Aachen - Über den Dom erzählte er stets mit Leidenschaft

Über den Dom erzählte er stets mit Leidenschaft

Von: Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:
Starb im Alter von 64 Jahren:
Starb im Alter von 64 Jahren: Roland Wentzler.

Aachen. Wenn Roland Wentzler über den Aachener Dom erzählte, funkelten seine Augen vor Begeisterung. Dann kramte er in seinem umfangreichen Archiv und zog gerne Geschichten von anno dazumal hervor, über Kaiser Karl, über den Baumeister Odo von Metz, der die Aachener Königspfalz baute, die 798 eingeweiht wurde.

Am Dienstag ist Roland Wentzler, Pressesprecher des Domkapitels und Geschäftsführer der Europäischen Stiftung für den Aachener Dom, kurz vor Vollendung seines 65. Lebensjahres überraschend gestorben. Der tief erschütterte Dompropst Helmut Poqué sagt über Roland Wentzler: „Uns allen werden seine begeisternden Domführungen, seine Veröffentlichungen und sein fast unerschöpflicher Ideenreichtum für die Aktion ?Der Aachener Dom braucht Hilfe in Erinnerung bleiben.”

Wentzler hatte viel Humor. Lachend erzählte er über den Gebrauch von Tontröten, die im Mittelalter von den Hunderttausenden Pilgern mitgebracht wurden und auf denen sie einen unheimlichen Lärm veranstalteten, wenn während der Heiligtumsfahrten die vier Hauptheiligtümer des Aachener Münsters gezeigt wurden.

Anschaulich erklärte er, warum die Häuser rund um den Dom Flachdächer haben: „Damit die Pilger besser die Heiligtümer sehen konnten.” Um dann zu erzählen, dass an vielen Häusern Gerüste angebracht wurden, auf denen Pilger gegen Bezahlung Platz nehmen konnten. „Eine gefährliche Angelegenheit war das”, sagte Wentzler, „denn öfter brachen diese Gerüste zusammen, und dann gab es Tote und Verletzte.”

Der Aachener Dom war für Wentzler Anliegen und Berufung zugleich. Er verstand es, die Belange der Marienkirche Karls des Großen nachdrücklich zu vertreten, ohne sich selbst in den Vordergrund zu schieben. Schließlich war er seit der Gründung der Europäischen Stiftung für den Aachener Dom im Jahr 1995 deren Geschäftsführer. Das Große und Ganze der Kathedrale verlor Wentzler nie aus den Augen, was ihn aber so sympathisch machte, waren seine Erzählungen „aus dem Leben”.

Stress bei der Heiligtumsfahrt

Bei der Heiligtumsfahrt legte sich Roland Wentzler besonders ins Zeug. Er wurde nicht müde, den Aachener Journalisten Gesprächspartner aus aller Welt zu vermitteln, ob es nun ein Budapester Wallfahrer war oder ein Kardinal aus Südamerika. Der von ihm eigens reservierte Tisch, der „heilige Stammtisch” für Aachens Zeitungsschreiber vor der Albrecht-Dürer-Stube, wurde alle sieben Jahre zum Pressezentrum.

Roland Wentzler, geboren am 28. Oktober 1947, war ein überzeugter Öcher. Seine schulische Laufbahn begann der Magister Artium für Kunst- und Baugeschichte an der Katholischen Volksschule Brand. Nach acht Volksschuljahren begann Wentzler eine Lehre als Bauzeichner, um anschließend an der Gewerblichen Schule I am Blücherplatz die Fachhochschulreife zu erlangen. Am Friedrich-Spee-Kolleg in Neuss bestand er die Abiturprüfung. Danach studierte er an der RWTH. Vor 32 Jahren trat Wentzler in den Bistumsdienst ein.

Zunächst wirkte er von 1980 bis 1990 als Referent für Jugendpädagogik im Haus Eich, danach war er fünf Jahre lang im Auftrag des Domkapitels für die Förderung der Innenstadtpastoral zuständig. 1995 übernahm Wentzler zusätzlich die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für den Aachener Dom.

Die Termine der feierlichen Exequien und der Bestattung stehen noch nicht fest.
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