Vennbahn-Radweg vom Tauwetter übel zugerichtet

Von: Jan Mönch
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Vorher: Noch im vergangenen Jahr bot auch der mit körnigem Belag versehene Abschnitt des Vennbahn-Radwegs im Paustenbacher Venn einen durchaus passablen Untergrund für Radfahrer. Foto: P. Stollenwerk/J. Mönch
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Nachher: Nun wird er von tiefen, dicken Furchen durchzogen. Foto: P. Stollenwerk/J. Mönch

Konzen. Viel Gutes hat man sich von der Ravel-Route versprochen, viel Gutes ist bereits eingetreten. Dass im Gesamtpaket auch ein kostenfreier Crashkurs „Fährtenlesen für Anfänger“ enthalten ist, hatten sicher die wenigsten auf der Rechnung.

Einen solchen bekommt, wer sich dieser Tage das rund 2,5 Kilometer lange Teilstück der Route im Paustenbacher Venn ansieht. Also den Teil, der nicht asphaltiert, sondern mit körniger Oberfläche versehen wurde.

Denn die ersten Radler dieses späten Frühlings haben stellenweise fausttiefe Furchen im Untergrund hinterlassen. Und das teils in solch ausufernden Schlangenlinien, dass Möchtegern-Indianer glatt darauf schließen könnten, dass die Verursacher eine ordentliche Portion Feuerwasser intus hatten – oder aber, dass das Vorwärtskommen für die Bleichgesichter unmittelbar nach Ende des Tauwetters doch eine recht kräftezehrende Angelegenheit gewesen sein muss. Mit brutaler Schenkelkraft haben einige sich hier offenbar kreuz und quer vorwärts gekämpft.

Die Spuren sind mittlerweile relativ gut getrocknet. Während Mountainbiker vermutlich noch recht gut mit ihnen zurecht kommen, dürfte dies auf Kinder oder andere sportlich weniger ambitionierte Nutzer der Route weniger zutreffen. Gänzlich unbefahrbar ist die Oberfläche im Paustenbacher Venn ohnehin für Inline-Skater.

Ein Leser schildert unserer Redaktion, dass am Wochenende ein ausgezeichneter Andrang zu verzeichnen war – bei Erreichen des Paustenbacher Venns aber mussten viele Radler ihren Untersatz notgedrungen schieben. „Dieses Huhn hat ganz schön was gekostet“, ärgert der Leser sich.

Gemeint ist natürlich das Birkhuhn, das das Projekt Vennbahn-Radweg lange Zeit ernsthaft zu gefährden schien. Allerdings waren Kleinstlebewesen für die ausbleibende Asphaltierung zwischen Konzen und Lammersdorf verantwortlich – ebenso unsichtbar wie das Birkhuhn und vielleicht auch deshalb besonders schutzbedürftig.

Belgische Behörden, in deren Einflussbereich das Paustenbacher Venn bekanntlich fällt, fürchteten jedenfalls, dass von der Sommersonne aufgeheizter Asphalt sich empfindlich auf die Lebenserwartung der mikroskopische kleinen Vennbewohner auswirken könnte – und verweigerten die Genehmigung für die Asphaltierung. Auch dieser Vorgang hatte also nichts mit Feuerwasser zu tun.

Bald schien ja auch eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung gefunden zu sein: Der sehr feinkörnige, „wassergebundene Belag“ geriet so ebenerdig, dass selbst kritische Radfahrer sich schwer taten, etwas an ihm auszusetzen. Bis jetzt.

Manfred Strang, bei der Städteregion für das Projekt zuständig, hat sich vergangene Woche ein Bild der Lage gemacht – und zeigt sich einigermaßen überrascht.

Nach dem vorvergangenen Winter sei das Problem nicht aufgetreten. Andererseits sei es kein Geheimnis, dass der Untergrund des Venns „prädestiniert dafür ist, große Mengen Wasser aufzunehmen. Und dieses Jahr hat sich eben auch die Strecke vollgesaugt“. Jedenfalls gibt Strang den ungehaltenen Freizeitsportlern, die auch ihn bereits kontaktiert haben, vollkommen Recht: „So kann das nicht bleiben. Wir sind an der Sache dran.“ Bleibt zu hoffen, dass die Kleinstlebewesen, für die all die Arbeit schließlich gemacht wird, dies zu schätzen wissen.

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