Simmerath - „Tuppes”: Beleidigung oder nicht?

„Tuppes”: Beleidigung oder nicht?

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Simmerath. Ob das Wort „Tuppes” bereits eine Beleidigung darstellt, war auf die Schnelle nicht zu klären. Dass aber zwei Kontrahenten, die sich mit derartigen Vokabeln bewerfen, gute Chancen haben, vor dem Schiedsmann zu landen, wurde nicht ausgeschlossen.

Dieser Schiedsmann heißt Prof. Dr. Detlef Müller-Böhling, pensionierter Hochschullehrer, der mit seiner Versetzung in den Ruhestand vor dreieinhalb Jahren „nicht zufällig” den Entschluss fasste, sich in Woffelsbach niederzulassen.

Der Eifel verbunden

Die Vorzüge der Eifel schätzt Müller-Böhling schon lange, denn der ehemalige Wirtschaftswissenschaftler und Rektor der TU Dortmund kommt bereits seit 1962 zum Segeln an den Rursee. Er war bisher Stellvertreter des Schiedsmanns Wilfried Sistermans, der für eine weitere fünfjährige Amtszeit nicht mehr zur Verfügung stand. Die neue stellvertretende „Schiedsperson” (im Behördendeutsch ist ein Schiedsmann ein Neutrum) ist Ralf Windhorst aus Lammersdorf, bei der Bundeswehr Ausbilder für Meisterkandidaten in verschiedenen Fachbereichen, so dass das Gemeindegebiet auch in der Fläche gut abgedeckt sei, wie Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns scherzhaft bemerkte.

Der Verwaltungschef dankte Wilfried Sistermans, der verhindert war, für dessen ehrenamtliches Engagement und bedauerte sein Ausscheiden. Gleichwohl wünschte er dem „neuen Duo” ein glückliches Händchen bei der „nicht einfache Aufgabe”, zwischen zwei oder noch mehr streitenden Parteien vermitteln zu müssen.

Dabei habe die „Schiedsperson” nicht die juristischen Möglichkeiten eines Richters. Doch gehe es dabei auch weniger um die Handhabung des Strafrechts als viel mehr darum, Konsens herzustellen. Bei der Suche nach einem Kompromiss sei deshalb nicht nur Geduld, sondern auch Fingerspitzengefühl gefragt. „Aber es macht ja auch Spaß, Rechtsfrieden herzustellen”, betonte Monschaus Amtsgerichtsdirektor Robert Plastrotmann: „Es ist doch schön, wenn nachher alle zufrieden und mit einem leichten Grinsen im Gesicht dem Raum verlassen.” Es gehe schließlich nicht darum, „selbst toll dazustehen” oder ein Urteil gefällt zu haben, „sondern um den Rechtsfrieden”.

Etwa zehn Fälle pro Jahr hat der Schiedsmann im Durchschnitt in Simmerath auf dem Tisch, viel weniger als anderswo, wie Ralf Windhorst anmerkte. Womöglich habe der Eifeler als solcher eine andere Streitkultur, wurde allseits festgestellt. Doch was beim Schiedsmann landet, hat es zumeist in sich. Natürlich werden dabei auch die üblichen Klischees bedient. Darf eine Hecke zum Nachbargrundstück ein Meter sechzig oder ein Meter achtzig hoch sein? Es dauert, so Müller-Böhling, zumeist eine gute halbe Stunde, bis man sich auf einen Meter siebzig geeinigt hat.

Es gebe auch Fälle, weiß Robert Plastrotmann, da gehe es nicht wirklich um die Hecke. Sie sei lediglich der vordergründige Anlass für tiefgreifende Nachbarschaftsstreitereien, in die bereits die Väter, manchmal sogar die Großväter der aktuellen Streithähne verstrickt waren. Plastrotmann: „Dann wird es für den Schiedsmann schwierig.”

Offensichtlich aber nicht zu schwierig, denn in acht von zehn Fällen wird der Streit beigelegt. Die restlichen 20 Prozent gehen nicht automatisch zu Gericht. Doch weiß Amtsgerichtsdirektor Plastrotmann aus eigener Erfahrung: „Was schon beim Schiedsmann schwierig war, das bleibt auch vor Gericht schwierig.”
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