Tumulte und Emotionen rund um das Thema Gülle

Von: fm
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In welchem Umfang wird fremde Gülle in die Eifel transportiert? Die Diskussion darüber hat Fahrt aufgenommen.

Kalterherberg. Der sogenannte Gülletourismus aus den Niederlanden und Norddeutschland in weite Landstriche von Nordrhein-Westfalen ist schon länger ein kontrovers diskutiertes Thema. Auch in der Nordeifel mehren sich Stimmen, die auf ein ansteigendes Aufkommen von Gülletransporten hinweisen.

Bürger aus Kalterherberg haben sich nun einem überörtlichen Gülle-Forum angeschlossen. In einer Informationsveranstaltung im Hotel Hirsch sollte erörtert werden, was es mit dem Gülletourismus im allgemeinen und insbesondere in der Nordeifel auf sich hat. Das Thema stieß auf hohes Interesse. Viele Landwirte aus der näheren Umgebung waren nach Kalterherberg gekommen. Neben Bürgern aus dem Ort waren auch mehrere Vertreter von Rat und Verwaltung der Stadt Monschau zu Gast. Gleiches galt für den Wasserversorgungszweckverband Perlenbach und die Kreisstelle der Landwirtschaftskammer.

Als örtlicher Vertreter des Gülle-Forums war Herbert Prümmer überrascht, wie viele Besucher sich im Saal des Hotels eingefunden hatten. Herbert Prümmer forderte, dass der illegale Transport holländischer Gülle gestoppt werden müsse. „Das darf nicht so bleiben. Unsere Bauern sind in den Klauen von Großkonzernen, die sie über den Tisch ziehen. Massentierhaltung und damit einhergehender Gülletourismus werden auch nach neuen gesetzlichen Vorgaben aus Brüssel nicht zurückgedrängt“, schimpfte Prümmer.

Nach diesem sehr emotionalen Einstieg versuchte Reiner Hilbrich als Vorsitzender der Dörfergemeinschaft Thürne (Houverath, Lanzerath, Eichen, Limbach, Maulbach, Scheuren und Wald), die sich im Raum Euskirchen und angrenzenden Teilen der Eifel schon länger gegen den Gülletourismus aus fremden Herkunftsgebieten zur Wehr setzt, auf sachlicher Ebene zu informieren. Die Viehhaltung in der Eifel sei gegenüber anderen Landstrichen deutlich niedriger.

Das hier anfallende Gülleaufkommen könne somit vor Ort aufgebracht werden. Das gelte aber nicht für die Massentierhaltung außerhalb der Eifel. Diese Betriebe müssten auf andere Gebiete ausweichen. Als Beispiel führte Hilbrich die belgische Region Brabant an. Dort würden acht Millionen Tonnen Gülle mehr produziert als sich verbrauchen ließen. Die Überschüsse „aus der toxisch hoch belasteten und mit Plastikmüll versetzten Gülle“ landeten in Deutschland.

Den Vortrag von Reiner Hilbrich begleitete mit zunehmender Dauer immer stärker aufkommende Unruhe. Die Landwirte aus dem Monschauer Raum, alteingesessene und auch junge Betriebsinhaber, fühlten sich als illegale Gülletransporteure angegriffen. Solche Unterstellungen wiesen sie wiederholt vehement und lautstark zurück.

Veranstaltung droht zu platzen

Biologin Katharina Schmidt-Loske und Justiziar Erwin Schäfer, ebenfalls in der Dorfgemeinschaft Thürne aktiv, versuchten einzulenken, was aber nichts am zunehmenden Unmut der ortsansässigen Landwirte änderte. Die Wellen der Emotion schlugen so hoch, dass die Fortführung der vorbereiteten Referate ganz zum Erliegen kam. Laut und massiv verteidigten sich vor allem die jungen Leute aus der heimischen Landwirtschaft gegen pauschale Vorwürfe, während ältere Landwirte auf die Kooperationsverträge mit dem Wasserversorgungszweckverband Perlenbach verwiesen. Die Landwirte verwiesen auf die sehr guten Nitratwerte in der Region und es bedürfe keiner Import-Gülle.

Neben den Einwänden der Landwirte meldete auch Elisabeth Hunf für die Geschäftsstelle der Landwirtschaftskammer Aachen-Düren-Euskirchen zu mehreren Aussagen der Referenten Widerspruch an. Den Vorwurf, die Kammer kümmere sich nicht um das Problem Gülle, wies sie entschieden zurück. Jeder anstehende Fall werde von der Kammer aufgegriffen und entsprechend den Erfordernissen begleitet.

Die Tumulte im Saal setzten sich aber weiter fort, und manche Gäste verließen genervt den Saal. Es drohte gar eine Auflösung der Versammlung ohne greifbare Ergebnisse. Dem schob Bürgermeisterin Margareta Ritter einen Riegel vor. Der Abend habe alle hinreichend für das Thema illegaler Gülletransport sensibilisiert, stellte sie fest. Die Thematik werde demnächst im Umweltausschuss der Stadt Monschau aufgegriffen. Dort sollen alle damit zusammenhängenden Fragen transparent gemacht werden. Es gehe nicht an, die Landwirte pauschal zu kriminalisieren.

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