Vandalismus: Es grünt so grün auf dem Aschenplatz an der Flora

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
12456601.jpg
TuRa-Vorsitzender Josef Schünemann traute seinen Augen nicht, als er vergangene Woche an das – derzeit nicht genutzte - Fußball-Spielfeld an der Monschauer Flora kam. Auf dem ganzen Platz sprießen Gras, Kamille und Wildkraut. Foto: Heiner Schepp
12456599.jpg
Während es auf weiten Teilen des Platzes schon munter sprießt, wurden in der Nacht zum Freitag weitere Mengen Samen in der Mitte des Aschenplatzes aufgebracht, die wohl in den nächsten Tagen keimen werden. Foto: Heiner Schepp

Monschau. TuRa bedeutet eigentlich Turn- und Rasensportverein, doch ihre größten Erfolge feierten die Monschauer Fußballer auf dem Aschenplatz an der Flora. Nun haben unbekannte Täter den Vereinsnamen offenbar etwas zu wörtlich genommen.

In einem außergewöhnlichen Fall von Vandalismus haben sie offenbar über einen Zeitraum von drei Wochen Gras- und Blumensamen auf der Tennenfläche aufgebracht, der nun, begünstigt durch das wachstumsfördernde Feuchtsommerwetter, seit einigen Tagen munter sprießt. Der Verein hat Anzeige erstattet, weil die Beseitigung des Grüns in die Zehntausende geht und hat 200 Euro Belohnung für Hinweise ausgelobt, die die Täter überführen.

„Ein teurer Spaß“ von 50.000 Euro

Wenn es nicht eine so teure Sache wäre – man könnte schon schmunzeln über das, was da in den Tagen nach dem großen TuRa-Sommerfest am ersten Juni-Wochenende angerichtet wurde. Denn die Beseitigung des kräftig wachsenden Grüns wird nach Angaben des Vorsitzenden Josef Schünemann rund 50.000 Euro kosten, „ein teurer Spaß“, so der TuRa-Boss.

Vor zwei Jahren erst hatten die Stadt Monschau mit großem finanziellem Aufwand und der Sportverein mit nicht unerheblicher Eigenleistung beim Aschenplatz die oberste Schicht erneuern lassen – „zum ersten Mal seit dem Bau des Platzes in den 1950er-Jahren“, so Josef Schünemann. 40.000 Euro hatte das gekostet, wobei man aus Kostengründen die Rundlaufbahn – die einzige im Stadtgebiet, die deshalb auch von mehreren Schulen genutzt wird – hatte aussparen müssen.

Das haben die Vandalen nicht getan, im Gegenteil: „Die sind offenbar einmal rundgegangen und haben mit vollen Händen den Grassamen auf die Laufbahn gepfeffert“, vermutet Schünemann. Anders sei nicht zu erklären, dass vor allem auf der Laufbahn ein dichter Teppich aus Gras und Grün wachse. Diesen zu beseitigen, wird nur durch erneutes Abtragen der Oberschicht funktionieren; ein Harken würde den Samen nur tiefer einarbeiten, die chemische Keule ist hier nicht erlaubt.

Der TuRa und sein Fußballplatz – das hat durchaus eine Geschichte. Denn früh im vergangenen Jahrhundert errichtete der 1904 gegründete Sportverein in idyllischer Lage oberhalb der Flora zunächst einen Rasenplatz für seine Fußballer.

Da genau unter dem Spielfeld jedoch ein Bach verlief, litt der Rasen zeitlebens unter einem hohen Wasserstand und war häufig unbespielbar, wie noch heute in den Annalen nachzulesen ist. „Deshalb entschloss man sich 1954, aus dem Rasen- einen Aschenplatz zu machen“, erzählt der frühere Vorsitzende Klaus Förster. Aschenplätze waren damals, zumindest außerhalb der Eifel, durchaus noch gang und gäbe, waren sie doch weit weniger witterungsanfällig und machten den Fußball auch etwas schneller.

Ungern zur Flora gereist

Dass ein Aschenplatz als Heimstätte durchaus auch Vorteile haben kann, entdeckten im Laufe der Jahre dann auch die Kicker des Monschauer Traditionsvereins. Ob es alleine dem Platzvorteil geschuldet war, dass der TuRa bereits 1956 Kreismeister wurde, sei dahingestellt – Fakt ist aber, dass viele Fußballer aus der Eifel äußerst ungern zur Flora reisten und das Wort von der „ungeliebten Monschauer Asche“ die Runde machte.

1. FC Köln A rausgekegelt

Mehr oder minder schmerzhaft mussten dies aber nicht nur die rasenverwöhnten Clubs im damaligen Fußballkreis Monschau erfahren: 1975 kämpfte sich eine – ohnehin fußballerisch starke (rund um die Flora spricht man bis heute von der „goldenen Generation“) – erste Mannschaft um ein Haar bis in den DFB-Pokal durch.

Wohl auch bedingt durch den Heim- und Platzvorteil, schickte man im Mittelrheinpokal zuerst den klassenhöheren TuS Zülpich (3:2) und dann gar die in der dritthöchsten deutschen Spielklasse kickenden Amateure des 1. FC Köln (1:0) nach Hause. Erst gegen den Deutschen Amateurmeister SC Jülich 10 (0:2) kam das Aus – sonst wäre in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde Bundesligist Kickers Offenbach an der Flora aufgelaufen. Immerhin stieg die Ausnahmetruppe von Trainer Engelbert Donnay im gleichen Jahr in die Bezirksliga auf.

Wohl auch deshalb war eine mögliche Rückkehr zum Rasen in Monschau nie ein Thema. Und ein durch niederländische Ferienpark-Investoren angefeuertes Kunstrasenprojekt scheiterte 2009 an Kosten von einer halben Million Euro.

Nun aber forcieren Unbekannte die Rückkehr zum Rasen – allerdings in Form einer massiven Sachbeschädigung, die TuRa Monschau so nicht hinnehmen wird. Wer etwas beobachtet hat, sollte dies der Polizei oder Josef Schünemann, Telefon 02472/3003, melden.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert