Unterhaltsame „Lehrjahre“ mit Hubert vom Venn

Von: Berthold Strauch
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Ein erstklassiges neues Kabarett- und Musiker-Duo: Hubert vom Venn (rechts) „examiniert“ Achim Konejung. Sie begeisterten in Roetgen mit ihrem Programm „Letzte Ausfahrt Eifel“. Foto: Berthold Strauch

Roetgen. So ändern sich die Zeiten! Einst als „Preußisch Sibirien“ verschrien, wo es niemanden freiwillig hinzog, hat sich die Eifel inzwischen sogar zu einem begehrten Asyl gemausert.

Und einer, der mit Inbrunst einen Asylantrag für diese herbe Landschaft stellt und mit deren eigensinnigem Menschenschlag klarkommen und „bitte, bitte“ Eifeler werden möchte, ist der Kabarettist Achim Konejung, der es immerhin schon bis in die Voreifel gebracht hat: Seit fast 20 Jahren lebt er in Müddersheim, Ortsteil von Vettweiß.

Aber dort hält es der feingeistige Künstler, der auch virtuos mit dem Klavier umzugehen weiß, nicht länger aus: Umzingelt von stinkenden Hähnchenmastanlagen und beinahe schon angeknabbert von den allesfressenden Braunkohlebaggern des Energieriesen RWE Power, hat’s der 56-Jährige satt: Der gebürtige Krefelder will nur noch weg aus seiner verpesteten Wahlheimat.

Freundschaftliche Verbindung

Angesichts seiner Fluchtgedanken kommt ihm die langjährige freundschaftliche Verbindung mit einem alteingesessenen Eifeler Unikum, dem Kabarettistenkollegen und Autor Hubert vom Venn (59), wie gerufen: Seit fast 35 Jahren eng miteinander verbunden, wuchs aus diesem starken Band die Basis für ein munteres gemeinsames Programm, das die Akteure am Mittwoch zu einem grandiosen „Heimspiel“ zusammenführte: in „Venn’s Theater“, dessen Wohnort Roetgen.

Für die Gäste, die gut daran getan hatten, sich diesen Auftritt nicht entgehen zu lassen, wurde es ein überaus amüsanter Abend mit köstlicher Unterhaltung. Übrigens: Wer dieses feine Event verpasst hat, bekommt am Mittwoch, 26. Juni, 20 Uhr, an gleicher Stelle erneut die Gelegenheit, sich dieses Programm zu Gemüte zu führen – ein Muss für alle Fans von Hubert vom Venn, der aktuell auch mit starken Soloauftritten sein Publikum begeistert, und dessen kongenialem Kollegen Achim Konejung, der mal den Deutschen Kleinkunstpreis und den Deutschen Kabarettpreis eingeheimst hat.

Knigge-Experte vom Venn

Bevor Konejung zum echten Eifeler werden darf, muss er zunächst die hohen (Moral-)Hürden, die ihm Knigge-Experte vom Venn in den Weg stellt, überwinden. Denn der eingeborene Eifeler zeigt sich als scharfer Tugendwächter mit exzellentem Wissen um die Sitten und Gebräuche dieses eigentümlich wirkenden Landstrichs, die mehr als ein Körnchen Wahrheit besitzen: Ja, das kann vom Venn, den Menschen aufs Maul schauen und deren beiläufige Alltags-Statements zu großer, witziger Erzählkunst veredeln. Da erkennt man sich und seine Eifeler Mitbürger zwischen Monschau und Prüm leicht und oft wieder – großartig!

Selbst so ein ausgezeichneter Kabarettist wie Konejung erhält also nicht automatisch wegen seiner Freundschaft zu Hubert vom Venn, auch wenn er noch so hartnäckig darum bettelt, einen Sonderstatus bei seinen „Asylverhandlungen“: Er muss sich den gewünschten Status hart erarbeiten. Zum Beispiel, wenn’s vom Venn gesten- und wortreich darum geht, die „Esskultur“ zu (er-)klären. Da dreht sich einem schon leicht der Magen, wenn er todernst versichert, dass für ein „Mehrgänge-Menü“ ein einziger „tiefer Teller, ein Löffel und ein Senfglas“ ausreichend seien – auch für die abschließende Einnahme des Puddings: „Wie geleckt“ sei danach das gute Porzellan. . . .

Und immer wieder versteht es Hubert vom Venn, hochaktuelle, brisante und umstrittene Eifeler Begebenheiten in seiner Erzählkunst unterzubringen, etwa wenn er Achim Konejung – „zum Üben“ für dessen echte Verhandlungen – als Makler „Immobilien Hai“ ein ideales Traumhaus aufzuschwatzen versucht.

So preist er auch als mögliche Wohnadresse ein „ökologisch“ ausgerichtetes Grundstück im Münsterwald an: wohl mit fünf Windrädern „höher als der Kölner Dom“ nebenan. Da kommt ganz nebenbei vom Venn als kritischer Beobachter der Lokalpolitik ans Licht der Bühne.

Köstlich sind auch die Episoden, in denen vom Venn den Dorfpfarrer mit entsprechendem Käppi gibt, der Konejung zum „Religionstest“ bittet. Auch dabei wandern etliche „Minuspunkte“ auf das Konto des Möchtegern-Eifelers, der auch noch mit der witzigen Story vom früher oft zitierten „Heidenkind“ traktiert wird. Und fast zum Hinlegen komisch ist vom Venns Soloeinlage als Vereinsmeier der Concordia-Sangesfreunde, der seine Mitglieder zur „diesjährigen Generalversammlung“ begrüßt: ein köstlicher, tiefgründiger Einblick in ziemlich reale Vereinswelten.

Trotz aller Schwierigkeiten, die ihm Hubert vom Venn bereitet: Das Publikum hat letztlich ein Einsehen mit dem beredten und musikalisch untermalten Werben Achim Konejungs um Aufnahme in der Eifel: Er darf kommen – und verspricht sogleich, sich dessen „würdig zu erweisen“. Ein Gewinn für den harten, aber herzlichen Stamm der Eifeler!

Und ein finaler musikalischer Gruß des neuen Kabarett-Duos zur Premiere des Programm „Letzte Ausfahrt Eifel“ im Monschauer Land: Hubert vom Venn mit heftiger Sangeskunst und Achim Konejung am Klavier schmettern als Zugabe die Hymne „Hühnchen explodieren am Horizont“. So schließt sich der Kreis zur Flucht Konejungs, der das Lied vor exakt 30 Jahren geschrieben hat, aus dem hähnchenverseuchten Müddersheim in den sauberen Schoß der Eifel. Ein klasse Abend!

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