Über Radio Aachen kreist der Pleitegeier

Von: Stephan Mohne
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Bleibt trotz Insolvenz vorerst auf Sendung: Radio Aachen sucht erneut einen Käufer. Foto: Plitzner

Aachen. „Die Stimmung ist überraschend gut”, sagt Olaf Theißen. Und der Chefredakteur fügt an: „Es herrscht ein unbedingter Kampfeswille.” Dabei könnte die Stimmung im Haus an der Bahnhofstraße 18 auch denkbar mies sein.

Denn einmal mehr kreist über Radio Aachen der Pleitegeier. Am Freitag hat die Betriebsgesellschaft (BG) des Lokalsenders Insolvenz angemeldet, woraufhin dies auch die Veranstaltergemeinschaft (VG) tun musste. Die VG besitzt die Lizenz zum Senden und beschäftigt die Redakteure, hat aber kein eigenes Geld.

Es ist gerade einmal sieben Jahre her, dass dem Sender das Geld ausging. In letzter Sekunde wurde er damals von Investoren gerettet. Theißen selbst erlebte die Situation damals als Redakteur mit. Und auch andere Mitarbeiter sind krisengestählt. So sagt der Chefredakteur, dass die missliche Lage auch die Chance für einen Neubeginn sein könnte.

Radio Aachen habe es verdient zu überleben, „schließlich sind wir der einzige richtige Aachener Sender”. Theißen sieht den Sender auf dem richtigen Weg: „Wir sind dabei, unseren Ruf deutlich zu verbessern.” Da sei es natürlich fatal, dass just dieser Ruf nun wieder in Mitleidenschaft gezogen werde.

Vorerst jedenfalls wird kein Rauschen auf der Frequenz des Senders - der angestammten „100,1” - zu hören sein. Der Betrieb geht während des vorläufigen Insolvenzverfahrens weiter. Diese drei Monate will man nutzen, wie Hans-Josef Thouet, Vorsitzender der Veranstaltergemeinschaft betont.

Natürlich sei es nicht einfach, einen neuen Besitzer zu finden. Aber zumindest die Chance sei da. So wie bisher, wäre es jedenfalls nicht weitergegangen, ist sich Thouet sicher. Zu groß seien die Schwierigkeiten gewesen. Nun könne man „unbekümmert” an die Investorensuche gehen. Das wird in erster Linie auch das Betätigungsfeld des vorläufigen Insolvenzverwalters sein.

Der heißt wie schon im Jahr 2002 Frank Wiedemann. Damals „betreute” er die VG, heute die BG. Der Rechtsanwalt kennt sich also längst im Radiometier aus. Die Gründe für die finanzielle Schieflage lägen, so Wiedemann gestern, eindeutig im knappen Werbemarkt. Etwas mehr Umsatz, und der Betrieb rechne sich wieder. Der Jurist macht sich jetzt auf die Suche nach einem Käufer.

Möglich ist auch, dass erneut Gedankenspiele auf den Tisch kommen, die es schon bei der ersten Pleite gab - nämlich eine Kooperation mit einem anderen privaten Sender aus der Region. Davon gibt es mit Antenne AC (Kreis Aachen) und „100,5” (Belgien) mindestens zwei. Diese Anzahl ist für ein solch kleines Gebiet eigentlich aus wirtschaftlichen Gründen zu hoch.

Die Gründe für diese Konzentration nennt Hans-Josef Thouet ungeschminkt: „Daran ist ganz klar die Politik Schuld.” Trotzdem gelte es nun, „einen gut funktionierenden Sender auf stabile Füße zu stellen”.
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