„Unbekannter Soldat”: Bei 930 Toten fehlt der Name

Von: Raimund Palm
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Die Kreuzgruppen auf dem Ehren
Die Kreuzgruppen auf dem Ehrenfriedhof Vossenack, stets ausgerichtet auf das große Kreuz am Eingang der Gedenkstätte, geben der Ruhestätte für Kriegstote einen schlichten, aber würdigen Charakter. Foto: R. Palm

Nordeifel. Mauern aus Monschauer Grauwacke, dahinter hohe und dichte Reihen aus Bäumen und Gehölzen. Sie wirken wie ein Wall gegen den Lärm auf der nahen Straße und wie ein Wall gegen Hast und Hass in der weiten Welt da draußen.

Der Ehrenfriedhof in Vossenack auf der einst erbittert umkämpften Höhe 470: Da ruhen 2355 Kriegstote, darunter 35 Minensucher, wie eine Tafel vor dem Eingang zur Gedenkstätte berichtet. Vor nunmehr 60 Jahren, genau am 31. August 1952, wurde der Ehrenfriedhof durch den Staatssekretär Franz Thedieck vom damaligen Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen eingeweiht.

Viele tausend Besucher waren gekommen, um die Feierstunde mitzuerleben und um den Toten die Ehre zu erweisen. Der morgige Volkstrauertag - ein Gedenktag gegen das Vergessen. Auch Kriegsgräberstätten sind Orte der Besinnung und Mahnung zum Frieden. 18 Soldatenfriedhöfe gibt es im weiten Eifelland. Sie geben Zeugnis von den schweren und blutigen Kämpfen, die im Krieg im der Eifel getobt und getötet haben.

Mehr als 13.000 Kriegstote haben auf diesen Friedhöfen ihre letzte Ruhe gefunden. Der größte und bekannteste Soldatenfriedhof ist der Ehrenfriedhof in Hürtgen, 2998 Kriegstote sind hier bestattet. 2355 Tote hat die Erde des Soldatenfriedhofes in Vossenack inzwischen aufgenommen - damals am Tag der Einweihung von 60 Jahren waren es 2108 Soldaten und 35 Minensucher.

Seither gab es Umbettungen, etwa aus den Dörfern, die dem Braunkohleabbau zum Opfer gefallen sind. So wurden allein im Februar 1986 neunzig Kriegstote aus Licht-Steinstraß nach Vossenack überführt.

„Gedenket unserer Toten im Osten”, mahnt ein Gedenkstein unter einer mächtigen Eiche am Steinweg, der von der Straße nach Simonskall zum Ehrenfriedhof führt.

In 42 Grabreihen, die mit Blaugras bewachsen sind, ruhen die Männer, die als Soldaten und Minensucher ihr Leben lassen mussten. In kleine Steintafeln sind Name, Geburts- und Todesjahr eingemeißelt, doch nach 60 Jahren verblassen und verwittern die Namen auf den Tafeln immer mehr. Von 930 Toten ist der Name nicht bekannt: Unbekannter Soldat steht dann auf der Tafel. In den Grabfeldern sind Kreuzgruppen im Rhythmus von Dreier- und Fünfergruppen aus Theumaer Schiefer (Theuma liegt im sächsischen Vogtland) errichtet, sie geben dem Totenfeld eine eindringliche Wirkung.

Der Ehrenfriedhof wird gleichsam beherrscht vom mächtigen Kreuz am Anfang und vom Sarkophag aus Eifeler Basalt an der Stirnseite des Gedenkstätte, die Inschrift: Hier ruhen deutsche Soldaten. 1939-1945. Frische Blumen, Gestecke und brennende Kerzen an manchem Grab zeigen mitunter: Noch nicht alle, die hier ruhen, sind vergessen.

Was Staatssekretär Franz Thedieck vor 60 Jahren bei der DEinweihung sagt, gilt bis heute: „Es ist unsere Hoffnung, dass diese Toten Mahner zum Frieden bleiben. Daher müssen unsere Kriegsgräber als Mahnmale gegen den Krieg erhalten bleiben und so auch von den nachfolgenden Generationen verstanden werden.”

Mit den Arbeiten am Ehrenfriedhof Vossenack wurde im Spätsommer 1949 begonnen. Doch ohne Probleme lief das Projekt nicht ab. So gab es Streit zwischen Hürtgen (Kreis Düren) und Vossenack (Kreis Monschau) in der Frage, wo denn der geplante Ehrenfriedhof errichtet werden solle. Anfang Mai 1949 wurde der „Streit um den Hürtgenwald-Friedhof beigelegt”, wie damals die Lokalzeitung berichtet.

Vermittelt hatte zwischen den Kreisen Düren und Monschau eine Kommission des Landesverbandes der Kriegsgräberfürsorge. Das Ergebnis: Im Bereich beider Orte wird „je ein Friedhof angelegt”, in Hürtgen der größere, in Vossenack der kleinere. Auf dieser Ehrenstätte („am Tal des Todes”, so überschrieb die Lokalzeitung 1952 den Beitrag über die Einweihung”) haben die im ehemaligen Kreis Monschau bestatteten Kriegstoten ihre letzte Ruhestätte gefunden - mit Ausnahme derjenigen auf dem Gemeindefriedhof in Lammersdorf, dort ruhen 58 deutsche Kriegstote.

Im Dezember 1949 wurde zum Beispiel die Gemeinde Kalterherberg aufgefordert, die auf ihrem Ehrenfriedhof bestatteten Toten auf den Ehrenfriedhof nach Vossenack umbetten zu lassen, was der Gemeinderat dann jedoch zunächst ablehnte.

Streit gab es auch um das Hochkreuz auf der Gedenkstätte: Der Monschauer Kreistag hatte gefordert, hinter dem Sarkophag ein großes Kreuz aufzustellen, denn „auf einem Friedhof inmitten der christlichen Eifel” müsse ein Kreuz stehen. Doch der Volksbund der Kriegsgräberfürsorge lehnte ein Hochkreuz am Sarkophag ab, vielleicht sei ein Kreuz an „anderer Stelle” möglich”.

Der Kreistag in Monschau ließ nicht locker. Dann gab es mehrere Entwürfe, doch der Volksbund sah sich außerstande, das Kreuz zu finanzieren. Nach langem Streit und eifrigen Debatten war es dann so weit: „Das Hochkreuz wird errichtet, die Pläne wurden bereits genehmigt”, berichtete Anfang Februar die Lokalzeitung”. Seit der kommunalen Neugliederung steht der Ehrenfriedhof in Vossenack in der Obhut des Kreises Düren.

Der Kreisverband Düren des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) lädt für Sonntag, 18. November, zum Gedenken an die Gefallenen der Weltkriege und die Opfer von Krieg und Gewalt ein. Die zentrale Gedenkfeier des Kreises Düren beginnt um 10.30 Uhr auf der Kriegsgräberstätte Hürtgen. Die musikalische Gestaltung liegt in den Händen der Volksmusikanten Vossenack, der Sangesfreunde Hürtgen sowie des Tambourcorps Rheingold Hürtgen.

Landrat Wolfgang Spelthahn, Vorsitzender des VDK-Kreisverbandes Düren, appelliert an alle Bürgerinnen und Bürger, durch ihre Teilnahme an der Gedenkfeier mit Kranzniederlegung ein in der Öffentlichkeit deutlich wahrnehmbares Zeichen für den Erhalt des Friedens und für Demokratie, Toleranz und Freiheit zu setzen.

Mit einem Gedenkgottesdienst beginnt der Volkstrauertag bereits um 9.15 Uhr in der Katholischen Pfarrkirche Hürtgen. Im Anschluss an das Gedenken auf dem Ehrenfriedhof Hürtgen erfolgt eine Kranzniederlegung auf dem Ehrenfriedhof Vossenack.

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