Vater heiratet eine Thailänderin: Applaus für Doku „Happy“

Von: P. St.
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Bei der Premiere und dem Heimspiel von „Happy“ im Apollo-Kinotheater in Aachen gefeiert: Regisseurin Carolin Genreith (re.), ihr Vater und Hauptdarsteller Dieter Genreith mit Ehefrau Tukta. Foto: P. Stollenwerk

Steckenborn/Aachen. Ein paar Sekunden herrscht nachdenkliche Stille im Saal – dann setzt spontaner und herzlicher Applaus ein. Das Publikum im Kinosaal des Aachener Apollo-Filmtheaters reagiert ebenso begeistert wie auch berührt auf die Deutschland-Premiere des Dokumentarfilms „Happy“. Die 90 Filmminuten drehen sich um eine komplizierte Vater-Tochter-Beziehung, gedreht wurde in Steckenborn und Thailand.

Es ist die dritte Arbeit der in Steckenborn aufgewachsenen freien Autorin und Regisseurin Carolin Genreith (32). Hauptdarsteller und Hauptdialogpartner in der Doku ist ihr Vater Dieter Genreith, der inzwischen die 60 überschritten hat, bei der Stadtverwaltung Stolberg beschäftigt ist und der Tochter von seiner neuen Beziehung zu einer 30 Jahre jüngeren Thailänderin erzählt.

Carolin Genreith, die mit ihrem ersten Dokumentarfilm „Die mit dem Bauch tanzen“ (2013) das Aufeinandertreffen der Bauchtanz-Begeisterung ihrer Mutter mit der Eifeler Heimat-Mentalität pointiert aufgriff, unterstrich damals schon ihr besonders Gespür für die Ausdrucksstärke von Alltagssituationen.

Im neuen Film „Happy“ ist die erste Frage programmiert: „Ist mein Vater jetzt Sextourist?“, fragt sich die Tochter. In langen und schonungslosen Gesprächen will sie herausfinden, was ihren Vater bewegt, sich auf diese Beziehung einzulassen. Ist es die Suche nach dem späten Glück oder ein Wettlauf gegen die Zeit?

Im Film wird der eigene Vater nicht zum Helden gemacht, aber auch nicht zum unmoralischen Schwerenöter abgestempelt. In ehrlichen, aber auch provokanten Wortgefechten lernen sich Vater und Tochter auf eine neue Weise kennen. Der Film ist sehr persönlich, aber in keiner Szene peinlich oder rührselig. „Happy“ ist ein liebevoller, berührender, heiterer und sehr ehrlicher Vater-Tochter-Film. Es geht um große Fragen des Lebens wie Älterwerden, Einsamkeit, spätes Glück und die wahre Liebe.

Die Hälfte des Films wurde in Steckenborn gedreht, die andere Hälfte in Thailand, im Heimatdorf von Tukta, die inzwischen die Ehefrau von Dieter Genreith geworden ist. In der Eifel nimmt der Zuschauer teil am Alltagsleben des Protagonisten. Er schlachtet Federvieh, lernt Thailändisch, steht am Straßenrand, wenn die Musikvereine durchs Dorf ziehen und nimmt Platz in seinem Büro in der Stadtverwaltung Stolberg. Das hat skurrile Züge und unterstreicht einmal mehr das Gespür der Filmemacherin für feinste Beobachtungen.

Filmtheaterleiter Simon Kluge freute sich, Carolin Genreith, die in Hamburg lebt und arbeitet, in Aachen begrüßen zu können und erinnerte an den überraschend großen Erfolg der Dokumentation „Die mit dem Bauch tanzen“, die 8500 Besucher in Aachen gesehen haben. In der seit 2003 geführten Ranking-Liste des Apollo-Filmtheaters sei diese Doku nach „Monsieur Claude“ und „Wie im Himmel“ der bislang besucherstärkste Film gewesen.

Freunde, Kollegen, und die Familie waren voller Spannung und Vorfreude zur Premiere von „Happy“ ins Apollo-Kino gekommen. Deutschlandweit startet der Film an diesem Wochenende in 30 Kinos.

Im Anschluss an die Vorführung stellten sich Carolin Genreith, ihr Vater und dessen Ehefrau Tukta den Fragen des Publikums. Im Fokus stand dabei vor allem der Hauptdarsteller, dem Zuschauer „Toni Erdmann“-Qualitäten und außergewöhnliche darstellerische Fähigkeiten bescheinigten. „Es war für mich ein besonderes Erlebnis, mit meiner Tochter, die ja die Chefin war, über Monate an diesem Projekt zu arbeiten“, erzählt er. Irgendwann habe er vergessen, „dass die Kamera läuft“.

Carolin Genreith sieht durch den Film „ein Stück unserer nicht ganz leichten Beziehung“ aufgearbeitet, und ihre Stiefmutter Tukta, die sich langsam an das fremde Land Deutschland gewöhnt, kann nur staunen, dass sie plötzlich zum Filmstar geworden ist.

Der Dokumentarfilm „Happy“ läuft im Apollo-Kino Aachen, Pontstraße.

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