Ungewohnte Rolle für die UWG nach dem unvorhergesehenen Sieg

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
roe-nachlese_bu
Stamos Papas von der SPD (l.) und Eifel-Comedian Hubert vom Venn, der für die UWG für den Städteregionstag kandidiert hatte, feierten gemeinsam im Roetgener Rathaus. Vom Venn hatte zudem eine Mannschaftsration Schampus dabei, für alle, solange der Vorrat reichte. Foto: Helga Giesen

Roetgen. Am Morgen danach stand das Telefon nicht still und die Gratulanten gaben sich die Klinke in die Hand: Bürgermeister Manfred Eis geriet dadurch sogar etwas unter Zeitdruck, denn der Tag nach seinem fulminanten Wahlsieg war ein ganz normaler Arbeitstag mit Besprechungen und Außenterminen.

„Die Zukunft geht heute weiter”, so Eis, „und alle Themen, die wir in Roetgen vor der Brust haben, die werden wir jetzt gemeinsam abarbeiten.”

Wie es politisch im Rast weitergeht, darüber möchte der alte und neue Chef im Rathaus nicht spekulieren: „Politisch muss das zusammenpassen, und auch die Chemie muss stimmen. Wir werden sehen.” Der UWG streckt Eis die Hand entgegen, „nicht politisch”, wie er betont, das sei Sache der Fraktionen, sondern als Verwaltungschef: „Natürlich werde ich der neuen Fraktion behilflich sein, das Prozedere im Rathaus kennenzulernen.”

Vom Wahlergebnis ist Manfred Eis immer noch „überwältigt”, sieht darin einen „riesigen Vertrauensbeweis” CDU, Grüne und FDP seien mit der Parole „Eis muss weg!” durch den Ort gezogen: „Die Bürger haben das etwas anders gesehen.” Sein Direktmandat für den Gemeinderat wird Manfred Eis nicht annehmen, das Amt des Bürgermeister wohl, denn beides zusammen geht nicht. Also wird es einen SPD-Nachrücker geben.

„Sportlich” nimmt CDU-Widersacher Seidel die 37:63-Prozent-Schlappe gegen den Amtsinhaber. „Dass es gegen Manfred Eis schwer werden würde, das war mir schon klar, und ich hatte mit einem knapperen Ergebnis gerechnet. Jetzt heißt es aufstehen und weitermachen”, erklärte am Montag ein spürbar aufgeräumter Michael Seidel, der sich nach dem Debakel rasch zurückzog, den Abend mit seiner Frau bei einem guten Glas Rotwein ausklingen ließ und „wunderbar geschlafen” hat.

„Ein Denkzettel”

Mit einem solchen Debakel für die CDU hatte der Fraktionschef allerdings nicht gerechnet. „Die Stimmung war gegen uns, das wussten wir, aber 14 Prozent der Wähler zu verlieren, die dann auch noch schnurstracks zur UWG gehen, das ist schon ein Denkzettel.” Die UWG habe den Unzufriedenen in Roetgen eine politische Bleibe geboten, doch jetzt seien die Unabhängigen „in der Realität angekommen und müssen sich damit abfinden, dass Politik nicht nur aus Widerspruch besteht, sondern auch aus Mitmachen”.

Für Seidel hat das Wahlergebnis zu einer „Verwaltungsdemokratie” geführt, denn bei der Pattsituation zwischen CDU/Grünen/FDP und SPD/UWG habe der Bürgermeister die entscheidende 27. Stimme. Seidel: „Die Stärke des Bürgermeisters wird die Schwäche des Rates sein.”

Gelassen reagierte Gerd Pagnia auf den Dämpfer für die Grünen, in Zahlen ausgedrückt auf minus 5,29 Prozent. Bei der Wahl 2004 hätten die Grünen einen Zulauf von Unzufriedenen in etwa gleicher Höhe gehabt, und diese Unzufriedenen seien diesmal komplett zur UWG abgewandert. Mit seinerzeit 20,6 Prozent sei die Marke für seine Partei in Roetgen sehr groß gewesen. Pagnia: „Mit 15,4 Prozent können wir noch leben. Die erdrutschartigen Verluste für die CDU fand ich allerdings überraschend. Die müssen jetzt mehr überlegen als wir.”

Letztlich schob der Roetgener Spitzen-Grüne dann noch noch etwas Frust: „Ich bin schon enttäuscht, dass wir ein 28-seitiges Programm mit vielen guten Sachen drin entwickelt haben und dann von einem DIN-A4-Zettel mit einigen Schlagworten drauf abgestraft werden.”

Marschrichtung festlegen

Um diesen Vorwurf nicht bei jeder Gelegenheit hören zu müssen, wird die UWG-Fraktion sich bereits morgen mit dem Vorstand und später mit den Mitgliedern zusammensetzen, um die Marschrichtung für die Zukunft festzulegen, denn mit 20,54 Prozent der Stimmen sind die Unabhängigen keine Randerscheinung.

Vorsitzender Hans-Joachim Mathée: „An diese Rolle müssen wir uns erst gewöhnen. Eigentlich hatten wir mit zwei bis drei Prozent gerechnet und wollten in den Rat, um dort mehr Öffentlichkeit herzustellen. Das Ergebnis ist auch am Tag danach immer noch unfassbar. Offensichtlich war der Frust in der Bevölkerung über die Arbeit der etablierten Parteien sehr groß.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert