Eicherscheid - Trude Heiler auf der Spur Eifeler Schicksale

Trude Heiler auf der Spur Eifeler Schicksale

Von: M. S.
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Die Erforschung Eifeler Familiengeschichte(n) hat es Trude Heiler getan. Die 86–jährige Hobby–Historikerin hat eine über mehr als 300–Jahre reichende Chronik ihres Heimatortes erstellt.

Eicherscheid. Nicht–Eifeler Ohren kommen solche Alltagsbegriffe für „den eingeweihten Nachbarn von nebenan“ spanisch vor: „Bäckermathes“, „Meartches Crines“ oder „Schmettepäulsjes“. Diese und unzählige andere, fremdsprachig anmutende Wortgebilde zur eindeutigen Personenbeschreibung haben durchaus im täglichen Sprachgebrauch zwischen Aachens Südregion und Trier ihren praktischen Sinn und lange Tradition.

Sie werden von zahlreichen Bewohnern der Nordeifel auch heute noch im ständigen Dialog miteinander und durch intensives Blättern im „Wörterbuch“ der Synonyme und ureigenen Mundart erschlossen, gebraucht und im Sinne praktischer Verständigung einheimischer Gesprächspartner munter angewandt.

Es handelt sich um alte, über Generationen hinweg vererbte Familiennamen, keineswegs jedoch Spitznamen oder gar spöttisch-verunglimpfende Rufbezeichnungen. Fragt der Gast aus „hochdeutschen“ Landen etwa in einem Dorf des Monschauer Landes nach der Adresse einer Familie Huppertz, so scheitert sein direkter und kurzfristiger „Blitzbesuch“ womöglich erst einmal an der Gegenfrage: „Welche unserer sieben Huppertze im Ort hätten Sie denn gern?“ Hätte der fremde Besucher aber konkret nach „Pettich“ gefragt: Bingo! Es wäre nur ein einziger Haushalt namens Huppertz in Frage gekommen und somit jedes Missverständnis früh ausgeschlossen worden.

Angesichts vielfacher Namensgleichheit, wie sie in manchen Eifeldörfern seit Generationen gang und gäbe ist, helfen sich die Einheimischen seit Urgroßmutters Tagen mit kommunikativen Zusätzen in Platt. Etwa mit Hinweisen auf Enkel übertragene, einprägsame und charakteristische Rufnamen des Großvaters („a Lange“), oder auf Berufsstände der Vorfahren („Uhrmächich“, „Köstech“, „a Poste“). Zudem geben Zusätze im Nu Informationen zur Herkunft und Wurzeln der betroffenen Personen preis (beispielsweise aus anderen Orten zugezogen, „van Öpe“). Andere typisierende Wesenseigenarten der Ahnen oder verbriefte Flurnamen, Gemarkungen von Ländereien und Wohnhaus–Standorten einst und jetzt geben ihrerseits beredt Auskunft über ihre und ihrer Altvorderen Broterwerb und Lebenslinien im Dorf („van Möllich“, „Pitterche vom Ferkeshöffje“).

Die Ur-Eicherscheiderin Trude Heiler hat sich seit ihrer Jugend mit Nordeifeler Heimatgeschichte befasst: „Ich habe meinen Vater Martin schon als Kind mit Fragen gelöchert“, sagt sie. Heute ist sie 86 Jahre – und kein bisschen müde zu recherchieren, wie es in ihrem Heimatort einst war. Mit Unterstützung ihres fast gleichaltrigen Ehemannes Theo hat Trude im Laufe von Jahrzehnten ein Archiv aufgebaut, das von gleichinteressierten Amateurhistorikern oft und gern als ergiebige Fundgrube durchstöbert wird.

Ein wahres Fass voller Wissen, ein Schatz und Spiegel kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Nordeifeler Lebens aus längst vergangenen Tagen, die aber gottlob dank Menschen wie Trude Heiler auch den Bürgern des Computerzeitalters stets gegenwärtig bleiben: „Ich habe Familienchroniken aus Eicherscheid und Umgebung ab dem Jahre 1600 bis 1912 erstellt“, sagt die in ihrem „Hauptberuf“ erfolgreiche Schneiderin. Sie hat für ihre gesammelten Ermittlungen „ganze Standesämter“ und Kirchenbücher durchforstet und wurde fündig. „Dem früheren Dechant Heribert Lennartz verdanke ich wertvolles Quellenmaterial“, erklärt sie.

Wie Hausnamen in Eicherscheid entstanden, fand die Forscherin heraus, und zwar „in der Regel in enger Verbindung mit Vornamen der Haushaltsvorstände, oder sie deuten auf den Arbeitserwerb des Namensträgers hin“.

Trude Heiler kann die Saga ihres Familienverbundes Arnold, „Aretz“, Matthias–Willem Offermann („Maswellemches“) bis Anno 1733 zurückverfolgen.

Viele Dokumente übertrug Trude Heiler per Hand vom Originalschriftstück in ihre Folianten: „Es gab anfangs ja noch keinen Fotokopierer, manchmal saß und schrieb ich nachts bis in den frühen Morgen.“ Sie fand heraus, dass die Schriftstücke und Datensammlungen in Eicherscheid tadellos in Schuss waren. Sie hatten die Weltkriege heil überstanden. Andere Orte und Kirchengemeinden hatten weniger Glück. Das Imgenbroicher Gotteshaus beispielsweise brannte ab.

Trude Heiler befragte die Bewohner mehrerer Nordeifeldörfer, sammelte wichtige Daten, immer auf den Spuren menschlicher Schicksale. „Ich schrieb immer“, kennt die umtriebige Eifelchronistin ihr lebenslanges Hobby, besser: Passion, nicht anders. Bei ihrer zeitraubenden Arbeit stieß die akribische Forscherin auch auf Kurioses: „Manche Familien, absolut ein – und dieselben Leute, nannten sich in einem Schreiben Jansen, im nächsten Dokument Claßen“, erzählt Trude Heiler. Sie stieß beim Schmökern in oft vergilbten Blättern und Aufzeichnungen so manches zum schmunzeln. So erfuhr sie Interna über „Beukecrines“, den heulenden Quirinus, der nahe am Wasser gebaut hatte, oder die Eifeler Originale Anton („Tünches“), „Paulusje“ oder den Wirt Martin „Martinches“.

Trude Heiler aber ist noch lange nicht „ausgeschrieben“. Im demnächst erscheinenden Eifel–Jahrbuch ist die Autorin wieder mit einem Beitrag vertreten. Und der handelt, wie anders könnte es sein, von Eifeler Familien.

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