Trump und die Eifel: „Amerikaner sind politischer geworden“

Von: P. St.
Letzte Aktualisierung:
14107036.jpg
Sieht die Geschäftsbeziehungen zu den USA trotz des Präsidentenwechsels nicht bedroht: Markus D. Werner, kaufmännischer Geschäftsführer der Otto Junker GmbH in Lammersdorf. Foto: P. Stollenwerk
14108277.jpg
Den Junker-Standort in Chicago sieht das Lammersdorfer Unternehmen nicht gefährdet. Foto: Junker

Lammersdorf. Donald J. Trump: Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten ist seit dem 20. Januar 2017 im Amt. Doch bereits seit seiner Wahl am 8. November 2016, die für viele Beobachter überraschend kam, wird weltweit über das veränderte Gesicht der USA gesprochen. Mit Chaos, Unberechenbarkeit und Überforderung beschreibt die Welt außerhalb Amerikas schlagwortartig den Regierungsstil des neuen Präsidenten.

Auch viele europäische Unternehmen waren plötzlich verunsichert, inwieweit die mächtigste Nation der Erde noch ein verlässlicher Handelspartner ist.

Zu diesen Handelspartnern gehört auch der Lammersdorfer Industrieofenbauer Otto Junker, einer der Marktführer weltweit in der Branche. Der größte Arbeitgeber in der Gemeinde Simmerath mit rund 500 Mitarbeitern am Standort Lammersdorf unterhält weltweit acht Standorte, darunter auch zwei Niederlassungen in den USA- einmal in West-Chicago und im Bundesstaat Michigan. Zwar sind an diesen beiden Standorten nur rund zehn Mitarbeiter beschäftigt, aber als Kompetenzzentren für Wartung und Vertrieb in den USA haben die beiden Unternehmen für Junker eine große Bedeutung.

Seit dem 8. November 2016 war Markus D. Werner, der kaufmännische Geschäftsführer der Otto Junker GmbH bereits viermal auf Geschäftsreise in den USA, und selbstverständlich waren dabei auch der neue US-Präsident und mögliche Auswirkungen auf die Geschäftsbeziehungen ein großes Thema. Werner, der früher auch selbst einige Jahre in den USA gelebt hat, hat sich sein eigenes, differenziertes Bild über die Trump-Nebenwirkungen auf die Wirtschaftsentwicklung im Lande gemacht.

Der Junker-Geschäftsführer kann nach seinen ersten Beobachtungen und Erfahrungen kein Amerika erkennen, dem das Chaos droht. Auch die Wirtschaftsbeziehungen sieht er bislang nicht instabil. Die Innen- und Außenbetrachtung Amerikas sei völlig unterschiedlich. Während in Europa Bedrohungsszenarien dominierten, betrachteten die US-Bürger die politische Lage wesentlich entspannter.

Einen gravierenden Unterschied hat er gegenüber seinen früheren Besuchen aber festgestellt: „Früher wurde in den USA kaum über Politik gesprochen; da waren Washington und New York weit weg. Das hat sich inzwischen dramatisch geändert. Die Amerikaner sind politischer geworden.“ Überall werde man als Europäer heute angesprochen, sowohl von den Befürwortern wie auch den Trump-Gegnern.

Die Amerikaner hätten auch kein Problem damit, ihre Emotionen und Positionen offen zu kommunizieren. Und noch eine veränderte Entwicklung hat der Unternehmenschef festgestellt: In den USA seien die Menschen dem Amt des Präsidenten stets mit hohem Respekt begegnet. Von diesem Respekt sei inzwischen einiges verloren gegangen.

Insgesamt sei die politische Diskussionskultur in der amerikanischen Gesellschaft viel intensiver geworden. Europäer und gerade Deutsche seien oft über das politische Amerika vor Trump besser im Bilde gewesen als die Amerikaner selbst, aber plötzlich seien die Leute viel stärker sensibilisiert für die US-Innenpolitik. Das kritische und abwägende Moment in der Auseinandersetzung fehle allerdings häufig: „Es wird sehr stark polarisiert.“ Man müsse aber auch wissen, dass in den US-Medien die Geschehnisse außerhalb des eigenes Landes so gut wie keine Rolle spielten.

Eine Ausnahme seien in jüngster Zeit allerdings die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln gewesen. „Auf dieses Thema bin ich von Geschäftsfreunden immer wieder angesprochen worden.“ Markus D. Werner kennt die amerikanische Mentalität gut genug, um sagen zu können, dass Trump auch ein „Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft ist. Er repräsentiert die klassische weiße Mittelschicht.“ Dass er seine Ankündigungen aus dem Wahlkampf nun „knallhart umsetzt, kommt in der Bevölkerung gut an“.

Auswirkungen auf die Geschäftsbeziehungen zu den USA kann Markus D. Werner für sein Unternehmen bislang nicht erkennen: „Die Kunden bestellen weiter bei uns.“ Der Trump-Slogan „Make America great again“ habe in der amerikanischen Wirtschaft durchweg den Willen zu neuen Investitionen ausgelöst. Der unverkennbar vorhandene Investitionsstau könne auch eine Belebung auslösen.

Die Junker-Standorte in den USA betrachte man daher auch als durchaus gesichert: „Wir sind seit 30 Jahren vor Ort, und ich sehe uns mit Wachstumschancen auch noch weitere 30 Jahre dort.“Ganz ohne Sorge aber sieht auch der Junker-Geschäftsführer die künftige Ausrichtung der US-Außenpolitik nicht: „Unsere Sorge als Unternehmen ist, dass wir noch nicht wissen, was an möglichen Einfuhrbeschränkungen zu erwarten ist“, sagt Werner.

Auch mögliche Auswirkungen bei den künftigen Einreisebedingungen sind für ihn derzeit schwer einzuschätzen, auch wenn er selbst bei seinen Reisen keinen Unterschied zu früher spürte.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert