„Unsere Kirche ist immer noch für Überraschungen gut“

Von: Andreas Gabbert
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Die Brüder des Franziskaner-Klosters in Vossenack freuen sich über die Namenswahl des neuen Papstes: Herbert Schneider, Daniel-Paulus Züscher, Peter Schorr, Laurentius Englisch, Winfried Abs, Wolfgang Mauritz und Michael Blasek (von links).

Nordeifel. In einem sind sich alle einig: Der Name des neuen Papstes wird Programm sein. Der Name Franziskus sei ganz bewusst gewählt, erklärt auch Pfarrer Hans-Georg Schornstein aus Roetgen. Gerade Franziskus sei seinen eigenen Weg gegangen und habe Missstände angeprangert. Deshalb hoffe er, dass der neue Papst der Kirche zu neuer Glaubwürdigkeit verhelfe. Die sei aber alleine nicht zu schaffen, dazu müssten alle in der katholischen Kirche ihren Beitrag leisten.

 „Unsere Kirche ist immer noch für Überraschungen gut“, sagte Schornstein. Er hofft außerdem, dass den Bistümern nun mehr Eigenverantwortung übertragen wird. Sein erster Auftritt habe dafür gesprochen. Seine Bescheidenheit und sein Auftreten vermittelten den Eindruck und die Hoffnung, dass die Kirche in Zukunft weniger zentral gelenkt würde. Für eine genaue Einschätzung kenne er den neuen Papst aber noch zu wenig. Auch die Bezeichnung als „Kardinal der Armen“ wecke die Hoffnung bei ihm, dass Franziskus nah bei den Menschen ist und damit auch ein Signal für alle Verantwortlichen in der katholischen Kirche setzt. Natürlich gebe es jetzt die unterschiedlichsten Erwartungen aus unterschiedlichen Richtungen. „Es wird nicht möglich sein, die alle zu erfüllen. Meine Hoffnung ist, dass er ein menschliches Bild von Kirche vermitteln wird und so die Herzen der Menschen öffnet und ihre Sorgen ernst nimmt“, sagt Schornstein.

Garant der Einheit

Michael Stoffels von der GdG Simmerath ist froh, wieder einen Papst zu haben. In der Zeit der Vakanz habe man schon gespürt, „dass irgendwas fehlt“. Der Papst sei wichtig als Garant der Einheit der Kirche. Auch Stoffels war sehr überrascht über die Wahl der Kardinäle, schließlich sei Jorge Mario Bergoglio nicht unter den Favoriten gewesen. „Als er auf den Balkon trat, fand ich sehr beeindruckend, wie bescheiden er sich zeigte und wie er auf die Leute zugegangen ist“, sagt Stoffels.

Mit der Wahl eines Papstes aus Lateinamerika verbindet der Pfarrer auch eine Öffnung der Kirche. Der Blick werde geweitet und „viele Probleme, die wir hier oft haben, rücken in einen anderen Blickpunkt. Stoffels glaubt, dass sich dieser Papst mehr den einfachen Leuten zuwenden wird, „und die Kirche mit ihrer Botschaft für die Menschen da ist“. Die Gesten des neuen Papstes und wie er mit den Menschen gebetet hat, bestärken Stoffels in seiner Sichtweise. „Die Kirche wird sich weniger um sich selbst drehen, und die Menschen werden in den Mittelpunkt rücken, insbesondere die Armen und Schwachen“, sagt Stoffels.

Pfarrer Karl-Heinz Stoffels von der GdG Monschau war gestern nicht zu erreichen, weil er sich auf dem Weg nach Rom befand. Mit dem „Kreis der Freunde Roms“ wird er eine Wallfahrt von Rom nach Assisi, dem Geburtsort des heiligen Franziskus, unternehmen. Voraussichtlich wird er vorher aber noch an der ersten Audienz des neuen Papstes teilnehmen.

Die Kirche revolutioniert

Ralf Lehmkühler, Gemeindereferent der GdG Monschau, zeigte sich erfreut, dass nun ein Vertreter der lateinamerikanischen Kirche am Zug ist. Spannend sei auch, dass der neue Papst ein Jesuit ist. Franziskus sei eine wichtige Ergänzung in der Kette seit Papst Johannes XXIII. – dem Konzilpapst. Er bringe viel Erfahrung als Seelsorger mit sich. Er verkörpere den einfachen Lebensstil und sei nah bei den Menschen.

Große Freude herrschte gestern in Vossenack bei den Brüdern des Franziskaner-Klosters. Franziskus von Assisi habe durch seine radikale Umkehr, durch seine eigene Wandlung die Kirche damals gestützt, erklärte Wolfgang Mauritz OFM. Mit den armen und einfachen Menschen seiner Zeit hätten er und seine Bruderschaft die Kirche revolutioniert.

„Der kirchlichen Lehre treu, aber vom Wortlaut des Evangeliums ausgehend, haben die Brüder und Schwestern der franziskanischen Familie Glaube, Hoffnung und Liebe begeistert weitergegeben. Wenn dies dem neuen Papst Franziskus I. gelingt, dann wird in der Katholischen Kirche ein Umdenken beginnen, dann wird ein Neuanfang möglich sein. Und die Fenster werden wieder aufgestoßen. Gottes Geist weht, wo er will!“

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