkregen Schutz in den Metallhäuschen zu suchen. „Das ist doch hochgefährlich, sich hier aufzuhalten“, zumal offensichtlich keine Blitzableiter installiert seien. Hallmann: „Für mich ist das eine Todesfalle.“ Die möglicherweise von den Unterstellmöglichkeiten ausgehende zusätzliche Gefahr sei unter den Radfahrern ein großes Thema, besonders in diesem Sommer, wo es nicht gerade an Gewittern gemangelt habe.

Er wolle niemanden Angst machen, sagt Hallmann, aber Hütten aus Metall und Gewitter passten für ihn einfach nicht zusammen, zumal das physikalische Schutzprinzip das Faradayschen Käfigs (wonach eine geschlossene Hülle aus Drahtgeflecht oder Blech wie eine elektrische Abschirmung wirkt), nicht greife, da die Unterstellmöglichkeiten an einer Seite komplett offen seien und zudem die Metallgestelle des Mobilars mit den Metallwänden verbunden seien.

Ist die Angst vor einem Blitztreffer in den Metallhäuschen nun nur ein rein subjektives Empfinden, weil es heißt, dass Metall den Blitz anzieht oder ist es hier bei Gewitter nicht gefährlicher als anderswo?

„Darüber wird viel diskutiert“, sagt Michael Breyer. Seine Firma erhielt den Auftrag, die Metallgehäuse zu errichten. Auftraggeber für die originellen Unterstände waren die drei Nordeifelkommunen. „Einen umfassenden Blitzschutz zu installieren, war nicht Teil der Ausschreibung“, sagt der Geschäftsführer des Simmerather Metallbau-Unternehmens. Die Metallgehäuse sein zwar geerdet, aber nicht mit Blitzableitern ausgestattet worden. „Danach ist auch nicht gefragt worden.“

Dass der Unterstellwaggon zu einer Seite hin offen sei, dürfte eigentlich nichts ausmachen und die Gefahr eines Blitztreffers nicht erhöhen, zitiert Michael Breyer die Aussage von Experten, „aber ich würde bei Gewitter auf jeden Fall die Finger von Metall lassen“, rät auch der Unternehmer lieber zur Vorsicht, „aber meines Wissens nach schlägt der Blitz eher in einen hoch gewachsenen Baum ein.“

Diese Annahme kann im Wesentlichen ein Blitzschutzexperte bestätigen. Herbert Katzfey, Geschäftsführer des Fachunternehmens Rhein-Main-Blitzschutzbau aus Aachen, beschäftigt sich seit 32 mit dem Thema Gefahr durch Blitze. Was nun die in Rede stehende Metallgehäuse am Vennbahnweg beträfen, gehe davon sicherlich „keine zusätzliche Gefahr aus und sie erhöhen auch nicht Gefahr eines Einschlags“, sofern diese Unterstellmöglichkeiten nach Blitzschutz-Vorschriften errichtet worden seien.

Andererseits müsse man wissen, dass diese Häuschen keinen zusätzlichen Schutz bieten würden, „wenn der Blitz einschlägt.“ Dies gelte aber auch für alle anders gestalteten Unterstellmöglichkeiten, wie zum Beispiel jedes herkömmliche Bus-Wartehäuschen.

Festzuhalten bleibe aber, dass ein Metallhäuschen, wie es am Vennbahnweg stehe, „keinen Anziehungspunkt“ für einen Blitz darstelle, „schon gar nicht bei der geringen Höhe dieser Bauwerke.“ Herbert Katzfey: „Ein Metallhäuschen erhöht definitiv nicht die Gefahr eines Blitzeinschlages an dieser Stelle.“ Dennoch sei es aus seiner Sicht nicht verkehrt, wenn die Verantwortlichen darüber nachdenken würden, eine vorschriftsmäßige Blitzschutzableitung vorzunehmen. Zwingend erforderlich eine solche Maßnahme zwar nicht, aber sie erhöhe auf jeden Fall die Sicherheit.

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