Vennbahnradweg: Noch herrscht das Prinzip Hoffnung

Von: Ernst Schneiders
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Betrieb wie an der BundesstraÀ
Betrieb wie an der Bundesstraße herrscht an der Querung der Neustraße mit dem Vennbahnradweg in Roetgen nicht. Dennoch ereignete sich dort vor einigen Tagen ein Unfall, bei dem ein Radfahrer von einem Pkw erfasst und schwer verletzt wurde. Foto: Ernst Schneiders

Roetgen. Der Unfall an der Querung der Neustraße mit dem Vennbahnradweg vor einigen Tagen erregt in Roetgen die Gemüter. An dieser Querung sieht man als Autofahrer in der Tat ziemlich wenig.

Man muss sich im Schritttempo nähern, schon fast bis auf den Radweg fahren, dann freiwillig aus der Straße eine Stoppstraße machen, um Hecken und Gebüsch herum nach links und rechts schauen, vorbei an Büschen und Sträuchern, und hoffen, dass man sieht, was da heranrauscht.

Zunehmend melden sich Bürger zu Wort, denen jedes Verständnis dafür fehlt, dass Experten an einigen Querungen in Ort den Benutzern des Radweges Vorrang einräumen, an anderen Stellen wie der Bundesstraße den Kraftfahrzeugen. Bei diesem Durcheinander sei der Unfall, bei dem auf der Querung Neustraße ein 61-jähriger bevorrechtigter Radler aus Roetgen von einem Pkw angefahren und schwer verletzt wurde, nur der Anfang.

Es sei mit weiteren schmerzhaften Aufeinandertreffen zu rechnen, mehren sich die Stimmen aus der Bevölkerung. Und es werde nicht bei Hautabschürfungen und Prellungen bleiben, wird befürchtet. Sobald der erste Tote zu beklagen sei, „brauchen einige Leute einen guten Anwalt”, lautet ein Kommentar aus dem Ort.

Wenn an einer Querung etwas passiere, dann sei das „eine schlimme Sache”, dessen sei man sich bewusst, lässt die Städteregion Aachen ihren Pressesprecher Detlef Funken auf Anfrage sagen, So sei man an der Aachener Zollernstraße guter Hoffnung, „dass alles nicht so schlimm wird”.

Deshalb würden die Vorfahrtsregelungen an den Querungen „zunächst so bleiben”, zumal sie mit allen Fachstellen, der Polizei und allen betroffenen Kommunen abgestimmt seien. Beschlossen sei, den Autofahrern beziehungsweise den Radwegbenutzern jeweils über die gesamte Straßenbreite auf die Fahrbahn zu pinseln, was es an der jeweiligen Querung mit der Vorfahrtsregelung auf sich habe.

„Dringend einüben”

Im übrigen, so Funken weiter, gelte die Straßenverkehrsordnung, die deutsche, die in ihrem Paragrafen 1 sagt: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.” Das gelte nicht nur für die Kraftfahrer. Auch eine ganzer Menge von Radfahrern, Skatern und Joggern müssten dieses Verhalten auf dem Vennbahnweg „noch dringend einüben”.

Es ist der Städteregion nicht entgangen, dass in Roetgen die Beschwerden über die Lärmbelästigung auf dem Radweg zunehmen. Autos, Quads, Motorräder und Mopeds hätten auf der Radroute nichts zu suchen, so Detlef Funken weiter.

Auch sei der Radweg keine Strecke für das Training von Radrennsportlern, ebenso wenig für Radwanderungen. So wie kürzlich zu beobachten, als ein Radsportclub aus Bonn mit großen Pulks den Weg für seine Radtouristikfahrt Bonn-Eupen-Bonn für sich eingenommen habe, wie ein Augenzeuge berichtete, vorneweg ein Motorrad, hintendran ein Motorrad, jeweils mit Warnlichtern.

Sobald der Vennbahnweg offiziell eröffnet und dort dann viel mehr los sei derzeit, hofft man bei der Städteregion, dass der Radweg für Rennradler, Radfahrclubs und für „jeden, der den Radweg bisher missbraucht”, nicht mehr so attraktiv ist wie zur Zeit.

„Wenn uns nichts Besseres einfällt, setzen wir dort schlimmstenfalls Schranken hin”, macht Raerens Bürgermeister Hans-Dieter Laschet einen wahrscheinlich nicht so ernst gemeinten Vorschlag, und verweist auf nationalstaatliche Unterschiede, denn in Belgien haben grundsätzlich Kraftfahrzeuge Vorrang.

Einen Mix wie in Deutschland gibt es nicht. Doch sowohl diesseits als auch jenseits einer Landesgrenze, die es eigentlich nicht mehr geben sollte, gilt laut Laschet: „Auch wenn ich als Radfahrer Vorrang habe, muss ich dennoch aufmerksam sein und schauen, was links und rechts von mir passiert. Sowas kann man auch üben!”

Vereinbarung steht weitgehend

„Weitgehend geregelt” sei in einer Vereinbarung mit den deutschen Nachbarn, wer welche Pflichten zu übernehmen habe und welcher Rettungsdienst gegebenenfalls zuständig sei. Außerdem würden bereits jetzt an Wochenenden bei schönem Wetter belgische Polizisten mit Fahrrädern auf dem Radweg patrouillieren.

Aus polizeilicher Sicht ist die Zusammenarbeit ohnehin seit geraumer Zeit geregelt, wie Koordinator Achim Sube im Aachener Polizeipräsidium auf Anfrage erklärte.

Grundsätzlich liegen nach Worten des Polizeihauptkommissars die hoheitlichen Rechte bei den belgischen Kollegen, weil die Trasse des Radweges belgisches Staatsgebiet ist, was sich inzwischen herumgesprochen haben dürfte. Bei einem Unfall müsse die Leitstelle in Eupen reagieren. Lediglich bei einem Unfall mit Personenschaden würden die Aachener Ordnungshüter auf Bitten der belgischen Polizei helfen und erste Rettungsmaßnahmen veranlassen. Sollte diese Vereinbarung geändert werden, sei das nicht auf der Ebene Raeren-Roetgen, sondern nur auf der Ebene Berlin-Brüssel zu regeln.

„Ein Thema für die Bundesregierung ist die Vorfahrtsregelung an den Querungen in Roetgen sicher nicht, dennoch fragt sich Heinz Mertens, Allgemeiner Vertreter des Roetgener Bürgermeisters, bisweilen, „wo die große Politik anfängt und der kleine Dienstweg aufhört”. Die Vorfahrtsregelung jedenfalls sei auf dem kleinen Dienstweg nicht ohne Weiteres zu ändern.

Mertens sieht, wie auch sein Chef Manfred Eis in der jüngsten Sitzung des Rates, die Gemeinde nicht in der Verantwortung. So liege die Verkehrssicherungspflicht bei demjenigen, der diese „Anlage”, den Radweg, betreibe, und das seien die Belgier.

Sollten sich auf dem Radweg fatale Dinge abspielen, dann werde es ein Heer derer geben, „die alles vorher gewusst haben”. Heinz Mertens: „Ich hoffe deshalb sehr, dass sich die Situation einspielt und die derzeitigen Befürchtungen nur Unkenrufe sind.”
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