Trotzreaktion in der Kirche: Skandale nicht im Vordergrund

Von: P. St.
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Dass die Gläubigen Zugang zur Kirche finden und nicht nur dann, wenn etwas geboten wird (wie hier einst bei einer Lichtaktion im Eifeldom Kalterherberg), gehört zu den Anliegen der Pfarrgremien. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Es gibt keine Sondersendungen, keine Plakate, keine Info-Stände, keine Flyer und auch keine wortreichen Duelle: Wenn am kommenden Wochenende, 9. und 10. November, im Bistum Aachen die Pfarrgremien gewählt werden, dann darf man kein Wahlspektakel, wie es auf politischer Ebene längst zum Ritual geworden ist, erwarten.

Dennoch muss auch die katholische Kirche um Wähler und Kandidaten kräftig werben, denn diese Wahlen finden zu einer Zeit statt, in der die katholische Kirche mit einem bedeutenden Vertrauensverlust zu kämpfen hat. Gewählt werden die Pfarreiräte und die übergeordneten GdG-Räte.

Ende letzten Monats stellten viele Amtsgerichte fest, dass sich die Zahl der Kirchenaustritte auch im Bistum im Oktober verdoppelt und teilweise sogar verdreifacht hat.

Diese Problematik sieht auch Michael Reimann, Gemeindereferent in St. Hubertus Roetgen und St. Antonius Rott: „Die Menschen stehen vor den Amtsstuben Schlange, um der Kirche den Rücken zu kehren. Sie haben anscheinend ihr Vertrauen in diese Gemeinschaft verloren.“

Hinzu komme aktuell der seit Wochen anhaltende öffentliche Wirbel um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, von den Medien inzwischen zum „Protz-Bischof“ umgetauft. Reimann: „Über das, was in Zusammenhang mit dem Bischof in seinem Bistum geschehen ist, sind viele enttäuscht, verärgert und wenden sich ab. Der Schaden für die katholische Kirche hat einen immensen Umfang. Auch die hauptamtlich in unseren Pfarreien arbeitenden Frauen und Männer sehen mit Sorge den Vertrauensverlust, den die Kirche durch diesen Schaden erlebt.“

Nicht von Ärger leiten lassen

Dennoch ist es dem Roetgener Gemeindereferenten wichtig, die Dinge zu unterscheiden und sich nicht allein von Ärger und Enttäuschung leiten zu lassen: „Kirche ist erst einmal die Kirche vor Ort und das Eingebundensein in die Gemeinschaft der jeweiligen GdG. Dafür stellen sich die Kandidatinnen und Kandidaten mit ihrer Kraft, ihrem Charisma und ihrer Zeit zur Verfügung. Sie wollen Verantwortung übernehmen.“

Sicher seien die Ereignisse um den Limburger Bischof schmerzhaft, aber das sollte nicht verhindern, „dass wir das Leben der Kirche hier bei uns gestalten und leuchten lassen“.

Diese Auffassung vertritt auch Karl-Heinz Stoffels, Pfarrer der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Monschau: „Ich glaube schon, dass die Leute ein Gespür dafür haben, was vor Ort passiert.“ So habe er in den zurückliegenden Wochen auch keinen Motivationsverlust bei den ehrenamtlich tätigen Laien feststellen können: „Die Menschen an der Basis wollen Verantwortung übernehmen, und als Pastor freue mich über jeden, der sich in der Kirche engagiert.“

Frustration oder Resignation an der Basis in Zusammenhang mit den anstehenden Rätewahlen hat auch Michael Stoffels, Pfarrer der GdG Simmerath, nicht gespürt: „Man spricht zwar über die aktuellen Themen und vieles wird auch kritisiert“, aber gerade in einer solchen Situation seien sich die ehrenamtlichen Helfer in besonderem Maße ihrer Verantwortung bewusst. Michael Stoffels blickt daher auch lieber nach vorne: „Wir brauchen engagierte Menschen in unseren Gemeinden, denen die Zukunft des Glaubens, der Kirche und der Gemeinde am Herzen liegt.“

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