Nordeifel - Unvergessener James Last: „Happy Sound“ soll Zuhörer anstecken

Unvergessener James Last: „Happy Sound“ soll Zuhörer anstecken

Von: P. St.
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Die Erinnerung an James Last ist gewollt: „Rolf Kaulard & his HappySwing Orchestra“ orientieren sich bei ihren Bühnenauftritten ganz nahe am großen Meister des Happy Sound.
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Satzprobe im Tonkeller von Orchesterchef Rolf Kaulard: Für das Konzert in Eicherscheid stimmt Trompetenlehrer und James-Last-Musiker Jan Oosthoff (Mi.) die Profimusiker Koen Smits, Dave Vreuls, Marc Huynen und Roel von Wyk (v.li.) auf wesentliche Phrasierungen des „Happy Sound“ ein. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Drei Takte reichen. Spätestens dann weiß auch der Musik-Laie, dass dieser Klang nur von James Last sein kann. Dem berühmten Bandleader, Komponisten, Arrangeur und Musikproduzenten, der 2015 im Alter von 86 Jahren gestorben ist, gelang es Mitte der 1960er Jahre mit seinem Orchester einen Bigband-ähnlichen Stil zu entwickeln, der als „Happy Sound“ auf keiner Party fehlen durfte und die Zeit überdauert hat.

Der markante Rhythmus und die unverwechselbare Schlichtheit der Arrangements waren die Garanten für das „Easy Listening“. Wenn der Orchesterchef dann im weißen Anzug vor dem Orchester stehend völlig entspannt mit den Fingern schnipste, war der Funke längst auf das Publikum übergesprungen. Über 200 Langspielplatten produzierte James „Hansi“ Last mit seinem Orchester; er verkaufte 80 Millionen Tonträger und erhielt über 100 goldene Langspielplatten.

Der Gute-Laune-Sound von James Last klingt auch heute noch frisch und mitreißend, selbst wenn das Orchester nach dem Tod des Bandleaders nicht mehr aufgetreten ist und auseinanderging, denn ohne den Meister selbst funktioniert das Konzept nicht mehr.

Nur Profis an Bord

Dass aber der „Happy Sound“ nach wie vor funktioniert, belegt schon die Existenz mehrerer Cover-Orchester, die den Musikstil von James-Last weiter aufleben lassen. Dem musikalischen Erbe des legendären Bandleaders sieht sich auch das HappySwing Orchestra verpflichtet, das am Samstag, 18. März, ein Gastspiel in Eicherscheid gibt. Leiter und Gründer des Orchesters ist Rolf Kaulard aus Monschau.

Der 49-jährige Musiker, der unter anderem bei den „Firehorns“ Hamburg und der Bigband der Sparkasse Aachen mitwirkte, wohnt seit vielen Jahren in Steckenborn, und freut sich nun auf den ersten Auftritt des 13-köpfigen Orchesters in der Region. 2012 entwickelte Rolf Kaulard die Idee, ein Orchester im James Last-Gewand zu gründen. Nach längerer Vorlaufzeit war es dann im Jahr 2015 soweit: Rolf Kaulard & his Orchestra standen erstmals auf der Bühne, um die größten James-Last-Hits der 1960er und 1970er zu spielen.

Kaulard war es von Beginn an ein Anliegen, sich von mittelmäßigen Coverbands abzusetzen und ging daher einen Schritt weiter, indem er das Orchester nur mit Profimusikern besetzte, die über langjährige Bühnenerfahrung verfügen und auch in andere Musikprojekte eingebunden sind. Dank vieler Kontakte in die Musikszene kann er inzwischen auf einen Stamm von 30 Musikern zurückgreifen, die für Auftritte zur Verfügung stehen. Rolf Kaulard, selbst ein geschulter Trompeter, lässt bei den Auftritten sein Instrument ruhen.

Er moderiert im weißen Bühnenanzug, dirigiert und schnippt selbstverständlich mit den Fingern, denn auch beim Happy Swing Orchestra ist gute Laune die oberste Devise: „Wir sind erst dann zufrieden, wenn wir das Publikum mit unserer Energie und der Freude an unserer Musik anstecken können.“

Die fast 50 Jahre alten James- Last-Nummern besitzen immer noch einen enorm hohen Wiedererkennungswert. Bei den Arrangements versuche man, „dem Original sehr nahe zu kommen,“ lautet der Anspruch des Bandchefs. Wie ernst Rolf Kaulard diesen Anspruch nimmt, unterstreicht auch die Tatsache, dass er die rund 25 Musiktitel der Setlist exklusiv nacharrangierte. Immer wieder musste er die Titel anhören und dann transkribieren, wie es in der Fachsprache heißt, denn von den James Last-Titeln gibt es keine Noten.

Dass das Unternehmen „HappySwing“ sich auf der richtigen musikalischen Wellenlänge befindet, wurde Rolf Kaulard im vorigen Jahr bei einem Konzert in Hilden vor der versammelten Mannschaft des James-Last-Fanclubs bestätigt. Insgesamt gehören 1200 Mitglieder diesem Club ab. Den Edelfans, die jeden Ton und jede James-Last-Coverband kennen, verschlug es die Sprache. „Die waren restlos begeistert“, erzählt der Bandchef.

Beim Streben nach musikalischer Perfektion geht Rolf Kaulard keine Kompromisse ein. Wenige Tage vor dem Konzert in Eicherscheid fanden sich die vier Orchester-Trompeter aus den Niederlanden bei Rolf Kaulard in Steckenborn zu einer Satzprobe ein. Das Extra-Training diente dem Feinschliff einiger musikalischer Details und wurde von keinem geringen als Jan Oosthof geleitet.

Stammtrompeter von „Hansi“

Der 64-jährige Profimusiker gilt in Trompeterkreisen nicht nur als anerkannte Autorität, sondern gehörte auch über viele Jahre zur Stammbesetzung im Orchester von James Last. Auch auf dessen letzter Tournee war Oosthoff dabei. Der bei Amsterdam lebende Trompetenlehrer gehörte seit 2002 zur Stammbesetzung bei James Last, aber schon 1984 spielte er eine LP mit James Last ein. Außerdem ist er Dozent an der Musikhochschule Amsterdam mit aktuell 25 Schülern. Auch Oosthof weiß, dass in den 1970er Jahren „kein Trompeter an James Last vorbeikam“.

Wie kein Zweiter habe er es verstanden, kommerziellen Melodien durch seinen Sound eine neue Frische zu verleihen. Er habe James Last immer als lockeren Bandleader kennengelernt. Getroffen habe man sich nur selten, den Musikern seien die Noten vorab zugeschickt worden. „Bei der Probe erwartete James Last dann aber, dass alles sitzt. Disziplin war ihm sehr wichtig.“ Das Publikum habe stets einen völlig entspannten Orchesterchef erlebt. Oosthof weiß auch warum: „Wenn das Konzert begann, dann hatte er seine Arbeit schon gemacht.“

Auch Rolf Kaulard kam an James Last nicht vorbei. Als er 1967 geboren wurde, legten seine Eltern die Langspielplatten „Nonstop Dancing“ oder „Beach Party“ auf. Seit der Kindheit also hatte er den Happy Sound in den Ohren und damit im Blut, und so war die Orchestergründung nur ein logischer Schritt. Anfangs hatte er noch versucht, mit Semi-Profis das Projekt aufzubauen, merkte dann aber schnell, „dass wir aus dem Proben nicht herauskamen“. Ganz anders sei die Situation mit den Profimusikern: „Da reicht eine Satzprobe. Dann sitzt alles.“

Für das laufende Jahr stehen für „Rolf Kaulard & his HappySwing Orchestra“ zehn Auftritte in NRW und darüber hinaus an. Die gesamte Bühnen- und Lichttechnik hat man dabei auch stets im Gepäck, denn zu einem richtigen Happy Sound gehört auch der perfekte Rahmen. Auch da überlässt Rolf Kaulard nichts dem Zufall.

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