Ultralauf: Drei verwegene Eifeler erklimmen die Zugspitze

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Marion und Wolfgang Braun (hier beim Monschau-Marathon 2012, waren kürzlich beim 100 km-Zugspitz-Ultratrail am Start. Foto: H. Schepp

Nordeifel. Zum dritten Mal waren die Zugspitze, das Wettersteingebirge und das Zugspitzdorf Grainau Mittelpunkt einer Trailveranstaltung und brachten viele Ultraläufer in die oberbayerische Zugspitzregion. Auch drei verwegene Eifeler waren nach Garmisch-Partenkirchen aufgebrochen.

Marion Braun (SV Germania Eicherscheid) und Wolfgang Braun (TV Konzen) nahmen die 100 Kilometer in Angriff und Sascha Jansen (DJK JS Herzogenrath), stellte sich der kürzeren Variante, dem Supertrail.

Zwei Strecken standen zur Auswahl. Zum einen der Zugspitz-Ultratrail mit 100 Kilometern und 5420 Höhenmetern bergauf so wie bergab und zum anderen der Zugspitz-Supertrail mit 68,8 Kilometern und 3120 Höhenmetern.

Zur Absicherung des Veranstalters musste ein ärztliches Attest vorgelegt und eine Haftungserklärung unterschrieben werden, die besagte, dass der Läufer alle Regeln und Vorschriften vollständig gelesen und verstanden hatte und das der Veranstalter für keine Schadensersatzansprüche haftbar gemacht werden kann.

Desweiteren war eine zusätzliche Pflichtausrüstung, wie Rucksack mit 1,5 Liter Flüssigkeit, lange Laufhose, langes Laufshirt, regendichte Jacke, Mütze, Handschuhe, Rettungsdecke, Stirnlampe und Ersatzbatterien (Stöcke als Empfehlung) vorgeschrieben, die am Morgen vor dem Start bei jedem einzelnen kontrolliert wurde, ansonsten wäre die Startgenehmigung nicht erteilt worden.

Auf der Strecke gab es ca. 20 Kontrollen, die den Durchgang jedes einzelnen Läufers festhielten. An fünf Stellen wurden Zeitlimits vorgegeben, an denen Läufer nach Überschreiten dieser Zeit aus dem Rennen genommen wurden, da danach nicht mehr mit einer Beendigung des Rennens im vorgegebenen Zeitrahmen gerechnet werden konnte.

Beim 100 Kilometer Ultratrail waren es 520 Männer und 50 Frauen, die sich der Herausforderung stellten und 600 Teilnehmer kamen noch mal beim Supertrail hinzu.

Die Spannung für solch ein Unternehmen steigert sich in den Tagen vor dem Start enorm und so war jeder Läufer froh, als dann am um 7.15 Uhr der Startschuss in Grainau fiel. Wer jedoch dachte, er könne sofort losrennen, hatte nicht mit der örtlichen Blasmusik gerechnet, die die ersten 100 Meter bis zur Startmatte, wo die offizielle Zeit genommen wurde, munter musizierend vor der Läuferschar herzog.

Der erste Kilometer führte über die Hauptstraße von Grainau (744 m), bevor es gleich steil bergauf in den Bergwald hinauf zur Höllentalklamm und weiter zur ersten Verpflegungsstelle am Eibsee (1018 m) bei Kilometer 10 ging.

Im Anschluss kam der erste zu bewältigende Anstieg, einer Skipiste folgend zur Hochtörlenhütte und damit zum Grenzübergang nach Österreich. Auf nur 4,5 Kilometern überwanden die Läufer fast 450 Höhenmeter. Sogleich ging es ebenso steil, auch entlang einer Skiabfahrt wieder abwärts zur Talstation Ehrwalder Zugspitzbahn mit der zweiten Verpflegung bei Kilometer 17,4.

Je höher man kam, desto steiler wurden die Pfade und waren zu dem noch voller Steine und Geröll. Hinzu kam, durch die spät eingesetzte Schneeschmelze die Wege zum Teil sehr nass, rutschig und matschig waren. Die Sicht war bedingt durch dichten Nebel indes gleich Null.

Auf dem höchsten Punkt der Strecke (2200 Meter) war allergrößte Vorsicht bei jedem Schritt gefragt, um ein Verlaufen oder gar einen Absturz zu verhindern.

Der Steilabstieg vom höchsten Punkt war durch ein ca. 300 Meter langes Schneefeld gekennzeichnet, das noch lange in Erinnerung bleiben wird. Hier konnte man die verschiedensten Down Hill Aktionen beobachten. Die einen, die sich an dem gespannten Seil Schritt für Schritt herunterhangelten, dann die, die wohl das Seil und Halt verloren hatten und einigermaßen gut auf dem Allerwertesten runter rutschten und dann die geübten, die unter Freudenschreien, ähnlich einer Skiabfahrt, auf beiden Füßen stehend, hinunter glitten.

Da war man doch froh, endlich an der Hämmermoosalm (1417 m/42 km), angekommen zu sein, auch wenn jetzt auf den nächsten sechs Kilometern 630 Höhenmeter zum Scharnitzjoch auf 2048 Meter zu bewältigen waren.

Bei Kilometer 57 am Hubertushof Reindlau wurde die fünfte Verpflegungsstelle erreicht, jeder Läufer wurde hier von einem Arzt gecheckt und gegebenenfalls aus dem Rennen genommen.

Ab Mittenwald wendete sich die Strecke gen Westen nördlich des Wettersteingebirges zurück nach Grainau. Es folgte ein moderater Anstieg auf breiten Forstwegen, über sechs Kilometer und 250 Höhenmeter, bei denen auch wieder gelaufen werden konnte, wenn man denn nach 12 Stunden auf den Beinen noch etwas in den Beinen hatte. Das sollte man eigentlich, denn noch stand das große Finale bevor!

Grainau liegt auf 744 Meter Höhe, jedoch sollten die letzten 21 Kilometer noch einmal alles von den Läufern abverlangen, denn es galt die 2029 Meter hoch gelegene Bergstation der Albspitzbahn zu bezwingen. Alleine diese Vorstellung genügte manchem Läufer an dieser Stelle, das Rennen zu beenden. Spätestens ab hier „lief man mit dem Kopf“.

Für die Läufer des Mittelfeldes setzte dazu an dieser Stelle auch die Dunkelheit ein, was den weiteren Rennverlauf über ca. sechs Stunden im Lichtkegel der Stirnlampe bedeutete.

Auf einem endlos erscheinenden steilen Zickzack-Gebirgsweg mit Felsstufen und Wurzeln und ohne Aussicht auf die vorletzte und gleichzeitig letzte Verpflegungsstelle an der Talstation Längenfelder (Kilometer 88/1610 Meter), zogen die Läufer, immer wieder als Glühwürmchen im Wald auszumachen, gedankenversunken und nur noch das Ziel vor Augen, hinauf.

Oben angekommen, wurde man für die Anstrengungen beim Anblick der Lichter von Grainau und Garmisch, 1300 Meter tiefer unten im Tal liegend, belohnt und für einen Augenblick konnte man den noch bevorstehenden Abstieg vergessen, obwohl viele Läufer weit mehr als 16 Stunden auf den Beinen waren. Selbst bei Tage wäre dieser Pfad eine Herausforderung.

Doch noch lange nicht genug. Nach der letzten Verpflegungsstation ging es mindestens ebenso steil weiter, über einen Pfad mit hoch stehenden Wurzeln und vielen extrem rutschigen Teilstücken, so dass selbst die profilierten Trailschuhe kaum Halt fanden. Wer allerdings in Grainau ankommen wollte, musste auch diese endlos erscheinenden Kilometer mit voller Konzentration in Angriff nehmen.

Große Absturzgefahr

Auf diesem schwierigen Streckenteil hatte der Veranstalter eine hohe Dichte an Bergwachtposten eingesetzt, da die Absturzgefahr wohl doch sehr hoch war und im Notfall schnelle Hilfe gewährleistet sein sollte. Die Bergwacht notierte peinlich genau die Startnummern der Läufer um sicherzugehen, dass alle wohlbehalten durchkamen und keiner auf der Strecke verloren ging.

Endlich im Tal bei Hammersbach angekommen, verliefen die letzten 1,5 Kilometer auf der Straße bis zum Musikpavillon am Kurhaus von Grainau. Wolfgang Braun: „Auf diesen letzten Metern wurde einem bewusst, was man in den letzten Stunden getan und was man in wenigen Minuten vollbracht haben würde. Ein unbeschreibliches Glücksgefühl durchzog den Körper, die angespannte Konzentration verflog und wich der Erleichterung, es geschafft zu haben“.

Auch wenn Mitternacht längst vorbei war, die Sieger schon viele Stunden vorher hier gefeiert wurden, so wurde jeder ankommende Trailläufer über Lautsprecher wie ein Sieger begrüßt.

Nach Erhalt der hoch verdienten Zugspitzultra-Medaille und dem Finisher-T-Shirt sehnte sich der Körper nach einer Dusche und dann nur noch aufs Liegen!

Die Siegerehrung am Sonntagmorgen brachten dann die Ergebnisse aufs Papier:

Marion Braun hatte für die 100 Kilometer mit einer Zeit von 19:03 Stunden, den 10. Platz in der Frauengesamtwertung von 54 gestarteten und 39 Finishern erreicht. Darüber hinaus erreichte sie den 1. Platz in ihrer Altersklasse W55, der jedoch vom Veranstalter nicht gesondert gewertet wurde.

Wolfgang Braun benötigte indes für die 100 Kilometer 20:04 Stunden, womit Platz 226 von 520 startenden Männer (110 gaben auf) erreicht wurde.

Auch Sascha Jansen war mit seinem Ergebnis, von 10:46 Stunden, auf der 69,9 Kilometer Strecke und dem damit verbundenen 98. Platz, von 354 Männern im Ziel, sehr zufrieden.

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